Bayerischer Journalisten-Verband e.V.

Direkt springen zu:
Hauptnavigation:

Pressemitteilungen

Dienstag, 6.5.2008

Stoppt das neue Versammlungsrecht in Bayern!

BJV: Gesetzentwurf der Staatsregierung teilweise verfassungswidrig
Pressekonferenz im PresseClub
Pressekonferenz im PresseClub

München - Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) protestiert entschieden gegen den Gesetzentwurf der Staatsregierung für ein neues Versammlungsrecht in Bayern. Das geplante Gesetz beschneidet die Versammlungsfreiheit, die allen Bürgern im Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung garantiert wird und hebelt weitere Bürgerrechte aus.

Als Begründung für eine Verschärfung dient der Staatsregierung die Bekämpfung des „Extremismus von rechts und von links“. Doch die neuen Regeln können auch einschneidende Wirkung auf Streikaktionen, Demonstrationen und andere Formen der öffentlichen Meinungsäußerung von Bürgern und Journalisten in Bayern entfalten. So werden damit Versammlungen durch bürokratische Hürden deutlich erschwert oder in bestimmten Fällen ganz verboten. Erstmals werden auch Versammlungen in geschlossenen Räumen eingeschränkt.
 
Nach dem Gesetzentwurf der Bayerischen Staatsregierung bilden schon zwei Personen eine Versammlung. Statt bisher 48 Stunden müssen Versammlungen künftig 72 Stunden, bei überregionalen Aktionen sogar 96 Stunden zuvor schriftlich angemeldet werden. Spontan-Versammlungen sind nur noch in wenigen Ausnahmefällen möglich. Auf Veranstaltungsleiter und Ordner kommen eine ganze Reihe neuer Pflichten zu. Wird dagegen verstoßen, droht ein Bußgeld von bis zu 3.000 €.
 
Versammlungen können künftig auch dann verboten werden, wenn sie die Rechte Dritter unzumutbar beeinträchtigen. „Ein Gummiparagraf“, kritisiert BJV-Vorsitzender Dr. Wolfgang Stöckel die geplante Vorschrift. „Theoretisch kann eine Streikaktion vom Kreisverwaltungsreferat untersagt werden, weil wirtschaftliche Interessen von Verlegern bedroht werden oder eine Demonstration am verkaufsoffenen Samstag in der Innenstadt wird verboten, weil Ladenbesitzer einbußen befürchten. Die neue Regelung öffnet Tür und Tor für Ermessensentscheidungen.“
 
Der BJV fordert die Abgeordneten des Bayerischen Landtags auf, dem Gesetzentwurf der Bayerischen Staatsregierung ihre Stimme zu verweigern. „Die Versammlungsfreiheit darf nicht scheibchenweise einem vermeintlichen Mehr an Sicherheit geopfert werden“, sagt Dr. Wolfgang Stöckel. Im Kampf gegen den versteckten Grundrechtsabbau durch das neue Versammlungsrecht setzt die Journalistengewerkschaft mit ca. 8.600 Mitgliedern auch auf die Solidarität der Medien.

Derzeit gilt noch in allen Bundesländern das gleiche Versammlungsgesetz. Doch seit der Föderalismusreform im Jahr 2006 ist Versammlungsrecht Ländersache. Die Bayerische Staatsregierung hat dies zum Anlass genommen, das geltende Versammlungsrecht zu verschärfen und dazu einen Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht, der bereits ab Oktober 2008 in Bayern gelten soll.

Der BJV wird unter anderem auf dem Bayerischen Journalistentag am 7.Juni in Schweinfurt gegen das neue Versammlungsrecht protestieren. Die Teilnehmer wollen in der Innenstadt gegen das Vorhaben der Staatregierung demonstrieren.

Pfeilzurück  |  Warenkorbsymbolmerken
© 2005 Bayerischer Journalisten-Verband | powered by SELLTEC CMS