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„Einen Pudding an die WWWand nageln“
Thomas Mrazek mit Moritz Stranghöner (li.); Zoom: Don Alphonso (li.), Peter Orzechowski (re.)München - Vier qualitätsbewusste Journalisten hatte Thomas Mrazek für die FG Junge und Online-Journalisten geladen: Blogger Don Alphonso, berühmt-berüchtigt von "Dotcomtod" , "Rebellen ohne Markt" und "Blogbar", dort gerne über mangelnde Qualität des Journalismus schimpfend, Lokalchef der "Bild"-München Moritz Stranghöner, angesichts des Rufs seines Mediums oft Ziel solcher Kritik, sowie die Dozenten Peter Orzechowski (Akademie der Bayerischen Presse) und Christian Jakubetz (u.a. Deutsche Journalistenschule).
Recherche und Berichterstattung sollte eigentlich fehlerfrei sein. Doch Peter Orzechowski kritisierte, dass die Schulbildung mittlerweile so unzureichend sei, dass angehende Journalisten noch nicht einmal Rechtschreibung und Grammatik beherrschten. Dies nachzuholen, sei aber nicht Aufgabe der Journalistenausbildung. Zudem empfände er heutigen Journalismus überwiegend als Mainstream, als abhängig von Politik und Interessen, wo beispielsweise der "Spiegel" doch einst angetreten sei, die vierte Macht im Staate zu sein. Jedoch sei bei einer allgemein seit 2000 halbierten Redakteurszahl kaum anderes zu erwarten. Mittelständische Verlage könnten sich Unabhängigkeit und Qualität heute gar nicht mehr leisten.
Don Alphonso ist von der Recherche einiger Kollegen ebenso enttäuscht: "Wenn ich bei Spiegel online in meinem Wissensgebiet Archäologie stöbere oder die Continental PR-Texte sehe, sitze ich nur wütend vor dem Rechner". Ebenso lese sich das Manager Magazin des Jahres 2000 heute "wie eine Zeitung aus dem Irrenhaus". Allerdings gibt er zu: "Ich habe von Journalismus keine Ahnung, ich habe das nicht gelernt!" Seine Fachkenntnis wuchs jedoch u.a. mit der Angst vor Abmahnungen und Prozessen, "denn dann ist man gezwungen, sauber zu arbeiten".
Christian Jakubetz bemängelte, es werde häufig nur noch
abgeschrieben, beispielsweise von "Bild" und dpa über den
angeblichen Eva-Herman-"Rauswurf" aus der Kerner-Talkrunde:
"Wenn Sie da einen Rausschmiss sehen, haben Sie eine andere
Sendung gesehen als ich!"
Zudem sei der ökonomische Druck durch Online stark gewachsen,
so schinde die "Süddeutsche" laufend Klicks durch reine
Bilderstrecken, wodurch Journalisten überflüssig würden. Dabei
seien die Leser unter 20 nur online erreichbar, die würden auch
im Alter nicht mehr zu einer gedruckten Zeitung greifen.Moritz
Stranghöner definierte seine Redaktionsqualität prompt als:
"Wir versuchen, der zu sein, von dem alle abschreiben". Zudem
habe man einen Leserbeirat eingeführt, um die Glaubwürdigkeit
zu steigern und die Verlage müssten endlich Geld in die Hand
nehmen, um speziell Online Qualität zu bieten und sich
abzuheben.
Bericht und Fotos: Wolf-Dieter Roth


