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Dienstag, 10.8.2010

Netzschau: Geschichte(n) schreiben

Service-Artikel aus dem "BJV Report" 4/2010

Gelungene Mitmachangebote und ausgezeichnete Reportagen

Leser schreiben Geschichte
Gemeinsam mit den Lesern Geschichte aufzubereiten kann sich lohnen. Für sein crossmediales Projekt „Grenzenlos – 20 Jahre Mauerfall“ erhielt der Fränkische Tag (Bamberg) im Frühjahr einen Deutschen Lokaljournalisten-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung (www.kas.de/lokaljournalistenpreis) in der Kategorie Zeitgeschehen. In der Begründung der Jury heißt es: „Elf Volontäre und Jungjournalisten erinnern an die Ereignisse, die vor 20 Jahren die Welt, mehr noch aber die Menschen in der Region bewegt haben. Sie binden die Leser mit ein und machen Geschichte lebendig.“

Zeitzeugen, die sich an den Mauerfall erinnerten, fand das Team vor allem durch den crossmedialen Ansatz, berichtet das Medienmagazin Drehscheibe. Neben eigenen Themenseiten im Blatt und drei Spezialausgaben des Wochenendmagazins Fränkischer Sonntag, produzierten die jungen Journalisten ein multimediales, mit zahlreichen Leserbeiträgen ausgestattetes Online-Dossier unter www.mauerfall.infranken.de – nachahmenswert!

Es muss ja nicht unbedingt ein historisches Ereignis sein. Bei der Geschichtswerkstatt Von Zeit zu Zeit (www.von-zeit-zu-zeit.de) bat die Stuttgarter Zeitung im September 2008 ihre Leser darum, in Wort und Bild darzustellen, wie sie das 20. Jahrhundert in der schwäbischen Metropole erlebt haben. 7.000 teils hochwertige Bilder wurden bislang publiziert, 850 so genannte Chronisten zählt die Seite inzwischen, berichtete bei der Tagung Zeitung Online im Juni die verantwortliche Redakteurin Hilke Lorenz. Neben rund 250 Veröffentlichungen in der gedruckten Zeitung und einem Journalistenpreis zeigt auch ein im Frühjahr erschienener Bildband ( "Unser Stuttgart. Die Stadt aus Sicht ihrer Bürger"), wie erfolgreich das Projekt war. Mehr Informationen über dieses Projekt und die redaktionelle Vorgehensweise finden Sie bei Onlinejournalismus.de im Beitrag „Leser schreiben Geschichte“ unter tinyurl.com/leser-schreiben.

Wiggibedia
Kein reines Geschichtsprojekt ist das Franken-Wiki (www.franken-wiki.de und seit kurzem auch www.wiggibedia.de). Im Sommer 2007 startete die Nürnberger Zeitung (NZ) ihr interaktives Online-Lexikon für die Metropolregion Nürnberg und ganz Franken. Wie bei der Enzyklopädie Wikipedia kann hier jeder Besucher mitmachen. „Beim Aufbau des Seiten-Grundstocks, der zirka 400 Einträge umfasste, war die Redaktion der NZ aktiv beteiligt“, berichtete der Projektverantwortliche Clemens Helldörfer 2008 im BJV Report. Mittlerweile freuen sich die Franken über 2.000 Besucher täglich, rund 3.500 Artikel umfasst das Mitmach-Lexikon, das auch mit sozialen Netzwerken wie MeinVZ, StudiVZ und Facebook bestens verknüpft ist. In der Beliebtheitsskala (tinyurl.com/frankenwiki-beliebt) ganz oben ist übrigens der Artikel „BILD-Zeitung Nürnberg“.

Weitere Geschichtswerkstätten mit Leserbeteiligung gibt es bei der Würzburger Main-Post (Geschichte: www.mainpost.de/geschichte), Frankfurter Rundschau (Frankfurt Story – Die Stadt. Die Menschen. Die Geschichte: www.frankfurt.frblog.de), Kieler Nachrichten (Zeitzeugen: www.kn-online.de/zeitzeugen), Ludwigsburger Kreiszeitung (Ludwigsburg gestern – heute: www.ludwigsburg-gestern-heute.de), Ruhr Nachrichten (Nahraum, meine Fotowelt nahraum.de), sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg (GeZeitenge-zeiten.de). Als erfolgreichstes Projekt in diesem Genre gilt das von Spiegel Online 2007 gestartete Zeitgeschichts-Portal Einestages (www.einestages.de). Das von fünf Redakteuren betreute Angebot schaffte es 2008 als gedrucktes Heft mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren an den Kiosk. Im Juni wurde aber eine weitere Print-Ausgabe laut Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron „zurückgestellt“. Schließlich dienen diese Zusatzangebote nicht alleine dazu, die Leser zu „bespaßen“ oder das Renommee zu verbessern: „Medienhäuser brauchen Beiboote, die zusätzliche Reichweite bringen“, sagt Wolfram Kiwit, Chefredakteur der Ruhr Nachrichten im Medium Magazin. Sein Tipps für Kollegen, die so ein Projekt starten wollen: „Einfach anfangen“ und: „Die Redaktionen müssen die Chance einer solchen Plattform verinnerlichen. Und täglich leben.“

Ausgezeichnete Reporter
„Zeitungen und Magazine können nur überleben, wenn in ihnen gute Geschichten erzählt werden“, schreiben die Betreiber der 2007 gestarteten Initiative Reporter-Forum e.V. Die Website www.reporter-forum.de informiert über die eigenen Aktivitäten und bietet unter anderem Audio-Dateien aus den eigenen Reporter-Workshops. So kann man sich etwa die sehr authentisch geäußerten Erkenntnisse der mit mehreren Journalistenpreisen ausgezeichneten Kollegen Josef-Otto Freudenreich und Michael Ohnewald über die Lokalzeitungs-Reportage anhören. Auch zum Lesen gibt es jede Menge, ob „Laborberichte“ (Wissenschaftsreportagen) oder ein großes Archiv mit prämierten Texten, die bis 1977 zurückreichen. Auch über das „Wie man's macht“ geben renommierte Kollegen in der gleichnamigen Unterrubrik beredt Auskunft.

Noch detailliertere Einblicke in die eigene Arbeit gewähren Journalisten auf der Website ansTageslicht.de in der Rubrik „Andere Stories“. „Hartnäckige Recherchen im Rockermilieu“ brachten etwa der Weser-Kurier-Redakteurin Christine Kröger einen zweiten Preis beim diesjährigen Wächterpreis ein. Hier schildert sie anhand von Auszügen aus ihren Rechercheprotokollen, wie sie in diesem schwierigen Umfeld vorgegangen ist – eine spannende und mitunter sehr lehrreiche Lektüre.

Tägliche Nachrichten und Tipps für Journalisten

Täglich aktualisierte und verschlagwortete Links zur aktuellen Berichterstattung über den Journalismus finden Sie in der Bookmark-Sammlung Onlinejournalismus unter tinyurl.com/onliner – derzeit sind dort rund 15.000 Links abgelegt. Die Linktipps lassen sich auch per RSS abonnieren.

Ältere Ausgaben der Netzschau
Dieser Artikel stammt aus dem BJV Report 4/2010, ältere Ausgaben des Heftes finden Sie zum Download als PDF unter www.bjv-report.de. Hier finden Sie die vorigen Ausgaben der Netzschau mit den Titeln:

Thomas Mrazek
kontakt@thomas-mrazek.de


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