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Montag, 26.4.2010
Alles nur Panikmache?
Die Berichterstattung zur WM in Südafrika
Von Pauline Tillmann
Von Pauline Tillmann
Über die Berichterstattung über Südafrika diskutierten am 26. April im Presseclub München (v. li.): Martin Sipho Ngundze (Vize-Konsul, Generalkonsulat Südafrika, München), Riedwaan Ahmed (Konsul, Generalkonsulat Südafrika, München), Dr. Hilde Stadler (stellv. BJV-Vorsitzende), Richard Klug, ARD-Korrespondent; Foto: Wolfgang SeemannMünchen, PresseClub - Weder Zeitungen, Internet, Radio noch Fernsehsender kommen um das Thema herum: Südafrika. Am 11. Juni, also in gut einem Monat, startet dort die Fußball-Weltmeisterschaft und die Aufregung ist groß, seit Monaten schon. Aber wird überhaupt ausgewogen genug über das afrikanische Vorzeigeland berichtet? Oder ist die Berichterstattung etwa zu einseitig negativ? Über dieses Thema diskutierten am 26. April im Münchner Presseclub Südafrikas Konsul Riedwaan Ahmed, der Vizekonsul Martin Ngundze und der ARD-Korrespondent für Südafrika, Richard Klug. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Vorsitzenden der Fachgruppe Rundfunk, Hilde Stadler.
„Die Weltmeisterschaft ist die perfekte Gelegenheit,
der Welt zu zeigen welche Fortschritte Südafrika seit dem
Ende der Apartheid gemacht hat“, sagt der südafrikanische
Konsul Riedwaan Ahmed. Die Zahlen geben ihm Recht: Nach den
Olympischen Spielen ist die WM das zweitgrößte Sportereignis
der Welt, mehr als 30 Milliarden Menschen werden die Spiele
in mehr als 200 Ländern mitverfolgen. Riedwaan Ahmed verweist
darauf, dass Südafrika schon einige große Events veranstaltet
habe und deshalb durchaus in der Lage sei so eine WM
auszurichten. „Wir haben jedes Jahr 14 Millionen Besucher,
neun Millionen aus dem Ausland und fünf Millionen aus Afrika.
Wir waren überrascht zu hören, dass man uns die WM einfach
nicht zutraut.“ Vor allem die deutschen und britischen Medien
hätten anfangs sehr kritisch berichtet, erklärt Ahmed. Ein
entsprechendes Monitoring habe gezeigt, dass die deutsche
Berichterstattung über Südafrika noch vor einem Jahr zu 90
Prozent negativ gewesen sei. Mittlerweile habe sich das Bild
aber gewandelt: In diesem Jahr habe es 60 Prozent positive
und nur noch 40 Prozent negative Berichterstattung gegeben.
Dass Südafrika vor großen Herausforderungen steht, stellte
auch Ahmed nicht in Frage, „aber man muss beide Seiten
zeigen, nicht immer nur das Negative“. Das bestätigt Richard
Klug, der seit mehr als vier Jahren für die ARD aus Südafrika
berichtet. Aber: Die Medien in Südafrika hätten selber den
Anfang gemacht. „Als die Entscheidung im Mai 2004 gefallen
ist, hat ein Selbstzerfleischungsprozess im eigenen Land
begonnen. Im Mittelpunkt stand die Frage: Können wir es
überhaupt schaffen, das zu stemmen?“ Klug entgegnet: „Ja,
warum denn nicht?“ Aus seiner Sicht dürfe man die
Schwierigkeiten nicht verschweigen – dürfe aber auch nicht
ständig darauf herumhacken. Probleme habe das Land vor allem
mit den Transportwegen, denn es gebe kein nennenswertes
Zugnetz wie bei uns. Und natürlich spiele auch die hohe
Kriminalität eine große Rolle – „aber mir ist kein einziger
Fall bekannt, bei dem ein Tourist angegriffen wurde“. Die
Kriminalität sei auf die Elendsviertel, die „Townships“
konzentriert. Und die Opfer seien fast immer die Bewohner der
Townships. Dennoch rät Klug jedem dort einmal hinzugehen,
denn dort erlebe man das pralle Leben: „Man darf nur nicht
allein und nicht nachts unterwegs sein.“
Ein weiterer Kritikpunkt: Werden die Stadien
rechtzeitig fertig? Richard Klug hat sich in den vergangenen
Monaten oft über diese Frage geärgert. Denn seiner Ansicht
nach war die Fertigstellung der fünf neuen Stadien und der
Umbau von fünf weiteren Stadien nie ernsthaft gefährdet.
„Wenn deutsche Journalisten über Afrika schreiben, trauen sie
den Afrikanern vieles nicht zu.“ Sollten sie aber, denn es
gebe viel mehr als die oft strapazierten vier Ks: Kriege,
Krisen, Katastrophen und Krankheiten. „Ich kann den
Afrika-Pessimismus jedenfalls nicht verstehen“, so Klug. Den
Grund für diesen Pessimismus sieht Vizekonsul Ngundze darin,
dass Südafrika zwar nur zehn Flugstunden entfernt liegt, die
meisten aber noch nicht da gewesen seien und man sich so
nicht sein eigenes Bild habe machen könne.
Defizite sieht ARD-Korrespondent Richard Klug jedoch
nicht nur bei der deutschen Berichterstattung über Südafrika,
sondern auch bei der südafrikanischen Regierungspartei: „Auf
Kritik regiert man leider immer sehr sensibel, von Offenheit
gegenüber den Medien keine Spur.“ Anhand von einigen
Beispielen macht Klug deutlich wie schwierig es ist eine
Drehgenehmigung zu bekommen – mitunter kann es sogar mehrere
Monate dauern. Zwar herrsche in Südafrika Pressefreiheit,
aber der Umgang mit den Medien sei von permanentem Misstrauen
durchzogen. „Ein Auskunftsrecht bei öffentlichen
Einrichtungen gibt es auch in Südafrika,“ erklärt Konsul
Ahmed, „aber es liegt im Ermessen der Behörden wie lange es
dauert bis eine Anfrage bearbeitet wird.“
Der oft als schleppend kritisierte Ticketverkauf ist
ein weiterer Punkt. Konsul Ahmed und auch Richard Klug geben
Entwarnung: „Es gibt insgesamt drei Millionen Tickets,
inzwischen sind mehr als 2,3 Millionen Tickets verkauft.“ Und
der Korrespondent glaubt, dass in den nächsten Wochen die
restlichen Tickets auf jeden Fall noch verkauft werden
würden. Wie sich das Bild durch die Fußball-Weltmeisterschaft
verändern werde, mochte Klug zum jetzigen Zeitpunkt noch
nicht so recht prognostizieren. „Ich bin mir sicher, die
Stimmung wird ausgelassen sein. Und wenn alles friedlich
ablaufen wird – was ich glaube und hoffe – wird das eine
ganz tolle WM.“ Ob auch ein positiver Imagewandel stattfinden
werde – wie bei der WM 2006 in Deutschland – könne man jetzt
noch nicht absehen. Klar ist aber aus seiner Sicht, und auch
aus der Sicht des Konsuls: „Für Südafrika wird sich die WM
auf jeden Fall auszahlen, schließlich wurde das Transportnetz
ausgebaut, neue Hotels gebaut und auch die Stadien werden
nach der WM in Gebrauch bleiben.“ Das Investitionsvolumen
wird auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt – für Maßnahmen,
die unmittelbar mit der WM zusammenhängen, sind rund drei
Milliarden Euro vorgesehen. Dazu zählt vor allem die
Neuerrichtung der Stadien, zum Beispiel dem
„Soccer-City-Stadion“ in Johannesburg mit einer Kapazität von
knapp 95.000 Plätzen. „Fußball ist der wichtigste Sport in
Südafrika“, sagt Konsul Riedwaan Ahmed, „wir haben bisher in
Rugby-Stadien gespielt und jetzt haben wir eigene
Fußballarenen. Ich bin mir sicher, sie werden auch nach der
WM regen Zuspruch finden.“ Dass Rugby bisher als der Sport
der Weißen galt und Fußball als der der Schwarzen, ist sich
Ahmed bewusst – „aber durch die Weltmeisterschaft haben wir
die Gelegenheit Schwarz und Weiß endgültig zu
vereinen.“

