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Kostenfreie Bücher – ein gutes Geschäft?
München - Interview mit Bernd Sonneck, verantwortlich für
Kommunikation und Neue Medien bei der UVK Verlagsgesellschaft
mbH, Konstanz, die auch zahlreiche praktische Handbücher für
Journalisten verlegt. Dieser Beitrag erscheint ergänzend zur Netzschau "Neue Modelle braucht der
Journalismus!" im BJV Report 2/2010.
180 Bücher will UVK im Laufe dieses Jahres zur kostenfreien
Volltextsuche und zum Lesen auf der Plattform PaperC
bereitstellen. Was verspricht sich UVK von diesem
Modell?
Wir sammeln mit PaperC Erfahrung, insbesondere, wie
Online-Publikationen in Konkurrenz zu gedruckten Büchern treten
und wie sie deren Absatz fördern. Bis zum Sommer 2010 werden
wir eine erste Auswertung machen.
Leser profitieren sicherlich von PaperC, aber stellt es für
Ihren Verlag nicht ein Risiko dar?
Die Chancen überwiegen die Risiken. Wir überlassen es den
LeserInnen, wie sie UVK-Bücher lesen wollen, ob gedruckt, ob
online oder offline. Wir glauben daran, dass das Angebot von
digitalen Büchern den Verkauf von gedruckten Büchern fördert.
Die Geschäftsführerin von Amazon Europe sprach auf der
Frankfurter Buchmesse 2008 davon, dass die Umsätze mit
gedruckten Büchern von US-Verlagen, die auch E-Books anbieten,
um durchschnittlich neun Prozent angestiegen seien. Unser
allererster Versuch im Sommer 2009 mit dem Buch Humboldts Albtraum. Der Bologna-Prozess und
seine Folgen von Franz Schultheis, Paul-Frantz Cousin,
Marta Roca i Escoda (Hg.) auf der Plattform von LIBREKA scheint das
jedenfalls zu bestätigen. Das Buch ist inzwischen auch bei PaperC erhältlich.
Ist diese Nutzung mit allen Autoren vereinbart, profitieren
diese davon?
Titel, deren Autoren einer Online-Vermarktung widersprechen,
werden auch für PaperC gesperrt. Alle anderen Autoren von
PaperC-Titel werden im Folgejahr eine Honorarabrechnung
erhalten, die neben den Verkäufen ihrer gedruckten Bücher auch
Verkäufe der Plattform PaperC berücksichtigt. Unsere aktuellen
Autorenverträge umfassen die Vermarktung von E-Books, die
aufwändige Rückversicherung bei den Autoren ist damit nicht
mehr nötig.
Werden nur Bücher, die 2009 und früher veröffentlicht
wurden, bei PaperC eingestellt?
Nein, wir veröffentlichen auch aktuelle Neuerscheinungen,
sofern sie für das studentische Publikum interessant sind.
Darunter sind in erster Linie Wissenschaftstitel, aber auch
Praxistitel mit Ratgebercharakter wie beispielsweise Handbücher
der Reihe "Praktischer Journalismus". Wir entscheiden dabei
individuell. Bände der Reihe "Wegweiser Journalismus" mit
knappem Umfang und niedrigem Ladenpreis veröffentlichen wir auf
PaperC vorläufig nicht. Wir bereiten einen verlagseigenen
Webshop mit abgestuften Seitenpreisen für E-Books vor. Ohne
Erfahrungen mit eigenen Preismodellen werden wir
"preissensible" Bücher auf der Vermarktungsplattform von PaperC
noch nicht anbieten.
Das Gespräch führte Thomas Mrazek.
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