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Netzschau: Neue Modelle braucht der Journalismus!
München - Zukunftsdebatten, Freemium und die individuelle
Zeitung
"Die Zukunftsdebatte des Journalismus gehört auf Seite 1, muss
zum ständigen Thema werden", fordert DJV-Bundesvorsitzender
Michael Konken. Zumindest im Netz ist diese Forderung längst
angekommen.
"Digitale Mediapolis", heißt eine Reihe bei Focus
Online, die sich mit Medien im Umbruch beschäftigt:
"Journalisten und Medienforscher aus den USA sprechen in einer
Interview-Serie mit den Medienwissenschaftlern Leif Kramp und
Stephan Weichert über die Zukunft der digitalen
Öffentlichkeit", heißt es unter: tinyurl.com/digitale-mediapolis.
Sueddeutsche.de bringt es mit der Serie "Wozu noch
Journalismus?" auf den Punkt: "Wie bisher kann es nicht
weitergehen – Journalisten müssen über ihren Job nachdenken."
Nachgedacht haben bisher namhafte Kollegen wie Volker
Lilienthal, Stefan Niggemeier, Hajo Schumacher und andere: tinyurl.com/wozu-noch.
Täglich lesenswerte Beiträge liefert übrigens das neue
Online-Ressort Medien www.sueddeutsche.de/medien.
Allerdings gibt es dort nicht alle Beiträge aus der
Printausgabe der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Etwas
großzügiger ist da schon Spiegel Online, denn hier
gibt es einige Hundert Artikel, die den "Umbruch in der
Medienwelt" schon seit einigen Jahren dokumentieren: tinyurl.com/umbruch-medienwelt.
Wer sich über den Umbruch ergänzend auf Papier informieren mag,
der kann bei der Drehscheibe den 32-seitigen Reader
zum 18. Forum Lokaljournalismus der Bundeszentrale für
politische Bildung bestellen. Die Veranstaltung beschäftigte
sich Ende Januar unter dem Titel "Der bessere
Lokaljournalismus" vor allem mit den Herausforderungen des
digitalen Zeitalters: www.drehscheibe.org/publikationen/.
Nicht nur auf den Journalismus bezogen aber trotzdem
erwähnenswert ist auch die FAZ.NET Anfang 2010
eingerichtete Artikelreihe "Digitales Denken – Wie verändert
uns das Internet": tinyurl.com/digitales-denken.
Kostenlose Fachbücher
Umbruch und Wandel finden vor allem bei den Geschäftsmodellen
für Inhalte statt. Eines der neuen Konzepte ist Freemium:
"Freemium ist ein Geschäftsmodell, bei dem Basisdienste gratis
angeboten werden und für weitere Dienste ein Preis verlangt
wird. Freemium ist ein Kunstwort bestehend aus 'free' und
'premium'. Viele Internetfirmen benutzen Freemium als
Geschäftsmodell, so zum Beispiel Skype, Flickr und XING (...)",
heißt es im Wikipedia-Beitrag zu Freemium (de.wikipedia.org/wiki/Freemium).
Ganz neu ist Freemium freilich nicht, im Onlinejournalismus ist
das Modell mehr oder weniger von Beginn an gang und gäbe. Neu
und vielleicht zukunftsweisend ist dabei vielleicht der
Buchmarkt. Die Leipziger Internet-Seite PaperC (www.paperc.de) wirbt damit,
eine Plattform zum kostenfreien Lesen von Fachbüchern
anzubieten. "Finanziert wird PaperC durch ein Freemium-Modell:
Lesen und Durchsuchen aller Texte ist kostenfrei, darüberhinaus
bietet PaperC Premium-Funktionen. Textstellen lassen sich
speichern, drucken und mit Notizen und Anmerkungen versehen,
der Nutzer zahlt einen Seitenpreis", schreiben die Leipziger
auf ihrer Website. Immerhin rund zwei Dutzend mitunter sehr
bekannte Verlage kooperieren mit PaperC, etwa 3.200 Fachbücher
können nach Anmeldung (Name und E-Mail-Adresse) gelesen
werden.
Für Journalisten besonders interessant dürften die Bücher aus
der Konstanzer UVK Verlagsgesellschaft (www.uvk.de) sein. So können
etwa Werke wie "Der Relaunch – Zeitung, Zeitschrift, Internet"
oder "Journalistische Qualität" kostenfrei über PaperC gelesen
werden. 180 Titel will UVK im Lauf des Jahres zur kostenfreien
Volltextsuche und zum Lesen dort bereitstellen. Hoffentlich
geht die Rechnung auch für den Verlag auf, mag man da
einwenden; wir haben hierzu Bernd Sonneck von UVK befragt
(siehe Interview "Kostenfreie Bücher – ein gutes
Geschäft?").
Etwas irritiert war hingegen ein Münchner Journalist, der nicht
namentlich genannt sein will, als er sein Buch (das von einem
anderen Verlag bei PaperC angeboten wird) dort entdeckte: "Der
Verlagsvertrag ist ein kompletter Buy-Out, die können mit dem
Buch mehr oder weniger machen, was sie wollen, ich erfahre nur
durch Zufall von solchen Kooperationen. Und das ärgert mich
jetzt schon: man hätte es mir wenigstens sagen können." Es
bleibt also abzuwarten, inwiefern sich solche Modelle – ob auf
dem Buchmarkt oder im Journalismus – als nützlich und vor allem
fair für alle Marktbeteiligten erweisen.
Zeitung nach Maß
Neue Vertriebswege beschreitet auch die Syntops GmbH, seit Ende
März bietet das Augsburger Unternehmen mit "PersonalNews" die
nach eigenen Angaben "erste individuelle Tageszeitung, bei der
Zeitungleser selbst entscheiden, was sie lesen". Die Leser
können sich dabei per Mausklick ihre PersonalNews aus den
Inhalten von derzeit 14 regionalen, nationalen und
internationalen Zeitungen (unter anderem die Münchner
Abendzeitung, Hamburger Abendblatt, Washington Post)
zusammenstellen. "Die Zeitung nach Maß landet am nächsten
Morgen zum Frühstück im E-Mail-Postfach und kann als
PDF-Dokument oder im E-Viewer gelesen werden", heißt es in
einer Pressemitteilung. Eine Ausgabe kostet derzeit einen Euro,
bis Anfang Mai können Sie das Angebot komplett kostenlos
testen: www.individuelle-zeitung.de.
Dieser Artikel stammt aus dem BJV Report 2/2010,
ältere Ausgaben des Heftes finden Sie zum Download als PDF
unter www.bjv-report.de. Die
vorigen Ausgaben der Netzschau mit den Titeln "Hoch
lebe der Newsletter!" (BJV Report 1/2010) und "Bratwürste,
Downloads und Zwitscherer" (BJV Report 6/2009)
finden Sie auf der BJV-Website.
