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Bereits 2012 belegte eine BJV-Umfrage: Die Redakteure an Bayerns Tageszeitungen arbeiten viel länger, als es ihre Pflicht wäre
Foto: 
Eberhard Wolf

BJV-Landesvorstand

Offener Brief an die BetriebsratskollegInnen der Passauer Neuen Presse

PNP-RedakteurInnen entscheiden sich gegen Zeiterfassung

München, 28.11.2014

In einer geheimen Abstimmung, die bis 27. November lief, haben die rund 130 RedakteurInnen der Passauer Neuen Presse (PNP) darüber abgestimmt, ob es in Ihrem Medienhaus künftig eine Zeiterfassung geben soll. 44,4 Prozent der RedakteurInnen der haben für eine Zeiterfassung, 55,6 Prozent dagegen gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei 95 Prozent.

Der BJV-Vorsitzende Michael Busch wendet sich in einem Offenen Brief an die Betriebsratsmitglieder der PNP.

Offener Brief an die BetriebsratskollegInnen der Passauer Neuen Presse

Großer Respekt liebe BetriebsratskollegInnen in der Passauer Neuen Presse!
Großer Respekt. Ihr habt nicht verloren. Ihr habt Euch eines Themas angenommen, das wohl zu den schwierigsten in unserer Branche zählt.

Es ist ein Thema, das von Absurditäten und Widersprüchen geprägt ist. Fragt man die Kolleginnen und Kollegen in unserem Metier, was sie am meisten belastet, so heißt es oft: „Es wird immer mehr Arbeit!“ und/oder „Ich fühle mich ausgebeutet!“, bis hin zu: „Ich stehe kurz vor dem Burn-Out!“.

Doch beim Thema Zeiterfassung findet sich plötzlich ein anderer Sprachduktus: „Journalismus ist zeitlich nicht steuerbar!“, „Jetzt darf ich meine Termine wohl nicht mehr machen!“, „Wer geht denn raus, wenn nachts die Sirenen gehen?“.

Liebe Betriebsräte in der Passauer Neuen Presse!
Ihr seid keine Verlierer. Euer Betrieb hat eine große Chance verpasst. Statt sich modern und innovativ auf dem Markt zu präsentieren, wurde das Dasein in der Vergangenheit manifestiert.

Welche Chancen? Zum Beispiel die Chance sich solidarisch zu zeigen. Nein, nicht mit dem Betriebsrat. Sondern die KollegInnen untereinander. Man hätte die jüngeren KollegInnen schützen können. Die verdienen oft deutlich weniger. Mit der Zeiterfassung hätte man sie vor dem Überstundenwahn schützen können.

Eine weitere vertane Chance: Vereinbarungen zur Zeiterfassung sind in der Regel so gestaltet, dass ein höchstes Maß an Flexibilität gegeben ist – also der Bericht vom Unfall mitten in der Nacht eben auch möglich ist. Denn nun gelten die gesetzlichen Regelungen. Das Schlimme ist, dass die Medienhäuser wissen, dass der Gesetzgeber und die Exekutive halt nicht so genau hinschauen. In vielen Häusern werden nicht einmal die Überstunden aufgezeichnet, obwohl das eine gesetzliche Vorgabe ist. Es werden weder die gesetzlichen Ruhezeiten noch die vorgegebenen Pausen eingehalten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen im Betriebsrat,
seid nicht sauer auf die MitarbeiterInnen, die sich gegen die Zeiterfassung ausgesprochen haben. Einige wenige gehören zu den Selbstausbeutern, für die Zeit tatsächlich keine Rolle gespielt hat. Der größere Teil wird sich dem Druck der Gegenseite gebeugt haben. Hinweise wie „Ob wir da noch so viele Redakteure halten können?“ oder „Da werden wir wohl Controller einstellen müssen!“ und „So kann man das Haus auch kaputtmachen!“ verfehlen ihre Wirkung selten. Drohungen und Angst macht viel kaputt und verhindern Neues.

Liebe Betriebsratskollegen,
lasst euch nicht entmutigen. Ihr habt einen guten Job gemacht. Annähernd jeder zweite Kollege zählt auf Euch. Ich habe hohen Respekt vor Euch. Ihr könnt auf alle Fälle in den Spiegel schauen, ob wirklich jeder Kollege Euch noch in die Augen schauen kann, ist ein anderes Thema.

Michael Busch, 1. Vorsitzender Bayerischer Journalisten-Verband

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