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Zum Aufwärmen: Netzwerken mit Wolle in BJV-Blau
Foto: Maria Goblirsch

Fachgruppe Freie

FREItag 2016: Viele Kontakte, viele Ideen, viele Aufträge

Netzwerken beim FREItag 2016 in Nürnberg im Fokus

Nürnberg, München, 09.10.2016

Mit ganz praktischen Dingen wie Tools fürs Netzwerken, die Kooperation mit Kollegen und Kolleginnen oder das effiziente Verwenden von YouTube befassten sich die Referenten des von der Fachgruppe Freie ausgerichteten FREItags in Nürnberg. Klar wurde aber auch, dass die richtige Einstellung zum „Freien-Dasein“ Voraussetzung für Erfolg ist: Investitionsbereitschaft, gerne auf Menschen zugehen, keine Angst vor Konkurrenz, klare Ziele für die eigene Zukunft.

Schon 2001 hat Christiane Wolff das Motto der Veranstaltung beherzigt „Frei heißt nicht allein“ und Nettwerk, ein Netzwerk für Frauen in der Medien- und Kommunikationsbranche, gegründet. Heute gehören ihm rund 800 Mitglieder in Berlin, Frankfurt und München an.

Anstoß war der Wunsch, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, berichtete die Kommunikationsexpertin in ihrem Impulsreferat. Dieser Austausch erfolgt per Mail, also im geschlossenen Kreis. Arbeitseffizienz schreibt Wolff groß: „Überlegt euch genau, was ihr vom Netzwerk wollt. Dann sucht euch ein bis drei Netzwerke aus, an denen ihr teilnehmt, das genügt.“

Erstmal ins Netzwerk investieren
Die Teilnahme bedeute aber zunächst viel investieren, also Ideen eingeben, von eigenen Aktivitäten berichten, sich intensiv austauschen. Der Lohn? Irgendwann kämen Experten und potenzielle Auftraggeber auf einen zu, weil sie aus dem Netzwerk erfahren, dass man sich mit ihrem speziellen Thema befasst. Für Wolff ist ein richtig genutztes Netzwerk direkte Lebenshilfe: „Ich habe einmal einen Job gekündigt, weil ich wusste, aus dem Netzwerk werde ich Hilfe erhalten.“

Im Blog Lösungen anbieten
Wer per Blog sein eigenes Netzwerk gründen möchte, dem empfehlen Karin Hertzer und Claudia Minke als Software Wordpress, weil es leicht zu installieren sei und über genügend Layout-Optionen verfüge. Individuelle Designs (Themes) kosten rund 50 Dollar, manchmal sind auch mehrere Lizenzen möglich. Besonders wichtig seien ansprechendes Design im Geschmack der Zielgruppe, eine Meldungsspalte und responsives Design, das sich dem Endgerät anpasst.

Eine ansprechende Startseite sei ein Muss, die Unterseiten aber wichtiger. Nicht zuletzt an Impressum und Veröffentlichungsrechte denken, schließlich sei man quasi Verleger. Die Schreibe sollte knapp in der Sprache sein, stark gegliedert und zielführend nach dem Motto: Dies ist das Problem, ich habe die Lösung.

Das Geldverdienen sei nach ein, zwei Jahren möglich, erklärten die Referentinnen – für Werbung direkt auf dem Blog und indirekt mit dem Blog über den Markenaufbau als Experte.

Deshalb müsse man ihn nutzen, sich als Marke aufzubauen, seine besonderen Fähigkeiten und Themen anzubieten. Erfolgsmodelle seien zum Beispiel die Blogs www.backenmachtgluecklich.de und www.cruisetricks.de über Kreuzfahrtschiffe. Deren Betreiber finanzierten sich über Anzeigen, Buchprojekte, Kooperationen, Expertenvorträge. Bei allen Finanzierungsvarianten müsse der Blogbetreiber unbedingt auf Transparenz achten.

Die nächsten Termine, sich weitere Ratschläge zu holen, sind am 25. Oktober beim Blogger-Stammtisch München und am 26. November der Profi-Blogger-Workshop, beide Veranstaltungen leiten Karin Hertzer und Claudia Minke.

Beim „Traummedium“ melden
„Traut euch, bei eurem Traummedium anzufragen“, beantwortete Marion Trutter eine ihr oft gestellte Frage klipp und klar. Genauso deutlich erläuterte die Zeitschriftenredakteurin aber auch, was beim telefonischen Erstkontakt unerlässlich sei, vom gesunden Selbstbewusstsein („Ihr seid Geschäftspartner, keine Bittsteller“) über den vorher zu ermittelnden direkt zuständigen Ansprechpartner bis zum tauglichen Exposé.

Spätestens dort muss trotz knapper Formulierung klar werden, dass man sich mit dem Medium schon eingehend befasst hat, den Schreibstil der Redaktion kennt und beachten wird und genau das für den Kunden unerlässliche Thema anbietet.

Business-Coach Trutter erinnerte auch unermüdlich an Selbstverständlichkeiten, an die aber viele Freie nicht denken, wovon Blattmacher ein Lied singen können. Dabei geht es um die Vorstellung des Autors in wenigen Worten, um Nennung der Kontaktdaten auf dem Exposé, die Anforderung einer Auftragsbestätigung nach Absprache von redaktionellen Vorlaufzeiten und vor allem des Honorars. Absagen sollten respektiert werden. Bezog diese sich nur auf den Augenblick, sind spätere Nachfragen nicht ehrenrührig.

Keine Angst vor Technik
Jede Menge Apps und Tools hat Michel Penke den Journalisten zu bieten – kostenlos und geprüft. Jeden Freitag stellen er und Daniela Späth auf www.bleiwüsten.de Programme vor, die für die KollegInnen von Vorteil sein können, vom Grafiktool über das Basteln interaktiver Landkarten bis zur Produktion eigener Webvideos. Die begeisterten FREItags-Teilnehmer konnten in wenigen Minuten mit Fyuse selbst 360 Grad-Bilder erstellen. Weitere Experimente per Smartphone scheiterten am zu bedächtigen lokalen WLAN.

Der freie Journalist und Blogger Penke meinte, sein Blog solle vor allem denjenigen helfen, die aus Angst vor Technik beim Mobile Reporting immer noch Bleiwüsten produzierten. Sie könnten besser und schneller arbeiten. Bleiwüsten sei immer noch ein absolutes Nischenprojekt. Viele Organisationen und Portale erteilten ihm Aufträge, die gutes Geld brächten. Allerdings eben auch, weil er sich seit zehn Jahren intensiv mit der Materie befasse.

YouTuber wünschen Regelmäßigkeit
„Einfach loslegen“ empfahl Diplomjournalist Marius Stolz in Sachen YouTube, wo er den Kanal Die Filmfabrik betreut. Dass das für Berufskollegen nicht einfach ist, räumte er mit dem Hinweis ein, auf dem Portal sei „echter Journalismus“ eine absolute Nische.

Zudem erwarteten YouTub-Nutzer technische Qualität und Regelmäßigkeit. An die 1000 Euro sollte man zum Einstieg schon investieren. Wie die anderen Referenten empfahl auch Stolz, sich seine Zielgruppe genau zu überlegen, aber bei der Nutzung der Keywords nicht allzu viel über den Algorithmus von Suchmaschinen nachzudenken. Da blicke sowieso kaum jemand durch.

YouTube habe von allen Social Media-Angeboten das jüngste Publikum, hob Stolz hervor und deshalb sei der Inhalt das Wichtigste. Der große Vorteil der YouTuber: Laut Statistik redet die Hälfte mit Bekannten über die Videos, das ist kostenlose Distribution, und diese Nutzer reagierten mit Kommentaren sofort.

Nachteil aus Sicht der Journalisten: Unterhaltung ist alles. Wer YouTube zum Aufbau der eigenen Marke nutzen wolle, dürfe auf Instagram oder Twitter nicht verzichten, denn Kundenbindung sei nun einmal unerlässlich, mahnte Stolz. Die Chancen dazu seien gut, denn YouTuber bevorzugten Präsentationen durch einen nicht ständig wechselnden Moderator.

Steuern sparen
Schlau rechnen und sparen – wenn’s nur so leicht wäre. Mit einer Fülle Tipps und neuen Urteilen der Finanzgerichte machte Michael Hirschler, DJV-Referent für Freie, die Workshop-Teilnehmer für den Steuer-Alltag fit. Welchen Status etwa haben Freie steuerlich? „Der Status gewerblicher Unternehmer muss kein Problem sein.“

Wann können Anschaffungen als Betriebsausgaben abgesetzt, mit welchen privaten Anteil muss die private Nutzung angesetzt werden? „Ein Prozent.“ Darf ein Fahrtenbuch über Excel geführt oder diktiert werden? „Nein.“ Wie sieht es steuerlich bei einer kombinierten Recherche-/Urlaubsreise aus? „Interessante Idee.“

Kaum eine Frage, die den Alltag eines Freien berührt, blieb unbeantwortet. Statt Juristen-Kauderwelsch gab‘ s verständliche Kost. Für alle, die noch nicht genug vom Steuerrecht für Freie bekommen haben: Die „Steuertipps für Journalisten“ des DJV wurden gerade neu aufgelegt – eine Pflichtlektüre. Und im DJV-Shop gibt es ein Webinar-Video zum Thema Steuern.

Stets zwei Smartphones
„Ich möchte Lust machen auf das, was man mit dem Smartphone unterwegs alles machen kann“, überschrieb Barbara Weidmann-Lainer, freie Multimedia-Journalistin aus München (www.fit-for-crossmedia.de), ihren Workshop zum Mobile Reporting. Sie schilderte an erfolgreichen Beispielen aus Syrien, Irland und Norwegen, wie TV-Sender heute mit dem Smartphone Videos von Breaking News-Situationen oder Undercover-Einsätze drehen und senden.

Als Grundausstattung für mobile Reporter ein Muss: das Smartphone neuester Generation (ein zweites zum Telefonieren!), Batterien, Ladegeräte, Speichermedien für Backups, Stativ und externes Mikro mit Windschutz – und ein verlässlicher Mobilfunkvertrag mit Flatrate. Die Referentin demonstrierte, welches leichte und erschwingliche Equipment es vom DSLR-Grip Handle bis zum aufsteckbaren Mikro für den Videodreh per Smartphone gibt. Und wie sich Videos per App schneiden und vertonen lassen. Ihr Tipp: „Trauen Sie sich, legen Sie los. Was dabei rauskommt, ist meist richtig gut“.

Kooperation nur nach Beratung
Warum alleine arbeiten, wenn sich zusammen mit anderen mehr verdienen lässt? Das fragt sich so mancher. Zu Beginn des Workshops „Im Traum zu Aufträgen und Erfolg“ schilderte Kommunikationsberater Sascha Ihns am Beispiel des von ihm begründeten Online-Portals Luxspots, wie eine Kooperation in der Praxis funktionieren kann.

Doch die hat, zumindest rechtlich ihre Tücken. An den Anfang einer Kooperation unter Freien gehört die Analyse, stellte BJV-Justiziar Stefan Marx klar: Welche Ziel verfolgt der Partner? Passen die Profile zusammen? Für welche Zeit und in welcher juristischen Gemeinschaft soll zusammengearbeitet werden und nach welchen Regeln geht man wieder auseinander?

Der Rechtsanwalt warnte etwa vor mündlichen Absprachen, die unerwartete Folgen haben können oder dem Risiko einer Haftung. Fazit des Workshops: Kooperationen sind eine gute Chance, aber besser vorher den Rechts-Experten fragen. Mitglieder können sich dazu kostenfrei von den BJV-Justiziaren beraten lassen.

Michael Anger und Maria Goblirsch

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