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Die Krake SWMH verleibt sich Zeitungen wie hier etwa den Nordbayerischen Kurier ein: In der Tonne landen dabei Arbeitsplätze, Qualität und lokale Kompetenz
Foto: Eric Waha, www.ericwaha.de

Fachgruppe Print

Geschäftsbericht 2016/2017 der Fachgruppe Tageszeitungen (Print)

München, 16.03.2017

Adieu, Fachgruppe Tageszeitungen – bienvenu, Fachgruppe Print!
In Zeiten, in denen die Genre-Grenzen im Journalismus schwinden und multimediales Arbeiten nicht mehr die Ausnahme, sondern bald schon die Regel ist, macht der BJV aus zwei klassischen Fachgruppen eine. Journalisten, die zumindest dem Ursprung nach aus dem Bereich des gedruckten Wortes stammen, aus Tageszeitungen und Zeitschriften, finden eine neue Heimat in der Fachgruppe Print. In der natürlich, das zeigte sich schon in der Gründungsversammlung am 18. Februar in Ingolstadt, vielerorts bereits das Digitale den Ton angibt (siehe auch Bericht über die Gründung „Keine Fachgruppe Tageszeitungen mit Anhängsel Zeitschriften“).

1986: Nicht ins Hintertreffen geraten
Die von den Mitgliedern beschlossene Neuausrichtung gibt Anlass, kurz zurückzublicken auf den Ursprung der Fachgruppe Tageszeitungen. 1986, mithin vor drei Jahrzehnten, hat sie sich in Nürnberg konstituiert. „Die Tageszeitungsredakteure sollten durch die Konkurrenz neuer Medien nicht ins Hintertreffen geraten, und der sich damals deutlich abzeichnende Wandel im Beruf sollte kritisch begleitet werden. Vor allem durch das teure Engagement zahlreicher bayerischer Verlage in den neuen privaten Hörfunkprogrammen wurde damals plötzlich im Kerngeschäft, den Zeitungsredaktionen, gespart.

Kolleginnen und Kollegen sahen Mehrarbeit und Vertragsausweitungen auf sich zukommen. Neue Techniken hielten Einzug in Redaktionen, veränderten das Berufsbild“, erinnert sich Günter Weislogel, Ehrenmitglied und selbst langjähriger Vorsitzender dieser Fachgruppe. „Der Kampf um die Einhaltung tariflicher Regelungen und vor allem um die Arbeitszeit erforderte nicht nur Wachsamkeit. Die Sorge um Qualitätsverluste griff bereits damals um sich, die Schleichwerbung ebenfalls. Ein großes Problem bildeten die gewaltigen Unterschiede in der Ausbildung des journalistischen Nachwuchses.“

2017: Nicht ins Hintertreffen geraten
Nein, es hat sich offenbar nicht allzu viel geändert in diesen drei Jahrzehnten. Gestern wie heute kämpfen wir mit ähnlichen Problemen in den Tageszeitungsredaktionen: Personalreduzierung, Arbeitsverdichtung, unbezahlte Überstunden. Hinzugekommen ist die Tarifflucht auf breiter Front; besser bestellt als damals ist es hingegen um die Volontärsausbildung.

Der Ausbildungstarifvertrag, den die „Gründerväter“ der Fachgruppe mühsam erkämpft hatten, war inzwischen arg in die Jahre gekommen und bildete die modernen medialen Möglichkeiten nicht mehr ab. Erst heuer ist es, nach monatelangen Verhandlungen, gelungen, ein gründlich aktualisiertes Regelwerk unter Dach und Fach zu bekommen. Es kostete große Mühe, die Verleger davon zu überzeugen, von einer generellen, nicht an zusätzliche Ausbildungsinhalte verknüpften Verlängerung des Volontariats abzusehen. Groß war die Verlockung, Volontäre länger als bisher als billige Arbeitskräfte einsetzen zu können. Mit Mühe konnten die Gewerkschaften das verhindern.

„Großbaustellen“ in Lichtenfels, Regensburg, Passau und Bayreuth
Verhindern müssen die Gewerkschaften auch eine weitere Aushöhlung der Tarifverträge. Mehrere „Großbaustellen“ hat der BJV in diesen Tagen: In Lichtenfels kämpfen die wackeren „Gallier“ des Obermain-Tagblattes auf ungewöhnlich kreative Art und Weise für die Aufnahme von Haustarifverhandlungen.

Bei der Passauer Neuen Presse (PNP) wächst der Druck auf PNP-Verlegerin Tucci-Diekmann, die zwar reichlich Geld hat für den Kauf des Ingolstädter Donaukuriers, aber wenig für ihre Mitarbeiter. Denen verweigert sie nämlich beharrlich Gespräche über einen Haustarif; lieber will sie ihre Leute weiter mit den Almosen eines „Eckpunktepapiers“ abspeisen. In Regensburg dagegen, bei der Mittelbayerischen Zeitung, stecken die Haustarifverhandlungen in einer Sackgasse. Und in Bayreuth, beim Nordbayerischen Kurier, haben die Mitarbeiter schlicht Angst um ihren Job: Dort droht nach der Übernahme durch die SWMH ein Personal-Kahlschlag.

Reichlich Arbeit also hinter den Kulissen – und darauf beschränkte sich die Tätigkeit in der Fachgruppe in den letzten Monaten auch im Wesentlichen. Einziges Veranstaltungsangebot war der traditionelle Ansprechpartner-Workshop im Anschluss an das Betriebsräte-Herbstseminar in Kainsbach.

Unter dem Motto „Wie man Mitstreiter gewinnt – Einladende Kommunikation für die Gewerkschaft“ erläuterte Karsten Stölzgen, zertifizierter Trainer und Business Coach im Dienste der Agentur mensch & kommunikation, wie man bestehende Kontakte und Netzwerke pflegt und ausbaut. Stölzgen gab praktische Argumentationshilfen an die Hand geben und erklärte, wie ein Gespräch auch bei gegensätzlichen Standpunkten für beide Seiten gewinnbringend sein kann.

Zuvor hatten die Teilnehmer auf eine Tarifrunde zurückgeblickt, deren Ergebnis deutlich hinter den Erwartungen der meisten Redakteurinnen und Redakteure zurückgeblieben ist (siehe auch „Tarifabschluss für Tageszeitungen erzielt“).

Wolfgang Grebenhof, Vorsitzender Fachgruppe Tageszeitungen und der neuen Fachgruppe Print

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