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Dialog zwischen Praxis und Medienforschung: Margit Conrad, Susanne Kinnebrock und Sonja Kretzschmar (von links nach rechts)
Foto: 
Stefan Girschner

Medien

Crossmediale Themen des Journalismus

Diskussion im Münchner Presseclub zeigt, dass noch viel Nachholbedarf in den Medienhäusern besteht

München, 27.07.2012

Mit den Herausforderungen des Medienwandels für die lokale Berichterstattung beschäftigte sich eine Diskussionsrunde der BJV-Fachgruppen Online und Tageszeitungen im Münchner Presseclub. Im Vortragsteil stellten die Professorinnen Susanne Kinnebrock von der RWTH Aachen/Universität Augsburg und Sonja Kretzschmar von der Universität der Bundeswehr München ihren aktuellen „Forschungsbericht Crossmedia 2012“ mit Fokus auf Lokalredaktion vor. Ziel der mit Unterstützung des Lokaljournalistenprogramms der

Bundeszentrale für politische Bildung entstandenen Studie war es, die Crossmedia-Implementierung in deutschen Zeitungshäusern zu untersuchen. Zentrale Fragen dabei: Wie stellen sich Lokalredaktionen von Zeitungen der sich wandelnden Mediennutzung bei ihren Lesern auf? Wie weit sind Redakteure und Journalisten auf den Wandel vorbereitet, in welchem Umfang nutzen sie bereits soziale Netzwerke für ihre lokale Berichterstattung?

Die Ergebnisse lauten unter anderem wie folgt:

  • Die Printausgabe hat für Zeitungen klare Priorität, im Durchschnitt verwendet 80 Prozent der Redakteure die Arbeitszeit hierfür, für das Nebenprodukt "Online-Auftritt" nur 15 Prozent.
  • Lokalthemen werden zwar crossmedial produziert, aber Elemente wie Videoclips oder Audiofiles werden bisher kaum verwendet.
  • Neue Erzählformen wie Crossmedia-Storytelling und Multimedia-Storytelling werden bisher kaum umgesetzt.
  • Die Crossmedia-Implementierung ist derzeit noch häufig ein Top-Down-Prozess, der also primär von der Verlagsleitung ausgeht.
  • Ziel sollte eine Redaktions- und Unternehmenskultur sein, die den permanenten (Medien-) Wandel gut bewältigt.

(Download der Studie s. u.)
Bei der anschließenden Diskussion berichtete Margit Conrad, Redakteurin beim Freisinger Tagblatt und zugleich stellvertretende Vorsitzende im BJV-Bezirksverband München-Oberbayern, über ihre praktischen Erfahrungen in der crossmedialen Redaktionsarbeit.

Conrad bestätigt den Vorrang der Print-Produkte beim Münchner Merkur. „Die Online-Angebote sollen den Leser zur Zeitung führen. Zusätzliche Anreize setzen wir über Facebook und Twitter.“ Exklusive Hintergrundgeschichten zu Nachrichten sieht sie lieber in der Zeitung als online. Aber auch die richtige Umsetzung crossmedialer Elemente sei wichtig: „Hier helfen jüngere Kollegen uns älteren auf die Sprünge.“ Wenn man die älteren Redakteure nicht mitnehmen würde, werde das ganze Produkt in Frage gestellt.

Professorin Kretzschmar bestätigte, dass die Crossmedia-Umsetzung meist ein Top-Down-Prozess sei, forciert von den Chefredakteuren und Ressortleitern: „Für die Redaktion bedeutet das zunächst mehr Arbeit und manche Redakteure haben wohl auch keine Lust auf den Wandel. Hinzu kommt, dass die Finanzierung durch Anzeigenerlöse nicht dauerhaft gesichert ist.“

Moderator Thomas Mrazek, Vorsitzender der Fachgruppe Online, forderte, offensiv an die Sache zu gehen: „Da die Zeitungen zu träge sind, verwundert es nicht, dass zahlreiche Blogger die Lücke bei den Online-Angeboten füllen“.

 

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