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Klare Botschaft ...
Foto: Maria Goblirsch

Tarifrunde Tageszeitungen 2013

600 Journalisten streiken in München

Schluss mit dem Spardiktat der Verleger – unter diesem Motto legten Zeitungsredakteure aus Bayern und Baden-Württemberg für einen Tag die Arbeit nieder

München, 17.12.2013

Einen Tag vor der sechsten Runde der Tarifverhandlungen für die rund 14.000 Journalisten an Tageszeitungen demonstrierten in München rund 600 KollegInnen süddeutscher Tageszeitungen gegen Tarifabbau und Sozialdumping.

Aus Bayern beteiligten sich KollegInnen der Süddeutsche Zeitung, des Münchner Merkur und der tz, der Allgäuer Zeitung, der Augsburger Allgemeine, der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung, der Amberger Zeitung, Der Neue Tag Weiden, des Oberbayerischen Volksblatts Rosenheim und des Main-Echos Aschaffenburg – jeweils mit allen Außenredaktionen. Aus Baden-Württemberg nahmen unter anderem Redakteure der Stuttgarter Zeitung, der Heilbronner Stimme und der Südwest-Presse Ulm an der Demonstration teil.

Es geht auch um die Ehre der Journalisten
Mit einem Protestzug vom Münchner Königsplatz zum Odeonsplatz und bei einer anschließenden Kundgebung machten die Journalisten ihren Unmut über die Sparpläne der Verleger deutlich. Klare Wort fand der Vorsitzende des DJV Baden-Württemberg Thomas Godawa: "Das jahrzehntelange Abgeben muss ein Ende haben!" Godawa, der seit 31 Jahren als Lokalredakteur tätig ist, beklagte den zunehmenden Arbeitsdruck. In den Verhandlungen gehe es auch um die Ehre der Journalisten: "Ich fordere Respekt für unseren Einsatz und Anerkennung für die Qualität, die wir täglich liefern."

"Es stinkt ganz schön, bei den Verlegern"
DJV-Geschäftsführer Kajo Döhring geht davon aus, dass die bundesweiten Proteste in den morgigen Verhandlungen Wirkung zeigen werden, auch wenn er sich noch nicht sicher sei, dass es zu einem Abschluss kommt. Trotzdem gehe er mit „frischem Wind aus München“ in die Verhandlungen.

Die heutige Veranstaltung solle auch dazu dienen, den KollegInnen, die sich wegen des Drucks ihrer Verleger nicht trauen bei Streiks mitzumachen, Mut zu machen. Für die „Vernünftigen“ unter den Verlegern solle der starke Protest auch ein Signal sein, Schluss zu machen mit dem Spardiktat.  Döhring erinnerte daran, dass sich sogar Bundespräsident Joachim Gauck bei einer Verlegertagung für vernünftige Arbeitsbedingungen der Redaktionen eingesetzt hatte. „Wenn dass da ganz oben ankommen ist, dann stinkt es doch ganz schön“, sagte Döhring.

Richard Mayr, BJV-Bezirksvorsitzender Augsburg-Schwaben, bemängelte die fehlende Wertschätzung der journalistischen Arbeit: „Den Verlegern ist es heute egal, ob sie auf Toiletten- oder Zeitungspapier drucken“. In der „neuen industriellen Zeitungswelt“ sei es nicht mehr verständlich, dass sich gute Arbeit auch auszahle, „deshalb stehen wir heute hier“.

Drastische Sparpläne der Verleger
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verlangt in den gerade laufenden Tarifverhandlungen für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen deutliche Einschnitte. So bietet der BDZV für 2014 nur eine Einmalzahlung, für 2015 eine Erhöhung der Gehälter um lediglich 1,4 Prozent.

DJV-Forderung: Plus von sechs Prozent bei Gehältern und Honoraren
Zudem sollen die Redakteure massive Kürzungen bei den Urlaubstagen und bei Sonderzahlungen wie dem Weihnachtsgeld hinnehmen. Die von der Verlegerseite geforderte Regionalisierung der Gehälter würde bei vielen Journalisten faktisch zu einer Nullrunde führen. Außerdem soll das Volontariat nach Vorstellung des BDZV auf drei Jahre verlängert werden. Der DJV fordert nach Jahren der Lohnzurückhaltung ein Plus von sechs Prozent bei Gehältern und Honoraren.  

Bundesweite Streikaktionen der Journalisten
Im Vorfeld der sechsten Tarifrunde protestieren in mehreren Bundesländern am 17. und 18. Dezember zahlreiche Journalisten gegen Tarifabbau und Sozialdumping, neben München in Hamburg, Hannover, Darmstadt, Rostock und Essen. In Aschaffenburg demonstrierten rund 30 KollegInnen des Main-Echos. Die sechste Tarifrunde findet am Mittwoch, 18.12., ab 11.30 Uhr in Berlin statt. Ziel des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) ist es dabei, die Tarifverträge an die geänderte Arbeitswirklichkeit anzupassen. Dazu zählt auch die Integration der Onliner in den Tarif.

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