Urheberrecht
Fast jedes zweite Foto kommt von einer Agentur
Artikel aus dem BJVreport von
Maria Goblirsch
Ferdinand Dörfler-Frathofer (links) und Thomas Geiger bei der Auswertung der bayerischen Tageszeitungen für "Fotografen haben Namen".
Die Würzburger Main-Post ist Siegerin beim BJV-Check „Fotografen haben Namen“.
Wie viele der in bayerischen Tageszeitungen veröffentlichten Aufnahmen wurden von Agenturen oder von Pressestellen zugeliefert? Das wollte der BJV unter anderem im Rahmen der Aktion „Fotografen haben Namen 2026“ wissen.
Das Ergebnis: Mehr als 40 Prozent der Fotos stammten im Schnitt von Bildagenturen. Auch die Zahl der PR-Fotos, also Bilder mit Vermerken wie „Stadt“, „Polizei“, „Feuerwehr“ oder den Namen von Unternehmen, hat eher zugenommen. Dabei unterscheiden sich die Zahlen der einzelnen Redaktionen deutlich. Spitzenreiter ist die BILD Nürnberg, die mehr als jedes zweite Foto (69 von 114) von Agenturen bezog (60,5 Prozent). Am meisten eigene Bilder veröffentlichte das Main-Echo Aschaffenburg, von 71 Fotos stammten nur 18 von Agenturen (25,4 Prozent) und drei aus dem PR-Bereich.
Dass mehr Bilder von Agenturen abgenommen werden, liegt wohl auch daran, dass die Zahl der festangestellten Pressefotograf*innen in den Redaktionen stetig abnimmt. Haben sie die Altersgrenze erreicht, werden ihre Planstellen oft nicht nachbesetzt oder in anderen Ressorts wie etwa der Onlineredaktion angesiedelt. Pauschalist*innen und freie Fotograf*innen klagen über weniger Aufträge und sinkende Honorare. Dafür versehen Redakteur*innen die Berichterstattung zunehmend mit eigenem Bild- oder Videomaterial und werden dazu von ihren Verlagen eigens mit hochwertigen Smartphones ausgestattet (der BJVreport berichtet darüber in seiner nächsten Ausgabe).
2280 Fotos aus 23 Blättern
Mit der Aktion „Fotografen haben Namen“ überprüft der BJV seit vielen Jahren, ob die in den bayerischen Tageszeitungen veröffentlichten Bilder einen korrekten Urhebervermerk tragen. Im Juni 2026 checkte das Team in einer Stichprobe 2280 Fotos aus 23 Blättern der Ausgabe vom 7. Mai, notierte richtige und falsche Nennungen auf Strichlisten und wertete die Ergebnisse in einer Rangliste aus.
Ziel der jährlichen Überprüfung ist eine Bewusstseinsschärfung in den Redaktionen, dass das Recht auf die Nennung des eigenen (Fotografen-)Namens ein Bestandteil des Urheberrechtes ist (Paragraf 13 UrhG) und ein Verstoß mit einem Zusatzhonorar von 100 Prozent als Schadenersatz geahndet werden kann, wenn es denn der Betroffene einfordert. Aus Sorge vor ausbleibenden Folgeaufträgen trauen sich dies allerdings viele Kolleg*innen nicht. Last but not least geht es bei der Nennung ihres Namens auch ums Geld. Bildjournalist*innen müssen für die Meldung bei der Verwertungsgesellschaft Bild/Kunst belegen können, was sie wann und wo an Fotos veröffentlicht haben. Auch bei der Akkreditierung zu Messen und anderen Veranstaltungen wird der Nachweis von Veröffentlichungen verlangt.
Wer hat es in der Auswertung auf die vorderen Plätze geschafft, wer trägt die rote Laterne am Ende der Tabelle? Siegerin 2026 ist die Main-Post, die 57 von 65 Fotos insgesamt korrekt untertitelte (87,69 Prozent). Im Vorjahr hatte die Würzburger Zeitung den zweiten Platz (84,13 Prozent) belegt. Musterschülerin unter den bayerischen Blättern ist die Fränkische Landeszeitung, die auf den in Eigenleistung produzierten Seiten alle Bildmerke fehlerfrei hat – und das nach 2025 bereits zum zweiten Mal. Die zwölf gezählten fehlerhaften Bildvermerke befinden sich auf den Mantelseiten, die die FLZ vom Verlag Nürnberger Presse bezieht. Mit 71 richtigen Angaben (bei insgesamt 83 veröffentlichten Fotos; 85,54 Prozent) liegt die mittelfränkische Zeitung knapp hinter der Main-Post.
Auch der Abstand zu Rang 3 und dem Neuen Tag Weiden (55/65; 84,62 Prozent) ist gering. Auf den nächsten Plätzen folgen mit ebenfalls knappen Abständen das Straubinger Tagblatt, die Süddeutsche Zeitung, Nürnberger Zeitung und Nürnberger Nachrichten sowie die Augsburger Allgemeine.
„Wir nehmen das Thema Fotovermerke ernst, und das schon lange. Wir verwenden in der Regel auch von externen Quellen keine Bilder, bei denen der Name des Urhebers oder der Urheberin fehlt und sprechen immer wieder darüber, wenn wir Fehler bei Fotovermerken machen“, sagt Ivo Knahn, Chefredakteur der Main-Post. Er sei bei diesem Thema auch deshalb besonders aufmerksam, weil er selbst mehrere Jahre als Freier mit Schwerpunkt Fotografie gearbeitet habe und in der Zeit als Art Direktor für das Thema Fotografie verantwortlich war.
Gudrun Bayer, Chefredakteurin der Fränkischen Landeszeitung, betont, ihre Redaktion wolle unabhängig von der eindeutigen rechtlichen Situation dokumentieren, „dass unsere Arbeit von Menschen gemacht wird und wie viele Menschen nötig sind, um eine Zeitung mit Inhalten zu füllen“. Bei Fotos, die die FLZ nicht selbst in Auftrag gebe und die zugeschickt werden, investiere die Redaktion viel Zeit mit Mailen und Nachtelefonieren, um die Namen der Fotograf*innen herauszufinden.
Das scheint bei den Boulevardblättern, die seit Jahren auf den unteren Plätzen der BJV-Rangliste landen, nicht der Fall zu sein. Bild Nürnberg und Bild München haben in der Ausgabe vom 7. Mai 114 Fotos veröffentlicht, aber nur unter 27 beziehungsweise 26 Bildern steht ein korrekter Vermerk (23,68 beziehungsweise 22,81 Prozent). Lediglich jedes dritte Bild ist bei der Abendzeitung München (33,06 Prozent; Platz 21) und bei der Frankenpost aus Hof (36,84 Prozent; Platz 20) richtig untertitelt.
Den Finger in die Wunde legen
Das Resümee: Einige Blätter haben den Platz im Mittelfeld getauscht, aber beim Gros hat sich im Vergleich zu den Vorjahren wenig geändert. Nach wie vor gilt: Mehr als jeder zweite Bildvermerk in den bayerischen Blättern ist nicht korrekt (57,64 Prozent), weil der Fotograf oder die Fotografin nicht genannt werden. Angaben wie „Foto: privat“, „Foto: Polizei“, „Foto: PR“, „Foto plus Agenturnennung“ oder „Foto: Archiv“ sind an der Tagesordnung. Ebenso Sammelvermerke, bei denen unter einer Bildleiste zwar die Namen der Fotograf*innen genannt werden, diese aber nicht den einzelnen Aufnahmen eindeutig zuzuordnen sind.
Das frustriert den Fachgruppenvorsitzenden der Bildjournalist*innen im BJV, Ferdinand Dörfler-Fahrthofer, sichtlich. Die Verantwortung liege eindeutig bei der Redaktionsleitung, sie müsse den Finger in die Wunde legen und dürfe Fotos ohne korrekten Vermerk nicht zur Veröffentlichung zulassen, sagt er. Thomas Geiger, der den BJV im Verwaltungsrat der VG Bild-Kunst vertritt, nennt einen weiteren Aspekt: Mit der Nennung der Fotograf*in belege die Redaktion in Zeiten von künstlicher Intelligenz, dass ein Mensch das Foto vor Ort angefertigt habe und die veröffentlichte Aufnahme also echt ist.
Die Chefredaktion der Main-Post hat ein klares Regelwerk zum Umgang mit Fotovermerken. Darin heißt es: „Wir veröffentlichen nur Fotos mit vollständigem Fotografennamen (Vor- und Nachnamen) im Fotovermerk. Planungsdienste, Editoren und Serviceteam müssen jeden Fotovermerk auf Plausibilität und Vollständigkeit prüfen. Ist der Fotovermerk unplausibel und/oder unvollständig, recherchieren wir schriftlich (via Mail) den Urhebernamen oder werfen das Bild weg.“
04.08.2023
Auch Fotografinnen haben Namen
BJV-Check: Fast jeder zweite Bildvermerk in den bayerischen Zeitungen ist falsch
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