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Mittwoch, 21.7.2010
Fernsehen im Urwald
Dem Fernsehen im Internet, genannt IP-TV, gehört die Zukunft. Das behauptet „Welt der Wunder“-Produzent Hendrik Hey bei einem Besuch der Fachgruppe Junge in seiner Redaktion. Dabei ist längst nicht klar, wie man damit Geld verdient.
Text und Foto von Christian Pfaffinger
Text und Foto von Christian Pfaffinger
Hendrik Hey ist Produzent und Moderator von „Welt der Wunder“„Ich habe investigativen Journalismus gemacht, aber was bringt das? Mit WdW können wir den Leuten Lösungen geben und so etwas verändern.“ Hendrik Hey hält viel von „Welt der Wunder“ (WdW), dem Wissensformat, das vor 14 Jahren als Pionier dieses Genres zum ersten Mal auf dem Sender Pro7 lief. 2005 wechselte WdW zu RTL II. „Man missioniert nicht in der Kirche, sondern im Dschungel“, sagt Hey über diesen Schritt.
Verhältnisse wie im Urwald herrschen offenbar auch im
Internet, denn dort hat WdW ebenso Fuß gefasst. Mit
„wdwip.tv“ produziert Heys Team interaktives
Internetfernsehen, bei dem die Nutzer live kommentieren
können und die Moderatoren in Echtzeit auf das Publikum
reagieren. Dabei geht es um Themen, „die den Leuten auf der
Seele brennen“, meint Hey. Filmbeiträge gebe es wenig, die
Diskussion mit Experten stehe im Mittelpunkt. „JobXL“, eine
Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, ist das
Flaggschiff von „wdwip.tv“ - was auch daran liegt, dass es
derzeit die einzige Live-Sendung ist.
Wie viele Internetangebote ist auch „wdwip.tv“ bisher nicht
rentabel. Für Werber hat es zu wenig Reichweite, etwa 5000
Besucher pro Tag. Die Nutzer wollen nicht zahlen. Der Ausweg
heißt „Media Commercial“. Für Firmen wie Möbelhäuser oder
Autobauer produzieren Hey und sein Team Internetfernsehen auf
den Kanälen der Kunden. „Dort sind wir kommerzieller
Dienstleister“, beschreibt Hey das Konzept. Es sei notwendig,
um sich den Luxus der Live-Sendung leisten zu können. Das
journalistische Produkt sieht er nicht gefährdet: „Hier im
Wilden Westen ist alles erlaubt und das hat nichts mit
unserer Sendung zu tun.“
Obwohl ungewiss ist, wie und wann „wdwip.tv“ sich selbst
finanzieren kann, glaubt Hendrik Hey an ein
„gigantisches Entwicklungspotenzial“. Dennoch sieht er die
Zukunft in den alten Medien. „Wir wollen nicht ewig auf den
Rechnern bleiben, sondern ein eigener Fernsehsender werden.“

