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Rund 100 Kolleginnen und Kollegen debattieren beim Bayerischen Journalistentag
Foto: Silvio Wyszengrad

BJV-Landesvorstand

Streitbar für den Journalismus

BJV-Chef Michael Busch redet Klartext über knausrige Verleger

Regensburg, 04.06.2016

„Sagen Sie uns offen und ehrlich, dass Sie nur an Profiten interessiert sind und nicht am Wohlergehen Ihrer Mitarbeiter“, erregte sich der BJV-Vorsitzende Michael Busch in seiner Eröffnungsrede über das Gebaren einiger bayerischer Verleger. Rotzfrech lögen die Branchenvertreter den Gewerkschaften ins Gesicht, sie müssten wegen einer Medienkrise sparen. Dabei hielten sie ihre Geschäftszahlen unter Verschluss.

Streitbare Töne schlug Busch im 71. Jahr des BJV (am Vortag feierte der BJV sein 70-jähriges Jubiläum) an. Er lobte die „tolle Mannschaft“, die Lust habe zu kämpfen und sich für den Journalismus in all seinen Facetten auch in schwierigen Zeiten einzusetzen. Er genieße die lebendige Debatte im Verband, in der Sache zu diskutieren und demokratisch die besten Wege zu suchen.

Wenn der BJV Mitglieder verliere, dann mitunter auch, „weil wir stärker zuspitzen und Klartext reden“ – wo journalistisch unsauber gearbeitet oder der Pressekodex nicht geachtet wird. Der Großteil jedoch geht aus dem Verband wegen Aufgabe oder Wechsel des Berufs: Texter in Printmedien, Reporter der AV-Medien, Fotografen können von ihrer Arbeit nicht mehr leben.

Lohndumping beim Nachwuchs
Doch wo in neuen Marktfeldern neue Arbeit erforderlich ist, werde sie auf die Schultern der Verbliebenen gelegt, beklagte Busch. Oder die Arbeitgeber drückten die Löhne auf ein unanständiges Niveau. Busch berichtete von Jungredakteuren, die bis zu 140 Euro weniger verdienen als tariflich für Redakteure ohne Qualifikation vorgesehen ist. „

Das hat mit Wertschätzung gar nichts zu tun!“, sagte Busch und erinnerte die Arbeitgeber an ein klassisches Wort von Robert Bosch, er verdiene gut, „weil ich meine Angestellten gut bezahle“.

Im DJV „werden die bayerischen Herzschläge gut eingebracht“, lobte Busch die Arbeit der Vorstandsmitglieder Wolfgang Grebenhof und Sabine Prokscha. Ein kritisches Wort verkniff sich der BJV-Chef allerdings nicht zur Forderung nach höheren Abführungen aus den Landesverbänden, mochte auch Grebenhof („seit 15 Jahren nicht gestiegen“) noch so darauf zu pochen. „Die Schmerzgrenze ist erreicht, unser Mitgliedsbeitrag wird längere Zeit stabil bleiben müssen“, beteuerte Busch. Auch der DJV möge sehen, wo er Kosten sparen kann.

Solide Verbands-Finanzen
Im BJV jedenfalls wacht Schatzmeister Markus Hack mit Argusaugen über die Finanzen. 158.000 Euro habe er 2015 auf die hohe Kante legen können dank mehrerer günstiger Umstände. So hielten die Mitglieder stärker als erwartet dem BJV die Treue, der Süddeutsche Journalistentag fiel aus und die Bahn hatte wegen ihrer Streiks Fahrtkosten zurückzuerstatten.

Kassenprüfer Andreas Ascherl äußerte sich überzeugt, „dass unsere Beiträge bei Markus Hack in den besten Händen liegen“. Im laufenden Jahr kalkuliert der BJV mit 2,3 Millionen Euro Mitgliedsbeiträgen. Allerdings tendieren die Rechtsschutzkosten eher nach oben. An diesen Leistungen für die Mitglieder soll auch 2016 nicht gespart werden. Insgesamt will Hack den Haushalt nach Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen halten.

Fehlende Wertschätzung für Journalisten
Kontrovers ging es mitunter bei der Debatte der Anträge beim Bayerischen Journalistentag im Regensburger Antoniushaus zu. Am leichtesten hatten es die Appelle an die Zeitungsverleger. Sei es, auf einen raschen Abschluss der Tarifverhandlungen hinzuwirken, „um so ihre Wertschätzung für die unter immer schwierigeren Rahmenbedingungen geleistete Arbeit der Journalisten zum Ausdruck zu bringen“.

Sei es an den Chefs der Mittelbayerischen Zeitung, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um konstruktiv einen Haustarif auszuhandeln. Sei es, die lückenlose Anwendung der gemeinsamen Vergütungsregeln durchzusetzen. Der Verlegerverband dürfe nicht länger hinnehmen, dass sich das Gros seiner Mitgliedsverlage „vorsätzlich vertragsbrüchig“ verhält.

Keine Absenkung des Rundfunkbeitrags!
Ebenfalls einstimmig forderte der Journalistentag den Ministerpräsidenten auf, der empfohlenen Absenkung des monatlichen Rundfunkbeitrags um 30 Cent ab 2017 nicht zuzustimmen, um nicht den Sendern das Wasser abzugraben, so Harald Stocker, Vorsitzender der Fachgruppe Rundfunk.

Überhaupt sollten die Mitglieder des Rundfunkrats dahin gestärkt werden, um sich mehr für die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Zukunft einzusetzen und das Feld nicht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) zu überlassen.

Und die Bundesregierung erinnerte der Journalistentag daran, im Urhebervertragsrecht eine bessere Durchsetzbarkeit des Anspruchs auf angemessene Vergütung für journalistische Leistungen zu verwirklichen und nicht durch Ausnahmen einzuschränken; auch dies gehöre zu den nötigen Rahmenbedingungen für eine meinungsstarke und freie Presse, die der Bundeskanzlerin persönlich am Herzen liegen.

Privacy Shield schützt Journalisten nicht
Erfolgreich mahnte zudem die Fachgruppe Europa und Medienrecht den Appell an die Bundesregierung an, dem Vorschlag der EU-Kommission zu einem Privacy Shield-Abkommen mit den USA nicht zuzustimmen, weil es Journalisten und andere Berufsgeheimnisträger nicht vor dem Zugriff von Geheimdiensten schütze.

Aus den Erfahrungen mit dem NSU-Prozess resultierte der Antrag, bei einer Reform des Gerichtsverfassungsgesetzes das Informationsinteresse der Öffentlichkeit angemessen zu berücksichtigen. Es müsse möglich sein, Prozesse auch in einen Presseraum zu übertragen, um alle Berichterstatter zu berücksichtigen.

Bitte kein Fanjournalismus!
Mehr Distanz sollten die Medienhäuser nach Ansicht des BJV zu Profisportvereinen wahren. Weder dürfe der Sportjournalismus zu einem undistanzierten Fanjournalismus mutieren noch sollten die Vereine die freie Berichterstattung durch Geldforderungen abschnüren. Womit der BJV freilich nichts gegen die lokalpatriotische Unterstützung von Sportvereinen hat, was dem Beisitzer Klaus Reindl doch sehr am Herzen lag.

Content Marketing konstruktiv diskutieren
Auch das Thema Content Marketing sah der Journalistentag differenziert. Zum einen forderte ein Antrag, für mehr Transparenz zu sorgen und einen Verhaltenskodex der Unternehmen aufzustellen. Zum anderen sollte sich der Verband etwa in Workshops mit dem neuen Kommunikationskanälen und ihren Auswirkungen auf den klassischen Journalismus auseinandersetzen. „Wir sollten uns am Prozess konstruktiv beteiligen“, riet Thomas Mrazek, der Vorsitzende der Fachgruppe Online.

Organisationsfragen
Heftig prallten die Meinungen aufeinander, ob die Fachgruppen Tageszeitungen und Zeitschriften zu einer gemeinsamen Fachgruppen Print zusammengefasst werden. Während Michael Busch von einer „Vernunftentscheidung“ sprach, hielten andere Mitglieder den Verbund für eine Einbuße an innerer Demokratie. Michael Anger sah sich zu Klartext genötigt: „Die Fachgruppe Zeitschriften ist seit zehn Jahren tot“, sagte er unverblümt. Die Fusion wird erfolgen.

Überzeugend waren die Argumente, die Fachgruppe Fremdsprachige in „Auslandsjournalisten“ umzubenennen, um sie für Korrespondenten zu öffnen. Unentschieden sah es bei zwei Anträgen der Freien aus: Für ein Themenjahr „Fair Pay“ sah man noch zu wenig Inhalte, einer wissenschaftlichen Studien zur Lage der Freien stimmte man zu.

Die Fachgruppe Europa erhielt Rückenstärkung für ihr Anliegen, auch weiterhin auf Ebene des Landesverbandes für die Pflege auswärtiger Beziehungen zu den Nachbarn Bayern zuständig zu sein.

Ehrenmitglied Michael Anger
Der BJV hat ein weiteres Ehrenmitglied. Michael Anger, 65, wurde dazu vom Regensburger Journalistentag einstimmig ernannt.

Der Bayreuther vertrat nicht nur zwölf Jahre Bayern im DJV – als meist unbestrittener Stimmenkönig –, sondern engagierte sich auch im BJV auf vielfältige Weise in der Fachgruppe Tageszeitungen, bei den Betriebsräten und vor allem beim BJVReport, dessen Redaktion er insgesamt 18 Jahre leitete und nun an die Würzburger Kollegin Michaela Schneider übergab.

Michael Busch würdigte ihn als „immer sehr weise“, als Mann von unglaublicher Diskussionskultur, der überzeugen kann, und als einen ausgleichenden Charakter. „Von ihm habe ich gelernt: Man kommt weiter, wenn man in ruhiger Art miteinander spricht.“ Den BJVreport hat er zu einer am stärksten beachteten Zeitschrift im DJV entwickelt. Das Magazin möge unabhängig bleiben („denn das ist sein Wert“), wünschte Michael Anger selbst.

Der BJVreport sollte nicht Teil der PR-Arbeit des Verbands sein, nicht einfach Verlautbarungen abdrucken. Stattdessen möge er kontroverse Meinungen wiedergeben, aber auch positive Entwicklungen der Branche und neue Berufschancen beschreiben. Wer das sechsmal im Jahr erscheinende Magazin für zu kostspielig hält, solle bedenken, dass der Honorarrahmen seit zehn Jahren unverändert geblieben ist.

Alois Knoller

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