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Pressemitteilungen

Freitag, 13.11.2009

Sachlichkeit statt Sensationsjournalismus

Wie weit dürfen Journalisten gehen, um die Neugier ihrer Leser, Zuhörer oder Zuschauer zu befriedigen? Wie lässt sich Opfer- und Täterschutz mit der Gier nach immer neuen Details vereinbaren? Fragen, die der Bayerische Journalisten-Verband bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend in Ansbach erörterte.
Ansbach - Am 17. September kam es zu einem Amoklauf im Ansbacher Gymnasium Carolinum, bei dem mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Mit der Rolle der Medien nach dem Amoklauf beschäftigte sich der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) bei einer Diskussionsrunde, die am Donnerstagabend in unmittelbarer Nähe zum betroffenen Gymnasium stattfand. Es diskutierten Journalisten mit dem Ansbacher Dekan Hans Stiegler, der die Situation vor Ort nach der Tat als Notfallseelsorger hautnah miterlebt hat, und mit Schulleiter Franz Stark. Vom BJV standen der Vorsitzende des BJV-Ortsverbandes West-/Mittelfranken, Wolfgang Grebenhof, und der Vorsitzende des Bezirks Nordbayern – Franken im BJV, Michael Busch, zum Gespräch bereit.
 
Die betroffenen Stiegler und Stark erläuterten, dass die wenigsten Probleme mit den lokalen Pressevertretern bestanden hätten. Diese hätten sich der Situation weitgehend angepasst verhalten. Anders wurde die Rolle der Pressevertreter überregionaler Medien beurteilt. Dort habe die „Sensationsgier“ oft im Vordergrund gestanden, die auf dem Rücken der „Opfer“ ausgetragen worden sei.
 
Der Bezirksvorsitzende Busch erklärte, dass der Pressekodex, der die Verhaltensweisen von Journalisten auch in Krisenfällen sehr detailliert regelt, für viele Kollegen nicht mehr relevant ist. „Der Pressekodex wird angewandt, wenn er in die Berichterstattung passt“, so Busch. Er kritisiert, dass viele Medienhäuser diesen ethischen Grundsätzen nicht mehr folgen. In der Ausbildung werde auf die Vermittlung des Kodex’ wenig Wert gelegt.
 
Die Vertreter des BJV erläuterten, dass die „Presse“ nicht pauschal als Buhmann dastehen dürfe. Die Aufgabe des Verbandes sei es, darauf hinweisen, dass nur der Journalist und das Medium, das sich der Chronistenpflicht bewusst ist, in der Lage ist, die Glaubwürdigkeit in die Medien zu bestärken. Auswüchse der journalistischen Jagd nach Informationen wie in Ansbach, Winnenden oder bei anderen Unglücken seien zu verhindern. Das Grundrecht der Pressefreiheit kann nur erhalten werden, wenn der Grundsatz gelte „Sachlichkeit statt Sensationsjournalismus“.
 
 
 
 
Kontakt:
 
Michael Busch
Bezirksvorsitzender Nordbayern-Franken
Telefon: 0171 – 78 49 276

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