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Mittwoch, 26.5.2010

Mein Haus, mein Auto, meine Homepage

Fachgruppe Freie mit Vortrag zum professionellen Webauftritt
Matthias Neigenfeind (li.) und Claus G. Riedel, Geschäftsführer der EDV-Firma R-IQ; Foto: Kornelia Doren
Matthias Neigenfeind (li.) und Claus G. Riedel, Geschäftsführer der EDV-Firma R-IQ; Foto: Kornelia Doren

Warum soll man sich als Journalist eigentlich die Mühe machen, eine eigene Homepage zu entwerfen? Und wenn man sich die Mühe macht, was gilt es zu beachten? Darum ging es bei einer Veranstaltung am 26. Mai im Münchner Presseclub – geladen hatten die Fachgruppen Freie, Junge und Europa. Und gekommen sind rund 50 Interessierte. Als Experte stand der freie Journalist Mathias Neigenfind Rede und Antwort. Das technische Know-How lieferte Claus G. Riedel, der Neigenfinds Homepage als EDV-Experte programmiert hat. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von Kornelia Doren (Fachgruppe Freie Journalisten).

 
Die wichtigste Frage, die man sich zu Beginn stellen sollte, lautet: Was will man mit der eigenen Homepage erreichen? Und wen will man ansprechen? So gibt es statische Homepages, die einmal eingerichtet werden und sich nicht mehr verändern. Es gibt dynamische Homepages, die immer wieder mit Hilfe eines Content-Management-Systems (CMS) selbständig aktualisiert werden können. Und es gibt Homepages, die stark personalisiert sind und die nicht zuletzt einen Personenkult bedienen – also vor allem für Moderatoren geeignet sind.
 
Mathias Neigenfind hat sich vor sechs Jahren selbständig gemacht und sich für eine dynamische Homepage entschieden. Er arbeitet in Ansbach als freier Journalist, unter anderem für die Nürnberger Zeitung, die dpa und Antenne Bayern. Um schneller an Aufträge von anderen Redaktionen zu kommen, hat sich die Homepage als brauchbare Visitenkarte erwiesen. „Sie bringt zwar nicht direkt weitere Aufträge, aber indirekt.“ So sei es für eine Redaktion viel einfacher kurz auf der eigenen Webseite vorbeizuschauen als sich mit einzelnen Arbeitsproben zu beschäftigen. Außerdem sei es wichtig ein einheitliches Layout zu entwickeln – für die Homepage, die Visitenkarten und auch das Firmenfahrzeug. „Ich bin orange“, gibt Neigenfind freimütig zu und setzt damit auf einen gewissen Wiedererkennungswert – schließlich sind an diesem Abend nicht nur Hemd und Brillengestell orange sondern vor allem auch seine Homepage.
 
Einer der wichtigsten Punkte sei, aus seiner Sicht, die Homepage möglichst aktuell zu halten. So müsse man täglich etwa 15 bis 20 Minuten investieren, um die neuesten Artikel hochzuladen – mache dadurch aber einen deutlich professionelleren Eindruck im Vergleich zu Homepages, die kaum gepflegt würden. „Für den Anfang kann man sich auch mit einem Baukasten-System behelfen“, erklärt EDV-Experte Claus G. Riedel aus Burgthann bei Nürnberg . Einer der prominentesten Anbieter in diesem Bereich ist „wordpress.com“. Hier kann man sich heutzutage schon für wenig Geld und mit wenig Zeitaufwand eine Homepage zusammenbasteln. „Der Nachteil,“ so Riedel, „ihre Homepage sieht so aus wie tausend andere Seiten.“ Das Alleinstellungsmerkmal ginge flöten.
 
„Und genau das ist für Journalisten, vor allem freie Journalisten essentiell wichtig“, davon ist Mathias Neigenfind überzeugt. Deshalb war es ihm die Investition in Höhe von rund 900 Euro für eine eigene individuelle Homepage inklusive CMS wert. In Hinblick auf die Inhalte gab der Journalist aus Ansbach auch einige praktische Tipps. Erstens: Möglichst oft den eigenen Namen verwenden, zum Beispiel „neigenfind.org“. Zweitens: Navigationsleiste sollte – wie üblich – links oder oben angebracht sein, keine Experimente. Drittens: Auf der Startseite sollten die aktuellsten Artikel zu finden sein. Viertens: Die eigene Dienstleistung einmal klar beschreiben, inklusive Lebenslauf und Bilder. Fünftens: Im Impressum eigene Adresse angeben inklusive Haftungsausschluss und Umsatzsteuernummer.
 
Einer der nützlichsten Ratschläge war sicher: Veröffentlichte Texte und Bilder nur in Form eines eigenen Layouts auf die Homepage stellen, niemals im Originallayout der Auftrag gebenden Zeitung. Unproblematisch ist hingegen ein Link zum Artikel oder TV-Beitrag, den man allerdings regelmäßig auf seine Aktualität hin überprüfen sollte.
 
Ein weiterer Tipp: Um überprüfen zu können, wer auf der eigenen Homepage unterwegs war, kann sich bei „Google Analytics“ (www.google.com/analytics ) ein Benutzerkonto einrichten, mit dem er genau das – kostenlos – einsehen kann. So kann man sich von Google täglich, wöchentlich oder monatliche entsprechende Auswertungen zusenden lassen. Die einzige Bedingung: Man muss auf der Homepage kenntlich machen, dass die Daten an „Google Analytics“ übertragen werden. Apropos Google: Für die Suchmaschinenoptimierung ist es hilfreich möglichst viele aussagekräftige Schlagworte anzugeben – vor allem in der Überschrift. Und gut ist auch, wenn andere Homepages auf die eigene Seite verlinken. „Das pusht die Seite extrem nach vorne“, berichtet ein Teilnehmer von seiner Erfahrung.
 
Bei der eigenen Homepage sind der Kreativität grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. So kann man, wie Mathias Neigenfind, einen Newsletter entwickeln, der unterschiedliche Redaktionen regelmäßig auf aktuelle Artikel aufmerksam macht. „Ich habe dadurch kaum Arbeit und einen Zusatznutzen, schließlich sehe ich in der Übersicht genau wer meinen Text heruntergeladen hat und kann dem gegebenenfalls nachgehen.“ Oder man lässt wie Neigenfind einen Newsticker durchlaufen, den man auf „N24.de“ kostenlos herunterladen kann. Die eigene Homepage ist also, vor allem für freie Journalisten, ein interessantes Tool in Hinblick auf das eigene Marketing – so meldete sich von den 50 Teilnehmern immerhin ein Fünftel, als es darum ging „Wer hat bereits eine eigene Homepage?“ In Zukunft werden das, auch angeregt durch den Abend im Münchner Presseclub, mit Sicherheit mehr werden.
 
 
Text: Pauline Tillmann

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