Freitag, 2.7.2010
Die jungen Korrespondenten
Als Reporter vor Ort live über das Geschehen zu berichten gehört zu den großen Herausforderungen des Journalismus. Wie man in kurzer Zeit das Wesentliche zusammenfasst und sich dabei vor Pannen bewahrt, lernten Mitglieder der Fachgruppe Junge beim Live-Schaltseminar Anfang Juli auf Kloster Banz.
Text und Fotos von Christian Pfaffinger

"Wir sind noch drauf!" Nicht nur der Inhalt, sondern auch der Auftritt vor der Kamera muss stimmen
„Live für uns vor Ort“ waren die vierzehn Teilnehmer
des Live-Schaltseminars, das die Fachgruppe Junge zusammen mit
den Nachwuchsjournalisten in Bayern auf Kloster Banz
veranstaltete. Bei dem umfangreichen Seminar stand die Praxis
im Vordergrund.
Am Freitagabend bereiten die Referenten Andreas
Bachmann, Redaktionsleiter des Politmagazins „kontrovers“ im
Bayerischen Rundfunk und Eckhart Querner, Reporter der ARD
die Teilnehmer auf die Aufgaben vor. Sie erklären, wie man
mit dem Stichwortkonzept gut gegliederte Handzettel schreibt.
Diese erleichtern den Wiedereinstieg, sollte man einmal den
Faden verlieren. Außerdem wird so der Aufbau der
Argumentation klar untergliedert. „Dabei sind vor allem
Verben und Konjunktionen wichtig“, meint Bachmann. „Sie
funktionieren wie Regieanweisungen.“

Andreas Bachmann (links) gab aus dem Übertragungswagen Regieanweisungen und stellte die Fragen. Sebastian Körner war für die Technik verantwortlich
Dann wird Christian Wulff zum Bundespräsidenten
gewählt und die Teilnehmer stehen vor dem Reichstag. Zumindest
ist dies das Szenario, über das sie live berichten dürfen. Sie
stehen in einem Hof des Klosters einzeln vor der Kamera.
Draußen steht ein Satellitenübertragungswagen. Hier stellt
Bachmann die Fragen und zeichnet die Live-Schalten zur späteren
Analyse auf. Eckhart Querner gibt weitere praktische Tipps:
„Ihr müsst Euch selbst um den Bildausschnitt kümmern, dem
Kameramann Anweisungen geben“, erklärt er. Außerdem seien
szenische Elemente wichtig. „Deshalb seid ihr vor Ort: um zu
beschreiben, was dort los ist.“
Beim zweiten Durchgang bauen die Dozenten zur Ablenkung
einige Pannen ein – nur ein Grund, weshalb das Seminar nicht
nur lehrreich war, sondern auch Spaß machte.
Das Live-Interview wird am Sonntag mit Partner geübt.
Neben der richtigen Aufstellung vor der Kamera ist hier
besonders wichtig, selbstständig einen guten Einstieg und
eine passende Zusammenfassung und Verabschiedung zu
formulieren. Trotz der kurzen Zeit soll ein Gespräch mit dem
Interviewpartner entstehen.
Obwohl der Korrespondentenbericht über eine
Live-Schaltung überwiegend im Rundfunk eingesetzt wird,
profitieren auch schreibende Kollegen von dem Gelernten. Denn
auch im Print herrscht Zeitdruck, auch hier gilt es, schnell
das Wesentliche zusammenfassen zu können, den berühmten
Küchenzuruf bereit zu haben.
Das Konzept der Referenten, den Fokus auf die Praxis zu
legen, geht auf, wie die abschließende Schlussrunde
zeigt. "Ich habe schon viele Seminar besucht", sagt dort eine
Teilnehmerin. "Aber dieses hier war das Beste."