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Main-Post legt Leiharbeitspläne auf Eis
Würzburg, 18.1.2010; Mit der klassischen Tarifstruktur und ihren Gehältern könne man keine neuen Geschäftsfelder erschließen. Mit dieser Feststellung erteilte David Brandstätter, Geschäftsführer der "Main-Post", jeglicher Vereinbarung mit Gewerkschaften eine eindeutige Absage. Vor 60 Zuhörern, meist "Main-Post" Beschäftigten, unter ihnen auch die Chefredaktion, betonte der Geschäftsführer: Es wird niemand in die Leiharbeitsfirma RSW gezwungen. Man müsse aber auf den Umsatzeinbruch im Zeitungsbereich reagieren, auch wenn das Unternehmen derzeit noch keine roten Zahlen schreibe.
Dann, so betonte BJV-Geschäftsführerin Frauke Ancker, sei eine Anwendung der Öffnungsklauseln, die der Verband ja anbiete, genau das richtige. Das gebe auch Sicherheit, die die RSW nicht bieten könne, da die Leiharbeitsfirma leicht aufgelöst werden könne. Eine solche Vereinbarung lehnte Brandstätter aber mehrfach ab, unter anderem mit dem Hinweis, dass die Krise noch lange andauern werde. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken schloss daraus: "Sie wollen sich nur nicht in die Bücher schauen lassen und die Gewinnmaximierung auch auf der lokalen Ebene festschreiben." Und BJV-Vorsitzender Wolfgang Stöckel stellte fest: "Journalistische Qualität hat für viele Verlage keinen Wert mehr."
Brandstätter legte dar, die "Main-Post" habe dadurch, dass es ungleichen Lohn für gleiche Arbeit gebe, immerhin die Zahl der Redakteure seit 2000 nicht senken müssen. Man wolle aber nichts gegen den Willen der Belegschaft tun und habe daher die Transferierung der Chefredaktion und leitender Journalisten in die RSW "gestoppt".
Dem SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib kam durch die Diskussion die endültige Erkenntnis, dass die Gesetze zur Leiharbeit revidiert werden müssen, da offensichtlich Missbrauch getrieben werde. Er sieht die Gefahr, dass "eine Grundsäule des Staates, nämlich die Tarifpartnerschaft, wegfällt".
Text: Michael Anger, Foto: Ralph Bauer
