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Netzschau: Geschichte(n) schreiben
Gelungene Mitmachangebote und ausgezeichnete Reportagen
Leser schreiben
Geschichte
Gemeinsam mit den Lesern Geschichte aufzubereiten kann sich
lohnen. Für sein crossmediales Projekt „Grenzenlos – 20
Jahre Mauerfall“ erhielt der Fränkische Tag
(Bamberg) im Frühjahr einen Deutschen Lokaljournalisten-Preis
der Konrad-Adenauer-Stiftung (www.kas.de/lokaljournalistenpreis)
in der Kategorie Zeitgeschehen. In der Begründung der Jury
heißt es: „Elf Volontäre und Jungjournalisten erinnern an die
Ereignisse, die vor 20 Jahren die Welt, mehr noch aber die
Menschen in der Region bewegt haben. Sie binden die Leser mit
ein und machen Geschichte lebendig.“
Zeitzeugen, die sich an den
Mauerfall erinnerten, fand das Team vor allem durch den
crossmedialen Ansatz, berichtet das Medienmagazin Drehscheibe. Neben eigenen
Themenseiten im Blatt und drei Spezialausgaben des
Wochenendmagazins Fränkischer Sonntag, produzierten
die jungen Journalisten ein multimediales, mit zahlreichen
Leserbeiträgen ausgestattetes Online-Dossier unter www.mauerfall.infranken.de –
nachahmenswert!
Es muss ja nicht unbedingt ein historisches Ereignis sein. Bei
der Geschichtswerkstatt Von Zeit zu Zeit (www.von-zeit-zu-zeit.de) bat die
Stuttgarter Zeitung im September 2008 ihre Leser
darum, in Wort und Bild darzustellen, wie sie das 20.
Jahrhundert in der schwäbischen Metropole erlebt haben. 7.000
teils hochwertige Bilder wurden bislang publiziert, 850 so
genannte Chronisten zählt die Seite inzwischen, berichtete bei
der Tagung Zeitung Online im Juni die verantwortliche
Redakteurin Hilke Lorenz. Neben rund 250
Veröffentlichungen in der gedruckten Zeitung und einem
Journalistenpreis zeigt auch ein im Frühjahr erschienener
Bildband ( "Unser Stuttgart. Die Stadt aus Sicht
ihrer Bürger"), wie erfolgreich das Projekt war. Mehr
Informationen über dieses Projekt und die redaktionelle
Vorgehensweise finden Sie bei Onlinejournalismus.de im Beitrag
„Leser schreiben Geschichte“ unter tinyurl.com/leser-schreiben.
Wiggibedia
Kein reines Geschichtsprojekt ist das Franken-Wiki (www.franken-wiki.de und seit
kurzem auch www.wiggibedia.de). Im Sommer
2007 startete die Nürnberger Zeitung (NZ) ihr
interaktives Online-Lexikon für die Metropolregion Nürnberg und
ganz Franken. Wie bei der Enzyklopädie Wikipedia kann hier
jeder Besucher mitmachen. „Beim Aufbau des Seiten-Grundstocks,
der zirka 400 Einträge umfasste, war die Redaktion der NZ aktiv
beteiligt“, berichtete der Projektverantwortliche Clemens Helldörfer 2008
im BJV Report. Mittlerweile freuen sich die Franken
über 2.000 Besucher täglich, rund 3.500 Artikel umfasst das
Mitmach-Lexikon, das auch mit sozialen Netzwerken wie MeinVZ,
StudiVZ und Facebook bestens verknüpft ist. In der
Beliebtheitsskala (tinyurl.com/frankenwiki-beliebt)
ganz oben ist übrigens der Artikel „BILD-Zeitung
Nürnberg“.
Weitere Geschichtswerkstätten mit Leserbeteiligung gibt es bei
der Würzburger Main-Post (Geschichte: www.mainpost.de/geschichte),
Frankfurter Rundschau (Frankfurt Story – Die
Stadt. Die Menschen. Die Geschichte: www.frankfurt.frblog.de),
Kieler Nachrichten (Zeitzeugen: www.kn-online.de/zeitzeugen),
Ludwigsburger Kreiszeitung (Ludwigsburg gestern –
heute: www.ludwigsburg-gestern-heute.de),
Ruhr Nachrichten (Nahraum, meine
Fotowelt – nahraum.de), sh:z
Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg
(GeZeiten – ge-zeiten.de). Als
erfolgreichstes Projekt in diesem Genre gilt das von
Spiegel Online 2007 gestartete Zeitgeschichts-Portal
Einestages (www.einestages.de). Das von fünf
Redakteuren betreute Angebot schaffte es 2008 als gedrucktes
Heft mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren an den Kiosk. Im
Juni wurde aber eine weitere Print-Ausgabe laut
Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von
Blumencron „zurückgestellt“. Schließlich dienen
diese Zusatzangebote nicht alleine dazu, die Leser zu
„bespaßen“ oder das Renommee zu verbessern: „Medienhäuser
brauchen Beiboote, die zusätzliche Reichweite bringen“, sagt Wolfram Kiwit,
Chefredakteur der Ruhr Nachrichten im Medium
Magazin. Sein Tipps für Kollegen, die so ein Projekt
starten wollen: „Einfach anfangen“ und: „Die Redaktionen müssen
die Chance einer solchen Plattform verinnerlichen. Und täglich
leben.“
Ausgezeichnete Reporter
„Zeitungen und Magazine können nur überleben, wenn in ihnen
gute Geschichten erzählt werden“, schreiben die Betreiber der
2007 gestarteten Initiative Reporter-Forum e.V. Die Website www.reporter-forum.de informiert
über die eigenen Aktivitäten und bietet unter anderem
Audio-Dateien aus den eigenen Reporter-Workshops. So kann man
sich etwa die sehr authentisch geäußerten Erkenntnisse der mit
mehreren Journalistenpreisen ausgezeichneten Kollegen Josef-Otto Freudenreich
und Michael Ohnewald über die
Lokalzeitungs-Reportage anhören. Auch zum Lesen gibt es jede
Menge, ob „Laborberichte“ (Wissenschaftsreportagen)
oder ein großes Archiv mit prämierten Texten, die bis 1977
zurückreichen. Auch über das „Wie man's macht“ geben renommierte
Kollegen in der gleichnamigen Unterrubrik beredt
Auskunft.
Noch detailliertere Einblicke in die eigene Arbeit gewähren
Journalisten auf der Website ansTageslicht.de in der Rubrik „Andere Stories“. „Hartnäckige Recherchen im Rockermilieu“
brachten etwa der Weser-Kurier-Redakteurin Christine Kröger einen
zweiten Preis beim diesjährigen Wächterpreis ein. Hier schildert sie
anhand von Auszügen aus ihren Rechercheprotokollen, wie sie in
diesem schwierigen Umfeld vorgegangen ist – eine spannende und
mitunter sehr lehrreiche Lektüre.
Tägliche Nachrichten und Tipps für Journalisten
Täglich aktualisierte und verschlagwortete Links zur aktuellen
Berichterstattung über den Journalismus finden Sie in der
Bookmark-Sammlung Onlinejournalismus unter tinyurl.com/onliner – derzeit
sind dort rund 15.000 Links abgelegt. Die Linktipps lassen sich
auch per RSS abonnieren.
Ältere Ausgaben der Netzschau
Dieser Artikel stammt aus dem BJV Report 4/2010,
ältere Ausgaben des Heftes finden Sie zum Download als PDF
unter www.bjv-report.de. Hier
finden Sie die vorigen Ausgaben der Netzschau mit den
Titeln:
- "Lobo, Lindner und Lektüre" (BJV Report 3/2010)
- "Neue Modelle braucht der Journalismus!" (BJV Report 2/2010)
- "Hoch lebe der Newsletter!" (BJV Report 1/2010)
- "Bratwürste,
Downloads und Zwitscherer" (BJV Report
6/2009)
