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Bezirksverband Franken-Nordbayern

Geschichte, Gegenwart und Zukunft

13.11.2025
Bericht von
Johannes Michel

Viele interessierte Gäste folgten der Einladung des BJV zur Veranstaltung "80 Jahre freier Journalismus in Franken".

Ein informativer Abend zu "80 Jahren freier Journalismus in Franken".

Als sich am Abend des 12. November 2025 der PresseClub Nürnberg füllt, liegt ein leiser Stolz auf die erfolgreiche Geschichte des Journalismus nach dem Zweiten Weltkrieg in Franken in der Luft – und zugleich die Frage, wie es mit dieser Tradition weitergeht. Denn die Medienwelt hat sich seit 1945 radikal gewandelt, auch wenn das Bedürfnis nach verlässlichen Informationen geblieben ist. Genau darüber wollten Journalistinnen und Journalisten sprechen, als der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) zur Veranstaltung „80 Jahre freier Journalismus in Franken“ eingeladen hatte. In der Woche zuvor hatte man sich bereits in München zu „80 Jahre freier Journalismus in Bayern“ getroffen (mehr dazu in der kommenden Ausgabe des BJVreport 5/25).

Durch den Abend führte Beke Maisch vom BJV Nordbayern-Franken. Zum Auftakt erinnerte Hans von Draminski, Vorsitzender des Bezirksverbands Franken/Nordbayern, daran, dass viele Menschen heute glaubten, durch soziale Netzwerke ausreichend informiert zu sein – ohne tatsächlich eine verlässliche Nachrichtenbasis zu haben. Umso wichtiger sei es, ein Bewusstsein für Qualitätsjournalismus zu stärken. Die Nürnberger Nachrichten hätten 1945 die Lizenz Nr. 3 erhalten, ein frühes Zeichen für die Wiederbelebung einer freien Presse nach der Diktatur.

Historische Einordnungen lieferte anschließend der BJV-Ehrenvorsitzende Dr. Wolfgang Stöckel in einer Keynote. Er beschrieb, wie die Presse vor 1945 zensiert, gleichgeschaltet und für Propaganda missbraucht worden war. Mit dem 11. Oktober 1945 und der ersten Ausgabe der Nürnberger Nachrichten habe sich das Blatt gewendet. Die US-Militärregierung habe bewusst eine vielfältige Presselandschaft fördern wollen, ebenso den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In Nürnberg sei das Bedürfnis nach Information angesichts der Kriegsverbrecherprozesse besonders ausgeprägt gewesen. Heute hingegen könnten die USA nicht mehr als Vorbild dienen. Stöckl erinnerte zudem an die Gründung des BJV im Februar 1946, erste Tarifverhandlungen nur wenige Jahre später und spannte auch einen Bogen zu den ersten privaten Sendern, auch in Nürnberg. Seine Kernbotschaft: „Journalistische Qualität und Ethik sind wichtiger denn je – wir müssen sorgsam mit dem Gut der Pressefreiheit umgehen.“

Vielfalt auf dem Podium

In einer Podiumsdiskussion, moderiert von Sebastian Schmidt von Franken Fernsehen, wurde deutlich, wie stark sich die Medienwelt verändert hat. Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, sprach vom „Hunger nach Informationen“, der damals wie heute bestehe und der Redaktionen verpflichte. Anja Miller, Leiterin Studio Franken des Bayerischen Rundfunks, erinnerte daran, dass Radio vor 1945 überwiegend zu Unterhaltungs- und Propagandazwecken gedient habe, Information als Auftrag sei neu gewesen. Alexandra Haderlein, Gründerin der Relevanzreporter, warnte vor einer trügerischen Sicherheit: „Wie fragil das Gut eines freien Journalismus ist, wird oft unterschätzt.“ Junge Menschen erreiche man mit Papier kaum noch – Medienhäuser müssten konsequent neue Wege gehen.

Funkhaus Nürnberg- Geschäftsführer Alexander Koller hob die Rolle lokaler Berichterstattung hervor, die besonders in der Coronazeit Vertrauen geschaffen habe. Gleichzeitig sei die finanzielle Lage vieler Häuser angespannt: „Die Tischdecke bedeckt nicht mehr den ganzen Tisch. Wir könnten vieles besser, es ist aber nicht finanzierbar.“ Auch Miller sprach von Millionenbeträgen, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk einsparen müsse, während zugleich enorme Investitionen ins Digitale notwendig seien. Dennoch flössen rund zwei Drittel der Gebührengelder in lineare Produktionen, die nun einmal teuer seien. Husarek betonte, dass klassische Medien unter den Werbeerlösen der großen Plattformen litten und forderte politische Regulierung – nicht finanzielle Hilfen. Am Ende stünde für potenzielle Nutzerinnen und Nutzer von Medien die Frage: Zwei oder drei Euro für ein Medium ausgeben, oder doch lieber einen Cappuccino trinken? Einig waren sich alle, dass die Medienbildung weiter gestärkt werden muss. Kindern und Jugendlichen müsse gezeigt werden, was guter Journalismus bedeute.

Wie geht es weiter?

Anschließend hatten die Besucherinnen und Besucher auch die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Von der am Vortrag verkündeten Übernahme der Mediengruppe Oberfranken durch die Mediengruppe Bayern bis zum Mehrwert von konstruktivem Journalismus wurden viele Themen angesprochen.

Den Schlusspunkt markierte Prof. Markus Kaiser mit einem Blick in die Zukunft des Journalismus. Avatare als Moderatoren, Podcast-Generatoren, keine Grenzen zwischen den Medien mit fließenden Übergängen zwischen Text, Audio und Video – vieles sei keine Vision mehr, sondern Realität. Einige Trends hob er besonders hervor:

  • zunehmende Multimodalität
  • Webseiten, die stärker in Dialog mit den Nutzenden treten
  • Qualität journalistischer Produkte (Faktencheck auch per KI)
  • Chance, durch KI wieder mehr Zeit für echte journalistische Arbeit zu gewinnen

Journalismus werde auch künftig davon leben, gute Geschichten zu erzählen, so Kaiser.

Moderatorin Maisch fasste den Abend mit einem Appell zusammen: Mehr Dialog wagen, lokal bleiben, eine vertrauenswürdige Stimme sein – und Medienerziehung stärken. Denn die Rahmenbedingungen mögen sich verändern, doch die Bedeutung eines freien, unabhängigen Journalismus bleibt.

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