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Montag, 8.12.2008

Schaufenster statt Schublade

Auf dem Portal Nichterschienen erhalten Texte und Bilder eine zweite Chance

München - „Ich habe ein Ausfallhonorar für einen Text bekommen und konnte ihn nicht andersweitig anbieten, weil der Anlass, die Ausstellung, schon vorbei war. Ich fand es schade, den Text einfach in die Schublade zu legen“, erzählt die Münchnerin Tanja Schwarzenbach. Obendrein sei es in diesem Fall enttäuschend für die Person gewesen, um die es im Text ging. Was tun? Den Text auf einem persönlichen Weblog veröffentlichen, was vielleicht nicht unbedingt einen großen Bekanntheitsgrad hat? Die 33-jährige freie Journalistin ging einen anderen Weg.

Sie gründete mit Nichterschienen (www.nicht-erschienen.de) ein Portal. Aber nicht nur für sich selber, sondern auch für andere Kolleginnen und Kollegen, bei denen Artikel in der Schublade liegen. „Denn auch gute Texte werden manchmal nicht gedruckt“, weiß Schwarzenbach. Die Website wirkt sehr schlicht ist aber trotzdem schick, vor allem kommt sie ohne jeglichen technischen Firlefanz aus. Und in den  Rubriken „Politik“, „Kultur“ und „Leben“ finden sich schon Dutzende lesenswerte Artikel, die nicht das Licht der Medienwelt erblickten: Ob ein Bericht, der die Professionaliät des Bundesnachrichtendienstes infrage stellt („Lizenz zum Rosten“) oder eine Reportage über Nachwuchs-Schumis („Beste Zeit“). Am Ende jedes Artikels erfährt der Leser dann jeweils, warum der Text nicht erschienen ist: Platznot, Übungsaufgabe für eine Journalistenschule, Recherchematerial oder es wurde schlichtweg kein Abnehmer gefunden. „Alles Dinge eben, die der Leser normalerweise nicht erfährt“, sagt Schwarzenbach.

Freilich sollen Medien von diesen Artikeln erfahren. „Wenn eine Redaktion einen Text drucken möchte, dann ist das ein schöner Nebeneffekt. Die Honorare müssen dann Autor und Redaktion untereinander ausmachen“, erklärt die Journalistin und schränkt ein: „Ich bin keine Vermittlungsagentur.“ Grundsätzlich sei das Projekt darauf ausgelegt, „unkommerziell“ zu sein. „Ich denke aber, dass ein guter Text im Internet immer auch ein gutes Aushängeschild ist“, sagt Schwarzenbach. Bisher habe sie durchweg „ positives Feedback von Redaktionen aus dem deutschsprachigen Ausland bekommen“. Auch der Pressespiegel der Seite kann sich sehen lassen.

Schwarzenbach sucht weitere Mitstreiter: „Jeder gute Text ist willkommen, gerne auch Hintergrundinterviews. Ebenso erwünscht sind Fotografieprojekte für die Startseite, die im Turnus von drei bis vier Wochen ausgewechselt werden“. In Zukunft möchte sie noch Kommentarmöglichkeiten für die Leser anbieten, außerdem sollen auch „nicht gesendete Radiobeträge und Kurzfilme“ einen Platz im Schaufenster von Nichterschienen bekommen.

Thomas Mrazek


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