Bayerischer Journalisten-Verband e.V.

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Kommentar

Eine Ära geht zu Ende

Von Wolfgang Stöckel
Dr. Wolfgang Stöckel
Eine Ära geht zu Ende! Bei einem Empfang für die Medienszene im Münchner Literaturhaus hat der BJV seine Geschäftsführerin Frauke Ancker in den Ruhestand verabschiedet. 35 Jahre lang prägte sie unseren Verband entscheidend mit und stellte die Weichen für den Erfolg des BJV in Bayern und im Bundesverband. Sie erlebte in enger Zusammenarbeit mit drei bayerischen Vorsitzenden viele Höhen und Tiefen der Entwicklung des Verbandes und des journalistischen Berufsfeldes mit und sie half an vorderster Front, den BJV mit seinen heute rund 8600 Mitgliedern zum größten Landesverband im DJV werden zu lassen.
Frauke Ancker kämpfte stets selbstbewusst und engagiert gegen die Einheitsgewerkschaft, gegen Zentralisierungstendenzen im DJV und gegen jeglichen Versuch, die Pressefreiheit einzuschränken. Sie war von Anfang an im Medienrat der BLM aufmerksame Seismografin der Entwicklung der Neuen Medien und sie wurde nie müde, in Presse- oder Urheberrechtsseminaren journalistischen Nachwuchs für den Verband zu werben. Sie organisierte Pressebälle und Mitgliederversammlungen, half beim Aufbau unseres Bildungs- und Sozialwerkes und der ABP, engagierte sich in der Deutschen Journalistenschule, in der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und in der Welthungerhilfe.
Wenn presserechtliche Hilfestellung in Entwicklungsländern wie Sambia oder Sri Lanka gefragt war, trug sie ihr fachkundiges Wissen gerne weiter. Wie viele Mitglieder sie in ihrer Laufbahn vor Gericht vertreten beziehungsweise juristisch beraten hat, lässt sich statistisch gar nicht mehr erfassen. Frauke Ancker, privat ein sehr kulturinteressierter Mensch, ist für viele zur Institution geworden. Ihre Kompetenz und ihr Sachverstand in der Tarifarbeit oder im Urheberrecht, ihr großes Organisationstalent, aber auch ihre preußische, manchmal unbequeme Art und ihre oft entwaffnende Direktheit werden dem BJV und dem DJV fehlen. Mit ihrem Ausscheiden geht eine Ära zu Ende.
Rechtsanwältin Jutta Müller hat als ihre Nachfolgerin zum 1. August die Geschäftsführung übernommen. Sie ist bereits seit neun Jahren Justiziarin des BJV, kennt die Strukturen und die Problemstellungen und ist in Presse- und Urheberrechtsfragen bestens eingearbeitet. Und sie weiß, was auf sie und auf den Verband zukommt. Die Umstrukturierungen in der Tariflandschaft, der Arbeitsplatzabbau in der Medienbranche, der Qualitätsverfall publizistischer Produkte und nicht zuletzt der Imageverlust unseres Berufsstandes bedeuten eines mit Sicherheit: viel, viel Arbeit.
Aber wie schon die Antragsdiskussion auf unserer Füssener Mitgliederversammlung gezeigt hat, wie es die Haustarifverhandlungen bei der Main-Post unter Beweis gestellt haben oder wie unser Engagement für die Durchsetzung der allgemeinen Vergütungsregeln belegt: Wir sind bereit, neue und unkonventionelle Wege zu gehen, um unseren Mitgliedern vernünftige Rahmenbedingungen für ihre berufliche Zukunft im Journalismus zu bieten. Wir müssen Bewährtes erhalten, wo es geht, aber auch Veränderungen mittragen, wo es notwendig ist. Jutta Müller weiß also, worauf sie sich einlässt.
Aber auch unser Verband verändert sich. Er wird zunehmend zum Abbild einer neuen Journalisten-Generation, die Communitys im Netz pflegt, bloggt und twittert. Die Gefahr besteht nur darin, dass man nicht mehr miteinander redet, sondern aneinander vorbei schreibt, verletzt statt vermittelt, behauptet statt belegt. Für eine Geschäftsführerin und einen geschäftsführenden Vorstand wird es schwer, eine verbandspolitische Richtung vorzugeben und konsequent zu verfolgen, wenn Netzwerke sich verselbstständigen und Kommunikation unter Leuten, die von Berufs wegen Kommunikatoren sein sollten, aus dem Ruder läuft. Verantwortungsvoller Umgang miteinander und Seriosität sollten Maxime im BJV sein und bleiben. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt.
 
Dr. Wolfgang Stöckel ist
1. Vorsitzender des BJV
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