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Grafik: Andreas Jurowski

Fachgruppe Freie Journalisten

Jahr der Freien 2016

Faires Geld für freie Arbeit – denn Zukunft braucht guten Journalismus

München, 10.03.2016

Am 10. März 2016 startete die BJV-Aktion Jahr der Freien 2016 mit einer Pressekonferenz im Münchner Tierpark Hellabrunn: „Wertschätzung für freie Journalisten gefordert“.

Klimawandel bedroht Lebensgrundlage
Das Arbeitsklima in der Medienbranche verändert sich rasant. Freien Journalisten schwindet die Lebensgrundlage wie Eisbären die Scholle. Die Ursachen sind wie in der Natur komplex: Einerseits werden ganze Redaktionen „freigestellt“, andererseits müssen Freie ihre Rechte oft vollständig an die Verlage abtreten. Tageszeitungen, Zeitschriften, Online-Medien und Rundfunk sind zunehmend auf freiberufliche Mitarbeiter angewiesen, bezahlen für deren Arbeit jedoch nur noch Honorarsätze, die alles andere als fair sind. Die Folge: Freie Journalisten kämpfen um ihre Existenz.

Um die Lebensgrundlage freier Journalisten zu stabilisieren und damit auch den unabhängigen Qualitätsjournalismus in Deutschland zu sichern, hat die Fachgruppe „Freie Journalistinnen und Journalisten“ im Bayerischen Journalisten-Verband (BJV) 2016 zum „Jahr der Freien“ erklärt. Sie möchte das Aktionsjahr dazu nutzen, Ursachen der Misere zu ergründen, auf die Folgen des Klimawandels in der Medienbranche aufmerksam zu machen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

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Freie verdienen schlechter als Feste
Medien brauchen engagierte freie Journalisten, die mit hohen qualitativen Standards vor Ort recherchieren. Viele Zeitungen, Magazine, TV- und Hörfunksendungen sowie Online-Medien könnten ihre Leser, Hörer und Zuschauer ohne die Arbeit freier Journalisten nicht mit wichtigen und hochwertigen Informationen versorgen. Dieser Einsatz und das Engagement müssen angemessen bezahlt werden. Einer Studie des DJV zu den Arbeitsbedingungen freier Journalisten zufolge verdienen Freie fast um die Hälfte weniger als angestellte Redakteure.

Freie Journalisten, die für Zeitungen arbeiten, verdienen durchschnittlich 1395 Euro monatlich, im Fall von Publikumszeitschriften sind es im Schnitt 2275 Euro. Vor allem für Berufseinsteiger liegt das Einkommen deutlich unter den Durchschnittswerten der festangestellten Kollegen, so mancher Freie stößt an das Existenzminimum.

Bei der Künstlersozialkasse waren im Jahr 2015 deutschlandweit 21.344 freie Journalisten gemeldet, die ihr Jahreseinkommen durchschnittlich auf 19.353 Euro schätzten. Bei Frauen, die mehr als die Hälfte der freien Journalisten ausmachen, waren es sogar nur 16.729 Euro.

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Zeilengeld statt Qualitätsanspruch
Von Verlag zu Verlag ist der Umgang mit Freien so unterschiedlich, dass man von wildwest-artigen Verhältnissen sprechen könnte. Verträge gibt es selten und wenn, dann sichern sie in vielen Fällen dem Verlag die Rechte an unbegrenzter Mehrfachnutzung – ohne entsprechende Honorarzahlungen.

Printmedien zahlen meist pro Zeile, Recherchearbeit und Spesen werden bei der Arbeit freier Journalisten oft nicht berücksichtigt. Auch der Leser weiß jedoch: Zeile ist nicht gleich Zeile, die Qualität der Information steht und fällt mit der Arbeit der Journalisten. Dennoch schlägt sich die Textqualität kaum auf das Honorar der Freien nieder. Zeilen- oder Seitenhonorare bilden die journalistische Leistung unzureichend ab, die Bezahlung sollte dem Aufwand und der Qualität entsprechen.

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Vergütungsregeln werden ignoriert
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger hat sich bereits 2010 mit dem Deutschen Journalistenverband (DJV) und ver.di auf gemeinsame Vergütungsregeln für Tageszeitungen geeinigt. Demzufolge wären bei der geringsten Zeitungsauflage von unter 10.000 mindestens 47 Cent pro Zeile fällig.

Die Realität liegt jedoch meist bei weniger als der Hälfte. Trotz klar definierter Regeln hat sich in der Praxis kaum etwas geändert. Die Reaktion vieler Verlage: Man bedient sich zunehmend „billiger“ Hobbyschreiber und -fotografen statt ausgebildeter Text- und Bildjournalisten. Oder aber die Vergütungsregeln werden schlichtweg ignoriert. Häufig bekommen freie Journalisten, die diese einfordern, keine Aufträge mehr.

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Die Zukunft des freien Journalismus
Von den 7638 Mitgliedern des BJV sind 4776 als Freie in Haupt- oder Nebenfachgruppe eingetragen, das sind 63 Prozent der Gesamtmitgliederzahl. Pro Quartal treten 40 bis 50 freie Journalisten aus dem Verband aus. Die häufigste Begründung: Berufswechsel oder Berufsaufgabe, weil sich mit freiem Journalismus der Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten lässt.

Laut DJV-Umfrage zu den Arbeitsbedingungen freier Journalisten haben zwei Drittel der Freien eine akademische Ausbildung. Daran wird die unterdurchschnittliche Bezahlung freier Journalisten noch klarer, denn Akademiker verdienen in anderen Berufsfeldern durchschnittlich ein Drittel mehr als Nicht-Akademiker.

Es ist also absehbar, dass dem unabhängigen, freien Journalismus künftig qualifizierter Nachwuchs fehlen wird. Dies wird sich zunehmend auch in der Berichterstattung niederschlagen. Zum Beispiel greifen viele Redaktionen schon jetzt aus Personalmangel verstärkt auf die interessengesteuerten PR-Texte von Wirtschaftsunternehmen zurück. Journalistisch ausgewogene Einschätzungen von Sachverhalten könnten künftig immer mehr fehlen.

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Wer wir sind
Die Initiative zum „Jahr der Freien 2016“ geht von der Fachgruppe Freie Journalistinnen und Journalisten im Bayerischen Journalistenverband (BJV) aus. Freie sind darüber hinaus auch in allen anderen Fachgruppen vertreten. Sie arbeiten für Tageszeitungen, Zeitschriften, Bild-, Text- und Nachrichtenagenturen, für Online-Medien und Rundfunkanstalten. Alle Kolleginnen und Kollegen sind eingeladen mitzuwirken, Aktionen zu starten und sich an Diskussionen zu beteiligen. Wir möchten auch Berufsverbände freier Journalisten über den BJV hinaus aufrufen aktiv zu werden. Wir sitzen alle im selben Boot und verfolgen dieselben Ziele. Wir hoffen auf vielfältige Kooperationen.

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Wen wir erreichen wollen
Kurz gesagt: alle. Unabhängiger, qualitativ hochwertiger Journalismus liegt sowohl im Interesse der Politik als auch in dem der breiten Öffentlichkeit. In den Verlagen sind festangestellte Redakteure genauso angesprochen wie Betriebsräte und nicht zuletzt alle freien Mitarbeiter, sich für ihre Belange einzusetzen. Nur gemeinsam können wir etwas bewegen.

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Kontakt, Pressematerialien
Gerne geben wir Ihnen jederzeit weitere Auskünfte und vermitteln Ihnen InterviewpartnerInnen.

Bayerischer Journalisten-Verband (BJV)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Maria Goblirsch
Telefon 0171 6876973
presse@bjv.de

Für Zwecke der redaktionellen Berichterstattung können Sie sich das obige Logo „Rettet freie Journalisten!“ gerne runterladen (Quellenangabe: BJV/Grafik: Andreas Jurowski), weitere Informationen finden Sie auf der Seite zu unserer Pressekonferenz vom 10. März 2016 „Freie Journalisten – unverzichtbar, aber unterbezahlt“. Weitere Informationen finden Sie künftig auch bei Twitter und Facebook unter dem Hashtag #JahrderFreien.

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Aktionsprogramm für 2016

Viele weitere Veranstaltungen zum Jahr der Freien sind in Planung und werden regelmäßig hier und im Terminkalender des BJV veröffentlicht. Außerdem weisen wir auf das Seminarprogramm des Bildungs- und Sozialwerks (BSW) des BJV hin, welches auch zahlreiche Angebot für freie JournalistInnen bietet.

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Schlagworte:

#JahrderFreien

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