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Diskussionsrunde bei den Lokalrundfunktagen 2016: Dennis Amour, Jannis Kucharz, Michael Praetorius und Uwe Tschirner
Diskutierten über Live-Streaming und Snapchat (von links nach rechts): Dennis Amour, Jannis Kucharz, Michael Praetorius und Uwe Tschirner
Foto: 
Michaela Schneider

Fachgruppe Rundfunk

Lokalrundfunktage 2016: „Live-Streaming geht durch die Decke“

Snapchat und Facebook-Live fürs Lokalfernsehen bei den Lokalrundfunktagen in Nürnberg

Nürnberg, 07.07.2016

Sie gelten deutschlandweit als der größte Branchentreff für den lokalen und regionalen Rundfunk: Die Lokalrundfunktage in Nürnberg. Und so beschäftigten sich die Radio- und Fernsehmacher mit einem bunten Paket an Zukunftsthemen. Eine Diskussion drehte sich um die Frage: Handelt es sich bei den Social-Media-Diensten Snapchat und Facebook Live nur um einen Hype – oder aber um eine notwendige Ergänzung des Online-Angebots? Mit auf dem Podium: BJV-Justitiar Dennis Amour.

130 Millionen Snapchat-Nutzer
Man höre viel von Snapchat – verstehe es aber nicht so recht, sprach Moderatorin Eva Schulz wohl manchem Zuhörer aus der Seele. Jannis Kucharz, Freier-Social-Media-Redakteur beim ZDF, versuchte zu erklären: Mit 130 Millionen sei die Zahl der Nutzer mittlerweile höher als bei Twitter, die Zahl der Views am Tag: zehn Milliarden.

„Das macht süchtig“
Vor allem bei Jugendlichen ist der Dienst beliebt. Nutzen sollten Medienhäuser ihn vor allem, wenn sie diese Zielgruppe erreichen wollen. Das Besondere an Snapchat – neben den extrem einfachen Möglichkeiten, Geschichten aus Videos, Bildern, Text und Gimmicks direkt am Smartphone zu basteln: Die so genannten „Storys“ sind nur 24 Stunden abrufbar. „Das macht süchtig. Ich muss reinschauen, wenn ich wissen will, was bei Freunden los ist“, sagte Kucharz.

„Es braucht keinen Grund mehr, live zu gehen“
Mit Fernsehen habe Live-Streaming nichts mehr zu tun, sagte der Münchner Journalist und Online-Consultant Michael Praetorius. Denn: „Es braucht keinen Grund mehr, live zu gehen. Man macht es einfach.“

Live sei heute nichts Besonderes mehr, für einen Fernsehmann sei das frustrierend. Und doch appellierte er an die Medienunternehmen, jetzt aufs richtige Pferd zu setzen – und nicht erst in zwei Jahren. „Das Thema geht so durch die Decke, das lässt sich nicht mehr aufhalten“, ist Praetorius überzeugt.

Ein Lokaljournalist, der Facebook-Live tatsächlich nutzt, ist Uwe Tschirner von Oberlausitz TV (siehe auch Kurzbericht). Facebook-Live könne für zehn Mal mehr Traffic sorgen als ein gestalteter Fernsehbeitrag. Allerdings ließe sich das nicht in dem Maß planen. Durchs Filmen via Smartphone eröffneten sich andere Perspektiven – etwa, wenn dem Kameramann die Sicht verstellt sei. „Und die User mögen es, wenn wir zum Experiment bereit sind“, erzählte Tschirner.

Keine rechtlichen Alarmglocken
Und was sagt nun BJV-Justitiar Dennis Amour aus rechtlicher Sicht zu den Live-Streaming-Diensten? Alarmglocken schrillten bei ihm keine. Bedenken habe er bei persönlichkeitsrechtlichen Themen, wenn man Bürgerreporter losschicke und wild drauflos filmen lasse. Und aus urheberrechtlicher Sicht müsse sauber gearbeitet werden, wenn man Beiträge teile oder zitiere.

Allerdings betonte er in Sachen Snapchat-AGB: „Ich kann mit den Sachen machen, was ich möchte – aber Snapchat kann das auch.“ Das müsse man wissen.

Michaela Schneider

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