BJVreport
Pressefoto Bayern wird digital
Interview aus dem BJVreport von
Michaela Schneider
Der BJV-Vorsitzende Harald Stocker bei der Preisverleihung von Pressefoto Bayern 2024 im bayerischen Landtag.
Neue Regularien: Harald Stocker sagt, was sich ändern soll.
Der Wettbewerb „Pressefoto Bayern“ blickt auf eine 25 Jahre lange Geschichte. Die Branche habe sich verändert, dem wolle man mit einer inhaltlichen Neuausrichtung gerecht werden, sagt BJV-Vorsitzender Harald Stocker.
Der Wettbewerb Pressefoto Bayern wird neu ausgerichtet. Was sind die Gründe?
Harald Stocker: Die Mitglieder haben uns den Auftrag mitgegeben, den Wettbewerb in einem vorgegebenen Budgetrahmen umzusetzen. In den letzten Jahren ist es nicht immer gelungen, diesen einzuhalten. Diesem Auftrag fühlen wir uns verpflichtet. Pressefoto Bayern existiert seit 25 Jahren – und hier hat sich das Team über die Jahre große Anerkennung erworben. Den Veränderungen in der Branche wollen wir nun mit einer inhaltlichen Neuausrichtung gerecht werden. Deshalb werde wir den Wettbewerb in Zukunft digital ausrichten, das entspricht der Lebenswirklichkeit. Das heißt: Pressefotograf*innen können ihre Daten künftig über eine Maske auf der Website einreichen und dort die Bilder hochladen, mit denen sie sich bewerben.
Und einreichen dürfen nur noch hauptberuflich tätige Fotograf*innen. Wie werdet Ihr die Hauptberuflichkeit überprüfen?
In der Maske auf der Webseite muss neben den persönlichen Daten die Nummer des bundeseinheitlichen Presseausweis eingegeben werden. Das heißt: Man muss nicht Mitglied im BJV sein, aber einen anerkannten Presseausweis einer der sechs ausgebenden Organisationen haben.
Anders als bisher muss ein Foto – Ausnahme die Kategorie „Newcomer“ - bereits veröffentlicht worden sein. Warum?
Etwa 80 Prozent der eingereichten Bilder in den letzten Jahren wurden nicht veröffentlicht, viele waren von minderwertiger Qualität. Früher war der Wettbewerb klar in der journalistischen Branche verankert. In den letzten Jahren haben diesen jedoch zunehmend Laien wie Leserreporter oder Mitglieder von Blaulichtorganisationen für sich entdeckt. Der BJV als Ausrichter von Pressefoto Bayern will sich der Entprofessionalisierung des Pressefotografenberufs entgegenstemmen. Zudem wurden vermehrt Bilder eingereicht, die eigentlich für den künstlerischen Bereich entstanden. Dies benachteiligt Pressefotograf*innen und Fotojournalist*innen, die unter Zeitdruck arbeiten und sich nicht so viel Zeit nehmen können wie ein Künstler. Wir wollen durch beide Neuerungen erreichen, dass der Wettbewerb der eigentlichen Zielgruppe wieder mehr entgegenkommt.
Was genau bedeutet „veröffentlicht“?
Es geht um die Veröffentlichung in einem journalistischen Medium. Das kann neben dem klassischen Abdruck zum Beispiel auch der dpa-Kanal sein, ein erkennbar journalistisch ausgerichtetes Internetportal oder ein Social-Media-Kanal mit journalistischer Handschrift.
Kritik wurde laut, dass die Qualität der eingereichten Fotos sinken könnte, weil Redaktionen häufig nicht das beste Foto veröffentlichen – oder ein kostenlose Bild dem preiswürdigen freier Pressefotograf*innen vorziehen. Was hältst Du gegen?
Wir schauten uns Tageszeitungen, Zeitschriften, aber auch Digitalportale an, die in Bayern eine Rolle spielen oder Bayern thematisieren. Drei Ebenen sind für uns wichtig: Festangestellte Fotograf*innen bei den Verlagen, Freie, die für journalistische Medien arbeiten sowie Presseagentur-Fotograf*innen. Sie sind unserer Einschätzung nach alle in den journalistischen Medien nachvollziehbar vertreten. Und veröffentlicht eine Redaktion nicht das Wunschfoto des Fotografen, ist es genau das, was den Journalismus von der Kunst unterscheidet: Es geht nicht um das schönste Motiv. Es geht darum, dass Fakten im Bild erzählt werden. Die Wettbewerbsjury schaut im Kern auf drei Bereiche: den Journalismus im Bild, dessen Gestaltung und auf das Handwerk.
Wie wird sich die Jury künftig zusammensetzen?
Wir haben eine neue Jury zusammengestellt und auch die Bewertungsmodalitäten etwas verändert. Wir wollten Vertreter*innen, die in die genannten drei Kategorien überdurchschnittliches Expertenwissen einbringen. Wir wollten Vertreter*innen, die die Bereiche Festanstellung beim Verlag, Festanstellung bei der Agentur und klassisch freischaffend abbilden. Und: Es wird keinen Juryvorsitz mehr geben. Stattdessen wird jedes Jurymitglied entsprechend seiner Kernkompetenz den Vorsitz in einer Wettbewerbskategorie übernehmen sowie hier zwei Stimmen haben. Das heißt: Wir haben acht Jurymitglieder und neun Stimmen.
Wo und in welcher Form werden Ausstellungen stattfinden?
Daran arbeite wir noch. Die Preisverleihung soll am 28. November im Bayerischen Landtag stattfinden. Auch die bewährten Ausstellungsorte sollen überwiegend weitergeführt werden. Wir wollen das Thema Ausstellungen gleichzeitig weiterentwickeln und suchen zum Beispiel Partner im Bereich der Verkehrsbetriebe, die Bildschirme in Bahnhöfen, Bussen oder Straßenbahnen betreiben. Über digitale Ausspielungswege würden wir gerne mit dem Thema nochmal eine ganz andere Klientel erreichen. Auch könnten wir uns gut vorstellen, dass etwa bei Festivals in den Pausen Pressefoto Bayern als digitales Ausstellungsprogramm läuft.
Einen gedruckten Pressefoto-Bayern-Katalog wird es in Zukunft nicht mehr geben. Warum?
Wir fragten uns, ob er noch zeitgemäß ist. Überlegungen laufen hin zu einem digitalen Katalog in der Form, dass wir die Berichterstattung auf der Website erweitern könnten um alle Bilder, die es in die Ausstellung schaffen. Zum Beispiel könnten wir mit QR-Codes arbeiten, die von der Ausstellung aus direkt zum jeweiligen Bild im digitalen Katalog führen. Auch daran arbeiten wir noch, wie die schlussendliche Lösung aussehen wird, kann ich Dir noch nicht sagen.
Dieses Interview erschien zuerst im BJVreport 03/2025
Pressefoto Bayern: Jetzt einreichen!