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Donnerstag, 24.2.2011

„Crowdsourcing schafft Transparenz“
BJV diskutiert über die Auswirkungen von Wikis auf die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bericht: Wolfgang M. Seemann

Es ist ein Phänomen, wie sich die Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in kürzester Zeit zum absoluten PR-Gau des Ministers entwickelt hat. Mitverantwortlich dafür: Das sogenannte „Crowdsourcing“. Die Schwarmintelligenz, so der freie Online-Journalist Bernd Oswald am Mittwoch im Presseclub München, habe einmal mehr gezeigt, über welche demokratische Macht die Netzgemeinde verfüge. Bei der Veranstaltung der Fachgruppe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Journalisten-Verbandes BJV diskutierten die Journalisten über die Auswirkungen von Wikis auf die Pressearbeit.

Enthüllungsplattformen wie WikiLeaks sind noch ein relativ junges Medium, fasste Thomas Mrazek, Vorsitzender im Fachausschuss Online des Deutschen Journalisten-Verbandes DJV, zusammen. Aber die Auswirkungen der anonymen Publikation von Dokumenten, die bislang als Verschlusssache galten, könnten enorm sein – gerade auch im Hinblick auf die Arbeit von Journalisten, so Mrazek. Die ungeheuren Datenmengen, die bei WikiLeaks veröffentlicht werden, setzten selbständige Netzmechanismen in Kraft. Denn soche Datensätze müssten grundsätlich erst einmal gesichtet, aufbereitet und visualisiert werden. Im Falle der Plagiatsaffäre des Verteidigungsministers geschah dies mit Hilfe eines eigenen Wikis. Über das „Guttenplag-Wiki“ dokumentierten Plagiatsfahnder in kürzester Zeit zahlreiche Fundstellen und machten die Fehler des Ministers zugleich auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Mrazek: „Selbst ich hätte noch vor zwei Wochen nicht für möglich gehalten, dass sich die Plagiatsaffäre in der Netzgemeinde derart verselbständigt".

Crowdsourcing schaffe Transparenz, ergänzte Bernd Oswald, der mit Thomas Mrazek gemeinsam das Blog www.journalisten-training.de betreibt. Oswald: „Wenn das Ergebnis der Arbeit der Netzgemeinde dann wiederum derart prominenten Eingang in die klassischen Medien findet, dann stärkt das die Motivation derjenigen, die sich um jene Transparenz bemühen“.

Wie sollen PR-Leute angesichts solcher sich verselbständigen Mechanismen nun mit diesen Dingen umgehen?, lautete die grundlegende Frage mit der sich die Diskussionsteilnehmer auseinander setzten. Man könne jeden Tag im Web neu dazu lernen, ist Thomas Mrazek überzeugt. Die PR müsse dabei ihre eigenen Social Media-Aktivitäten fest im Griff haben. Mrazek: „Letztlich aber bleiben die aus Journalistensicht klassischen alten Werte wichtiger denn je: Vertrauen schaffen, Authentizität gewährleisten, agieren statt reagieren“. Man müsse neue Wege beschreiten. Effizientes Monitoring und realistische Einschätzung seien in jeder Weise besser als Panikmache oder einfaches Aussitzen.


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