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Kommentar

Die Arbeit wird nicht langweilig werden

Von Wolfgang Stöckel
Dr. Wolfgang Stöckel

Mit dem DJV-Verbandstag in Würzburg kann der BJV sehr zufrieden sein. Für unsere Rolle als Gastgeber zollte man uns viel Lob, aber auch unsere Anträge wurden mit großer Zustimmung angenommen. Mit der Würzburger Erklärung konnten wir Zeichen setzen und mit der Initiierung der Resolutionen zu Ungarn und Montenegro auch auf die europaweite Missachtung der Presse- und Meinungsfreiheit aufmerksam machen. Und dass wir nun neben dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Michael Anger mit Wolfgang Grebenhof als Beisitzer noch ein weiteres bayerisches Mitglied im Bundesvorstand haben, ist ebenfalls ein schöner Erfolg.
Die Arbeit wird den beiden, die ja engagierte Kämpfer für unsere gewerkschaftlichen und tarifpolitischen Belange auf Landes- und Bundesebene sind, bis auf weiteres nicht langweilig werden.

Wenn die "Augsburger Allgemeine" nach der "Main-Post" in Würzburg nun auch den Konstanzer "Südkurier" übernimmt und damit die Landesgrenzen nach Baden-Württemberg überschreitet, sind das neue Herausforderungen. Wenn die Belegschaft des Schwarzwälder Boten in einer wochenlangen Hängepartie von ihren Konzernbossen hingehalten werden, sind das neue Dimensionen eines menschenverachtenden Umgangs. Und wenn die Deutsche Bischofskonferenz beschließt, sich wegen Erotik-Titeln vom Weltbild-Verlag zu trennen, so darf zumindest gefragt werden, warum die katholische Kirche nun Tausende von Mitarbeitern in Existenzängste stürzt, anstatt die Manager zu feuern, die gegen die Richtlinien des Eigentümers verstoßen haben.

Haustarifverhandlungen allüberall in der Republik, bei uns in Bayern bei der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg, werden die Arbeitskraft vieler haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Verbandes im kommenden Jahr fordern. Und auch da muss die Frage erlaubt sein, warum ein Verleger, der aus der Tarifbindung ausschert, eine führende Rolle im Versorgungswerk der Presse spielen kann und darf, das doch die Altersversorgung der Kolleginnen und Kolleginnen im solidarischen Bündnis mit den Gewerkschaften regelt.

Beim Bayerischen Rundfunk ist jetzt zumindest eine Einigung im Tarifstreit für die fest angestellten und die festen freien BR-Mitarbeiter erreicht, mit der auch wir als BJV zufrieden sein können. Das Funkhaus in München kann nun mit größerer Planungssicherheit in die schwierige Umstrukturierungsphase der Trimedialität gehen, die den Beschäftigten ohnehin noch manches Zugeständnis abverlangen wird. Dass die Rundfunkgebühren bis 2014 eingefroren sind, ist hierbei auch nicht gerade hilfreich.

Dieses Sparverhalten trifft leider auch den deutsch-französischen Vorzeige-Kulturkanal arte. Dies ist umso bedauerlicher, weil der französische Staat im Sarkozy-Wahlkampf-Vorfeld zwanzig Millionen Euro mehr für arte spendiert, die deutschen Partner ARD und ZDF aber auf Grund der Gebührensituation und der geplanten Finanzierungsumstellung auf eine Haushaltsabgabe da derzeit nicht mithalten können. Es besteht die Gefahr, dass sich bei arte in nächster Zeit die Gewichte zu Lasten der deutschen Programmanteile verschieben. Und das geht wieder einmal nur auf Kosten der Qualität, die wir von arte erwarten dürfen. Der Sender, der sich zunehmend zum europäischen Kulturkanal entwickelt, greift übrigens – um den Kreis hin zur Thematik beim Verbandstag zu schließen – trotz Sparkurs im Frühjahr in einer Dokumentation die schwierige Situation der Kreativen in Ungarn auf.

Der BJV wird auch 2012 alles daran setzen, dass Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten in den Medien journalistische Qualität ermöglichen. Er wird unerbittlicher und unbequemer Rufer in der Ausbildungswüste und auf dem weiten Feld der Urheberrechte und der gemeinsamen Vergütungsregeln bleiben. Zum Luft holen bleibt gerade mal die kurze Zeit um Weihnachten und die Jahreswende. In diesem Sinne wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen im BJV ein kämpferisches und beruflich sowie privat erfolgreiches Jahr 2012.

Dr. Wolfgang Stöckel ist 1. Vorsitzender des BJV

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