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Heribert Prantl: „Die Zukunft des Journalismus liegt im Journalismus. Man sieht diese Zukunft aber nicht, wenn man nur weint und nach hinten schaut.“
Foto: Silvio Wyszengrad

BJV-Landesvorstand

Mit Solidarität in die Zukunft

Der BJV feierte in Regensburg mit 130 KollegInnen sowie Ministerpräsident Horst Seehofer, Heribert Prantl und Django Asül seinen 70. Geburtstag

Regensburg, 03.06.2016

Im Februar 1946 wurde der „Verband der Berufsjournalisten in Bayern“ aus der Taufe gehoben. Am Vorabend seiner Mitgliederversammlung feierte der Bayerische Journalisten-Verband (BJV), wie er heute heißt, nun in Regensburg seinen 70. Geburtstag. Bayerns Ministerpräsident gratulierte dem „wichtigen, altehrwürdigen Verband“ am Festabend persönlich zum „stolzen Jubiläum“.

Der BJV habe dazu beigetragen, dass die Demokratie in Deutschland tatsächlich kräftig wurde, betonte Festredner Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung.

Das Wort Solidarität habe den Bestand des BJV über Jahre gesichert und Solidarität sei das Wort und der Grund warum der Verband und die Gewerkschaft weiter existieren werden, betonte BJV-Vorsitzender Michael Busch. Einfach sei das nicht, härter werdende Geschäfts- und Rahmenbedingungen förderten die Ellenbogenmentalität, förderten den Egoismus – selten den Zusammenhalt.

Busch appellierte an den Mut, an Bewährtem festzuhalten, ebenso wie an den Mut, Neues auszuprobieren und sich Veränderungen nicht zu verweigern. Er sei überzeugt, dass der BJV auch an seinen 140. Geburtstag feiern werde – unter Rahmenbedingungen die anders aussähen, aber im Kern mit einem Berufsbild, dem des Journalisten, das eines sei: der schönste Beruf der Welt.

Pressefreiheit: Tägliches Brot für die Demokratie
Festredner Heribert Prantl spannte den Bogen vom „Wunder Europa“ über die Anfangstage des Journalisten-Verbandes mit Ernst Müller-Meiningen jr., seinem Vor-Vorgänger bei der Süddeutschen Zeitung, an der Spitze des Bayerischen Journalisten-Verbandes (1951 bis 1971) bis hin zu aktuellen Medienthemen.

Die Welt der Medien habe sich grundstürzend verändert, der Wert der Pressefreiheit bleibe, betonte er, unternahm einen Abstecher ins Jahr 1832, als die Regierung des bayerischen Königs die Druckerpresse des Journalisten und Verlegers Siebenpfeiffer versiegelte und dieser die Regierung anklagte: Das Versiegeln von Druckerpressen sei genauso verfassungswidrig wie das Versiegeln von Backöfen. „Das ist ein wunderbarer Satz weil darin die Erkenntnis steckt, dass Pressefreiheit das tägliche Brot ist für die Demokratie. Das ist die demokratische Urerkenntnis.“

Aber wie steht es nun um die oft beschworene Krise der Printmedien? „Die Printmedien werden nicht vom Internet bedroht und nicht vom Online-Journalismus, sondern zu allererst vom eigenen Dauer-Wehklagen“, so Prantl unmissverständlich.

„Macht braucht Kontrolle“
Von einem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat, „wie wir ihn noch nie hatten“, sprach Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Immer wieder habe es Versuche gegeben, die Pressefreiheit einzuschränken. Die Demokratie sei aber heute so stark, sich dagegen zu wehren.

„Ohne Macht ist Gestaltung nicht möglich, aber Macht braucht Kontrolle“, betonte Seehofer, sprach von „gelebter Pressefreiheit“. Von Fehlern im Regierungshandeln von Fehleinschätzungen erfahre er meist erst aus den Medien, sagte der Ministerpräsident, und fügte an: „Das zeigt, wie wichtig Machtkontrolle ist. Das sage ich aus voller Überzeugung.“

Und noch einen Punkt stellte Bayerns Ministerpräsident heraus: Pressefreiheit und Machtkontrolle seien nicht gefährdet durch Politiker, die einmal einen Journalisten kritisierten, das gehöre zum Kräftespiel. Gefährdet seien sie durch die aktiven Gegner der Demokratie, rechts wie links. Ebenso gefährlich sei Gleichgültigkeit. Das Ende der Printmedien titulierte Seehofer kurz und knapp als „Quatsch“, sprach von Bayern als „Medienstandort Nummer eins“. Und die ganze Breite werde auch künftig von der Bevölkerung gefragt sein.  

„Was Journalisten und Politiker verbindet: Beiden fehlt die Objektivität. Die haben wir“, leitete Niederbayer Django Asül zum launigen Part des Abends über, meinte mit „wir“ die Kabarettistenzunft – und startete in einen pointierten Verbalsprint durch aktuelle europäische und bayerische Politereignisse. Den Abend moderierte Christine Lehner, Volontärin beim Bayerischen Rundfunk, musikalisch begleiteten ihn mit Thomas Hähnlein am Jazz-Saxophon und Jonas Hermes am Bass zwei Musiker aus Würzburg.

Gefeiert wurde im Regensburger Traditionsrestaurant „Leerer Beutel“ – und das sei nicht als Anspielung auf die Situation des Journalismus gedacht. Wie Heribert Prantl erklärte, sei das Gebäude nämlich einst ein gut befüllter Kornspeicher gewesen. „Und eine Art Kornspeicher ist der Journalistenverband – er bewahrt auf, dass man für die Zukunft etwas hat. Er sorgt vor“, sagte er.

Michaela Schneider

Weitere Informationen

Hier finden Sie einige Bildimpressionen vom Festabend, die Reden von Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, und des BJV-Vorsitzenden Michael Busch sowie den den Jubiläums-Sonderteil unserer Mitgliederzeitschrift BJVreport (11 Seiten, 3 MB).

Mitgliederversammlung und Schweigemarsch für die Pressefreiheit
Am Samstag, 4.6., findet im Antoniushaus in Regensburg die BJV-Mitgliederversammlung des BJV – der Bayerische Journalistentag statt (ab 10.30 Uhr). In der Mittagszeit, um 12.45 Uhr, ruft der BJV zu einem Schweigemarsch für die Pressefreiheit in der Türkei in der Regensburger Innenstadt auf.

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