80 Jahre BJV
Geburtstag mit Botschaft
Bericht von
Michaela Schneider
Seit 80 Jahren erhebt der BJV seine Stimme für Pressefreiheit, faire Arbeitsbedingungen und einen starken Qualitätsjournalismus. Beim Festakt blickte man in die Geschichte und nach vorn.
Vor 80 Jahren wurde der Bayerische Journalisten-Verband aus der Taufe gehoben – Grund genug, ausgiebig zu feiern. Zum Festakt mit anschließendem Empfang hatte die Bayerische Staatskanzlei in die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München geladen – und damit an einen Ort journalistischer Tradition.
Als sie gegründet wurde, erzählte deren Präsident Daniel Sponsel dem Festpublikum, wollte man von Beginn an das Fernsehen einschließen mit seinen ureigenen Formaten. Dazu gehörten neben Unterhaltung und Kultur auch Information und Bildung. Das spiele auch 60 Jahre später, in Zeiten von Onlineplattformen und Social Media, noch eine große Rolle. Und so werden an der HFF München neben Filmstudierenden bis heute angehende Fernsehjournalist*innen ausgebildet.
Nach dem moralischen Bankrott
Der Gastgeber, Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder, sprintete in seiner Festansprache durch die Geschichte in die Gegenwart – und schaute dabei zurück bis in die Weimarer Republik, als Haltung und Handwerk keinesfalls immer getrennt wurden, sondern manches Medium Kampfformat war und versuchte, Menschen zu diskreditieren.
Es sei nach dem Krieg – und vor allem auch dem moralischen Bankrott - eine beispiellose Leistung gewesen, dass sich so viele Menschen für eine freie Presse engagierten und ein Land prägten, in dem lange Zeit völlig klar war: „Wir leben in einer unabhängigen, freien Demokratie.“
Söder: Mehr Transparenz bei Algorithmen
Die Medienlandschaft entwickelte sich stetig weiter. Social Media aber sei die mit Abstand größte Revolution im Medienwesen – und man stehe mit den täglich neuen technischen Möglichkeiten etwa durch Künstliche Intelligenz erst am Anfang. „Wir wissen noch nicht, was da kommt – übrigens auch, weil wir nicht alle Algorithmen wirklich kennen“, warnte Markus Söder – und forderte statt Verboten mehr Transparenz.
Warum? Weggebrochen sei das Informationsmonopol klassischer Medien, Nachrichten verbreiteten sich rasend schnell – und auch mit mancher kruden Idee der Glaube, die Mehrheit zu sein. Entsprechend wichtig sei die Präsenz etablierter Medien im Social-Media-Bereich als glaubwürdige Einordnungsinstanzen einerseits - und eine gesetzlich geregelte Transparenz andererseits, um auf die Verbreitung von Desinformation reagieren zu können.
„Politik und Journalismus sind zwei verschiedene Dinge“
Großer wirtschaftlicher Druck, der auf Medien laste, die Notwendigkeit, immer schneller zu arbeiten, während für ausführliche Recherche kaum noch Zeit bleibe und „eine miese Bezahlung“ ging Söder auf weitere gegenwärtige Herausforderungen ein. Und er appellierte: „Ich glaube, dass der Journalismus leidet, wenn die Kernbotschaft ist: Ich will als Journalist selbst etwas verändern.“
Man müsse sich Themen objektiv nähern. Sonst verliere Journalismus das Wichtigste, was er habe - Glaubwürdigkeit. „Politik und Journalismus sind zwei verschiedene Dinge. Die Welt zu betrachten ist das eine. Die Welt zu gestalten das andere“, appellierte der CSU-Mann in die Journalist*innenrunde.
Stocker: Lobbyorganisation für die Pressefreiheit
„Der Bayerische Journalistenverband ist seit 80 Jahren eine Gewerkschaft für die Festangestellten, ein Berufsverband für die Freien und eine Lobbyorganisation für die Pressefreiheit“, blickte BJV-Vorsitzender Harald Stocker aufs „Geburtstagskind“.
Die Gründerväter und -mütter hätten den Verband aus der Taufe gehoben in den Trümmern, die die Nazidiktatur hinterlassen hatte. Damit sei von Anfang an klar gewesen: Neben dem Kampf um faire Arbeitsbedingungen, Löhne, Honorare oder Urheberrechte sei der BJV auch eine Lobbyorganisation für die Pressefreiheit, „damit die furchtbaren Dinge, die wir vorher erlebt haben, sich nicht wiederholen.“
Von Anfang an Einsatz für die Bildung
Und er sei von Anfang an eine Organisation gewesen, die sich für die Bildung eingesetzt habe, damit sich auch die qualitativen Mängel der Weimarer Zeit nicht wiederholten. Er half, den Trägerverein der Deutschen Journalistenschule zu gründen, hob die Akademie der Bayerischen Presse mit aus der Taufe und unterstützt seit 1977 mit dem Bildungs- und Sozialwerk des BJV nicht nur Kolleg*innen in Not, sondern bietet auch Weiterbildungsmöglichkeiten an.
„Qualität in der Berichterstattung ist der Beitrag, den der Journalismus leistet in der demokratischen Infrastruktur, damit wir alle in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben können“, so Stocker wörtlich.
Beschwerde nach Münchner Pressetelefon-Urteil
Und so meldete sich der Verband immer wieder zu Wort, wenn es nötig war und ist – aktuell zum Beispiel mit einer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht, weil ein Münchner Gericht entschieden hatte, dass das Pressetelefon der „Letzten Generation“ abgehört werden darf, 171 Journalist*innen waren betroffen.
„Es muss jedem klar sein: Wenn jemand den Beichtstuhl abhört, geht keiner mehr in die Kirche zum Beichten. Und wenn jemand Journalisten abhört, kommt niemand mehr und gibt uns Informationen, die wir dringend brauchen, um unseren Auftrag zu erfüllen - nämlich das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit zufriedenzustellen“, warnte Stocker nachdrücklich.
Mehr Bilder von Festakt, Empfang und Feier, sowie zur Tombola finden Sie hier auf BJV.de:
Mehr zum Festakt, den Reden und der anschließenden Geburtstagsparty im kommenden BJVreport 03/2026. Dieser liegt Anfang August in den Briefkästen.