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Pressefoto Bayern 2025

Verlässliche Bilder in Zeiten von KI-Fakes

01.12.2025
Bericht von
Chris Schinke

Glückliche Siegerinnen und Sieger beim Pressefoto Bayern 2025. Vlnr, hinten: Moderatorin Sabine Hager, Alexander Hassenstein (Sieger Kultur), Landtagsvizepräsident Tobias Reiß, Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Gesamtsieger Matthias Schrader, Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher. Vorne: Thomas Vonier (Sieger Tagesaktualität), Bernd Feil (Sieger Sport), Anna Szilágyi (Siegerin Serie), Angelika Warmuth (Siegerin Umwelt & Energie), Marcus Schlaf (Sieger Bayern - Land und Leute).

Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) feiert im Bayerischen Landtag die Arbeit von Fotojournalistinnen und -journalisten. Pressefoto Bayern zeigt den hohen Wert von Bildjournalismus.

Jede Zeitungsredaktion weiß um die Wucht und Deutungskraft, die von Bildern ausgeht. Es gibt – nicht nur im Alltag von Journalist:innen – Momente, in denen ein Foto einfach mehr leistet als jeder Text. Zur Preisverleihung des BJV-Wettbewerbs „Pressefoto Bayern 2025“ kamen deshalb auch in diesem Jahr Pressefotografinnen und -fotografen, Jurymitglieder, Sponsoren, Landtagsabgeordnete und Gäste im Senatssaal des Maximilianeums zusammen.

Journalistische Fotos stehen für Authentizität

In einer Zeit, in der KI-generierte Fake-Fotos millionenfach verbreitet werden und selbst wie echte Bilder aus Kriegsgebieten wirken – wie Landtagsvizepräsident Tobias Reiß in seinem Grußwort betonte –, soll die diesjährige Auszeichnung eines verdeutlichen: Demokratie bedarf verlässlicher, wahrhaftiger Bilder. Und sie braucht Fotojournalistinnen und Fotojournalisten, die im entscheidenden Moment auch vor Ort sind. Eine Herausforderung in Zeiten prekärer Fotohonorare.

Reiß erinnerte an „dramatische Bilder, die um die Welt gegangen sind“: ein israelischer Jet über dem Iran, ein Kind in Gaza, ukrainische Soldaten. „Nichts davon hat sich so ereignet“, sagt er. Manipulierte oder künstlich generierte Fotos fluteten soziale Netzwerke, Desinformation sei „das Mittel der Wahl“, eingebettet in Verschwörungserzählungen und Freund-Feind-Denken. Umso wichtiger sei es, die „Hüter der visuellen Nachrichten und Meinungsbildung“ zu würdigen: Pressefotografinnen und -fotografen, deren Arbeit „konsequent der Wahrheit verpflichtet“ sei. Ihre Bilder seien echte Nachrichten, „jedes Bild ein starkes Stück Bayern“.

Dass hinter diesen Bildern oft prekäre Arbeitsbedingungen stehen, machte der BJV-Vorsitzende Harald Stocker im Interview mit Moderatorin Sabine Hager deutlich. Der Wettbewerb sei weiterentwickelt worden: digitale Einreichung statt teurer Prints, klare Ausrichtung auf journalistische Bildproduktion, Teilnahme nur noch mit dem bundeseinheitlichen Presseausweis. „Wir wollen, dass die Qualität der Bilder entscheidet, nicht der Geldbeutel“, sagt Stocker. Eine achtköpfige Jury, in der jede Person Patin oder Pate einer Kategorie ist, begründete die Entscheidungen.

Pressefotos, die Geschichten erzählen

Wie Pressefotografie Lebensmut sichtbar machen kann, zeigt die Siegerin der Kategorie Serie (Sonderpreis BayernLB), Anna Szilágyi. Die gebürtige Ungarin hat Menschen mit Multipler Sklerose beim Klettern begleitet. In „Climbing Beyond Multiple Sclerosis“ steht nicht die Krankheit im Mittelpunkt, sondern die Kraft der Gruppe. „Wir sind als Fotografen immer neugierig“, sagte die 27-jährige auf der Bühne. Die Jury lobt eine stimmige Geschichte, in der der Alltag mit MS ebenso sichtbar wird wie die Freude am Sport.

Ruhig und fast meditativ wirkt das Bild „Die höchste Instanz“ von Marcus Schlaf, ausgezeichnet in der Kategorie Bayern – Land & Leute (Sonderpreis Bayernwerk). Vor malerischer Bergkulisse steht ein Pfarrer vor der Maria-Heimsuchung-Kapelle auf der Zugspitze, im Moment des Innehaltens. „Plötzlich verzogen sich die Wolken komplett, das hatte etwas Mystisches“, erzählt Schlaf. Für ihn ist es „der zweite Preis seit meinem Sieg bei der Schülerzeitung vor 40 Jahren“ und eine Wertschätzung: „Das ist der Lohn, wenn jemand sagt: Das hast du prima gemacht.“

Appelle für Vielfalt und journalistische Ethik

Wie nahe Pressefotografie an die Zumutungen der Realität heranführt, zeigt der Gewinner der Kategorie Tagesaktualität (Sonderpreis Presse-Versorgung). Thomas Vonier erhält die Auszeichnung für sein Foto vom Anschlag bei der ver.di-Demo am Münchner Stiglmaierplatz: ein verlassener Kinderwagen im abgesperrten Bereich. „Ich war im Epizentrum der Katastrophe und habe dieses eine Foto gemacht“, sagt er. Er habe lange gezögert, überhaupt hinzugehen: „Was ich am meisten hasse, sind Gaffer. ich wollte kein Gaffer sein.“ Das Bild, erzählt er, verfolge ihn bis heute. Die Jury spricht von einem „ruhig, erschütternd starken“ Foto: „kein schönes Bild, aber ein notwendiges“.

In der Kategorie Kultur wird Alexander Hassenstein für „Bavarian Black Romeo“ ausgezeichnet (Sonderpreis Sparkassenverband Bayern): eine energiegeladene Momentaufnahme des kubanischen Tänzers Osiel Gouneo. Hassenstein durfte sich frei auf der Bühne bewegen. Das Victory-Zeichen des Tänzers, sagt er, stehe für dessen Lebensweg „aus einfachsten Verhältnissen nach oben“. Die Jury hebt die Tiefe des Bildes hervor und erinnert daran, dass Starrollen für People of Color im Kulturbetrieb noch immer deutlich unterrepräsentiert sind.

Um Klimafragen geht es gleich in zwei Arbeiten. Angelika Warmuth zeigt in „Niedrigwasser Bodensee“ (Sonderpreis Bayernwerk AG) gestrandete Boote an leeren Stegen, aufgenommen per Drohne. „Wenn das Wasser nicht da ist, schauen wir alle in die Röhre“, sagt sie. Warmuth berichtet auch, dass sie bei Einsätzen häufig die einzige Frau sei; Sexismus im Beruf sei „immer noch allgegenwärtig“ auch wenn viele Kollegen durch #MeToo über ihr Verhalten nachgedacht hätten.

Glückliche Sieger:innen - und ein Überraschungsgast

Wie Sportfotografie Emotionen konserviert, zeigt die Kategorie Sport. Bernd Feil wird für „Artistik im Fußballtor“ ausgezeichnet, ebenfalls mit einem Sonderpreis des Sparkassenverbands Bayern. Das Bild entstand bei einem der emotionalsten Fußball-Länderspiele, die Feil nach eigener Aussage je erlebt hat. Aufgenommen wurde es mit einer ferngesteuerten Hintertorkamera. „Ich hab mir gedacht: Endlich mal Glück“, sagt er. Ausgelöst wird diese Kamera fern, oft bleiben solche Remotefotos ungenutzt. Hier aber traf im entscheidenden Moment alles zusammen: eine spektakuläre Parade, Körperspannung von den Fersen bis in die Fingerspitzen. 

Den Newcomer-Award für junge Fotograf:innen unter 35 (Sonderpreis der Presse-Versorgung) erhält Maximilian Beck für seine Arbeit „Karacho Aussteiger“. Beck, Fotodesign-Student an der Hochschule München, hat eine Stockcar-Veranstaltung fotografiert, bei der Crashs ausdrücklich zum Konzept gehören. „Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und draufgehalten“, beschreibt er selbst die Entstehung. Das Siegerfoto zeigt einen Fahrer, der nach dem Rennen mit Zigarette im Mundwinkel lässig aus dem zerbeulten Wagen steigt. Die Jury spricht von einem Foto, das „einen ganzen Roman erzählt, ganz ohne Bildunterschrift“. Man sehe dem Foto das Adrenalin an, die Pose transportiere „unglaublich viel Emotion“.

Als Pressefoto Bayern des Jahres 2025 wird schließlich Matthias Schraders Bild „Lichtblick“ ausgezeichnet: Eine historische Dampflok zieht durch eine vom Borkenkäfer und von Trockenheit gezeichnete Harz-Landschaft, in der unteren Bildhälfte kämpft sich Mischwald zurück. Jury-Mitglied Lotte Reimann spricht von einer eindringlichen Verknüpfung von Ursache und Wirkung, einer „schmerzlichen Bildsprache“ für die Folgen des Klimawandels und der monokulturellen Forstwirtschaft. In einer Zeit, in der autoritäre Bewegungen versuchten, von ökologischen Sachverhalten abzulenken, gewinne dieses Motiv zusätzliche Relevanz. Es werde, so die Jury, „zu einem visuellen Erinnerungsanker für eine Landschaft im Umbruch“ und damit zu einem würdigen Pressefoto des Jahres.

Die Preisverleihung im Bayerischen Landtag erzählte jede Menge über die Spannbreite des Pressefotograf:innen-Alltags. Als Schirmherrin Ilse Aigner, die der Preisverleihung nicht bewohnen konnte, am Ende doch noch auf die Bühne tritt, betont sie, wie wichtig diese journalistische Arbeit für die demokratische Öffentlichkeit ist. Sie fügt hinzu, dass sie froh sei, „dass es bei uns in Bayern nicht so schlimm aussieht“ wie auf Schraders Harz-Foto. Der Satz klingt an diesem Tag weniger nach Entwarnung als nach einem Auftrag hinzusehen, zu dokumentieren, einzuordnen, und die Bilder für sich sprechen zu lassen.

Siegerfotos, Videos von der Preisverleihung, Infos zum Preis sowie den Ausstellungs-Katalog finden Sie hier:

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