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Wolfgang Stöckel (links) im Gespräch mit Kamran Safiarian, rechts im Bild ist Detlev Bierbaum
Foto: Veronika Vogelsang

Süddeutscher Journalistentag

Die Fallhöhe der Kirchenleute

Kirche braucht mehr Offenheit, Journalisten mehr Sachkenntnis

Mainz, 19.03.2013

Die moralische Fallhöhe bei Vertretern der Kirche sei so hoch, dass mancher Angst beim Umgang mit den Medien habe. Dies mutmaßte Detlev Bierbaum von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, beim Forum Medien & Religion des Süddeutschen Journalistentags in Mainz.

Mehr Recherche und Sachkenntnis
Dass auch die Medien eine Machtposition besäßen, hätten die Kirchen inzwischen begriffen und zögen aus Kritik immer öfters Konsequenzen, sagte Bierbaum. So sei schon wenige Tage nach Misshandlungsvorwürfen in einer Schule eine Umfrage unter den 900 Eltern gestartet worden. Grundsätzlich sei an der Berichterstattung über Missstände nichts auszusetzen, berichtete der Oberkirchenrat. Es sei Aufgabe der Journalisten, genau hinzuschauen. Allerdings fehle oft die Zeit für umfassende Recherche und mehr Sachkenntnis der Berichterstatter sei wirklich wünschenswert.
Debatte um neuen Papst

Dem schloss sich Christian Frevel, Pressesprecher des katholischen Hilfswerks Adveniat an. So beruhten die Vorwürfe gegen Papst Franziskus, dass er während der argentinischen Diktatur sich nicht konsequent für vom Regime verfolgte Priester eingesetzt habe, auf einer einzigen schriftlichen Quelle. Frevel räumte ein, dass es in dem südamerikanischen Land keine öffentliche Aufklärung in der Art einer Gauck-Behörde gegeben habe und dass der Vatikan die Vorwürfe in einem zu scharfen Ton zurückgewiesen habe.

Zur Frage von Moderator, BJV-Vorsitzendem Dr. Wolfgang Stöckel, ob auch die Berichterstattung über den Papst in Richtung Personality-Show tendiere, meinte Frevel, die Machtfülle dieses Amtes und der gewisse Pomp interessiere die Menschen nun mal. Allerdings verwundere es ihn schon, dass man Papst Franziskus mit einem Mysterium umgebe, während man bei seinem Vorgänger Bashing betrieben habe.

Berichterstattung statt Bashing
„Da ging es nicht um Bashing, sondern um ganz Konkretes“, widersprach Stefan Aigner, Blogger aus Regensburg, der juristisch mit dem Oberpfälzer Bistum wegen seiner Berichterstattung aneinander geraten war. Es gehe besonders um die Frage, ob die Kirche einen Sonderstatus habe.

Sie halte sich nicht an Tarife, könne Arbeitnehmer aus formalen religiösen Gründen entlassen, dürfe in Sachen Missbrauch Eigenaufklärung betreiben, obwohl beim Normalbürger schon längst Polizei und Staatsanwalt im Hause wären. Und wenn dann mal in Sachen Junta kritisch hinterfragt werde, sei gleich von Kampagne die Rede. Opfer unter Kirchenleuten seien sowieso nur die niedrigen Chargen.

Bessere Öffentlichkeitsarbeit soll Vorurteile abbauen
Unbedingt verbessern müssten auch die muslimischen Organisationen in Deutschland ihre Öffentlichkeitsarbeit, mahnte Kamran Safiarian, Moderator der ZDF-Sendung Forum am Freitag, die vor allem den Alltag der Muslime dokumentieren soll.

Dieser sei, wie bei den meisten Christen, weltlich geprägt. Vorurteile, Moslems seien nicht demokratiefähig, kämen sicher auch aus der Tatsache, dass die meisten moslemischen Länder Diktaturen seien. In der religiösen Debatte werde oft vergessen, dass es auch in Istanbul Kirchen gebe und die größte jüdische Gemeinde in Asien außerhalb Israels im Iran beheimatet sei.

Meinungsumfragen in Deutschland über Moslems seien verheerend. Dabei hätten seriöse Studien längst ergeben, dass unter schwierigen sozialen Bedingungen Deutsche eher prügeln als Moslems.
Die moslemischen Organisationen müssten klar machen, dass vieles Kritikwürdige, etwa die Todesstrafe wegen Gotteslästerung, nicht im Koran stehe, sondern sich geschichtlich entwickelt habe.

Michael Anger

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