Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Markenbildung und viele Social-Posts
Artikel von
Wolfgang Heilig-Achneck
Inhaber Marco Walz erklärt den BJV-Kollegen die Technik des 90 Jahre alten Nostalgie-Karussells "Walzerfahrt", das zum Volksfest-Jubiläum in Nürnberg gastiert.
Eine Gruppe des BJV erfährt, wie Schausteller darum ringen, das Nürnberger Volksfest attraktiv zu halten.
Lange, bunte Fahnen wehen rund um den dicken Stadtmauerturm beim Nürnberger Hauptbahnhof, die Straßenbahnen rollen zum Jubiläum geschmückt mit Wimpeln durch die Stadt, und was es zu feiern gibt, zeigen große Plakate: 200 Jahre Herbstvolksfest im Herzen der Frankenmetropole.
Da drängt sich ein Besuch geradezu auf: Nur allzu gerne ließen sich Mitglieder der Fachgruppe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, des Bezirksverbandes Franken-Nordbayern und der Fachgruppe Bild des BJV, auch diesmal vermittelt von Volker Figura, zu einer Backstage-Tour zu Buden und Fahrgeschäften einladen. Auch um zu erkunden, wie sich das Nürnberger Fest vor der Kulisse der Kongresshalle auf dem einstigen NS-Reichsparteitagsgelände behauptet gegenüber dem Branchen-Riesen, also der Münchner Wiesn, aber auch gegenüber den gerade in Franken beliebten Traditions-Kirchweihen, sei es in Bamberg, Fürth oder Erlangen.
Volksfest Nürnberg: 200 Jahre Geschichte – zwei Millionen Gäste
Als Ursprung des Herbstvolksfestes gilt eine Volksbelustigung, die 1826 auch als Huldigung für den Bayernkönig Ludwig I angelegt war. Schon damals ging es auch um Politik: Der Wittelsbacher wollte gerne auch als Landesvater der Nürnberger und Franken wahrgenommen werden. Heute mögen alte Animositäten und Sticheleien zwischen Franken und (Alt-)Bayern zwar gelegentlich noch aufpoppen, aber ihre Volksfeste feiern die Nürnberger, ohne groß nach München zu schielen.
Den Vergleich brauchen die Franken aber nicht zu scheuen, meint Lorenz Kalb, der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbands, der das Volksfest Nürnberg im Auftrag der Stadt Nürnberg veranstaltet: Mit rund 170 Betrieben auf dem Platz sei das Nürnberger Herbstvolksfest – nach der Wiesn – das zweitgrößte in Bayern. Ähnliches gelte für die Besucherzahlen: Rund zwei Millionen sind es in Nürnberg, in München zwar dreimal so viele, davon aber zwei Drittel Touristen. Das heißt: „Unterm Strich kommen jeweils etwa gleich viele einheimische Gäste – und das ist für uns das A und O“, so Kalb. Dabei setzen die Nürnberger gezielt und bewusst auf Familien als Hauptzielgruppe, weniger auf Eventtouristen. Und sind stolz auf viele Innovationen und Extras, die Schule gemacht haben, von Aktionen und Themenabenden über Familientage mit halben Preisen bis zum Aufwand für Sauberkeit und Sicherheit.
Darauf setzt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Bayerns zweitgrößtes Volksfest
All das will kommuniziert werden – auf den klassischen Kanälen wie intensiv auch in den Sozialen Medien. „Außenwerbung mit Großplakaten in der gesamten Metropolregion hat für uns nach wie vor zentrale Bedeutung“, erläutert Jürgen Putzer, der Geschäftsführer des Schaustellerverbands. „Und zwar vor allem für die Bekanntheit und damit die Markenbildung.“ Und damit nicht nur zu Jubiläen. Das habe erst in jüngster Zeit eine Erhebung bestätigt. Daneben werde auch weiterhin Werbung in den tagesaktuellen Printmedien und diversen Magazinen geschaltet. „Auf diesen Wegen wahrgenommen zu werden, gehört nicht zuletzt zu unserer Lobbyarbeit“, so Putzer weiter.
Das breite Publikum informiert sich indes längst weitgehend online darüber, was gerade jeweils auf dem Volksfest geboten ist. Und so spielt Social Media inzwischen eine überragende Rolle, Tendenz weiter zunehmend. Darum kümmert sich inzwischen eine eigene Social-Media-Mitarbeiterin in Vollzeit, Michaela Schott, unterstützt von den anderen MitarbeiterInnen beim Schaustellerverband, nicht zuletzt der Nürnberger Volksfestkönigin Lorena Hofmann. Einen festen Takt oder Rhythmus für die Posts gebe es indes nicht, erläutert Peter Budig, der für die klassische Pressearbeit und Kontaktpflege zu den Medien zuständig ist.
Social Media für das Volksfest Nürnberg: Millionenreichweite – und hoher Moderationsaufwand
Bespielt werden Instagram, Facebook und Tiktok - mit wichtigen Hinweisen, vor allem aber hübschen Szenen, Kuriosem, Lustigem und Anregendem. Die Häufigkeit richte sich nach Anlässen und Resonanz, im Schnitt gibt es täglich gut ein halbes Dutzend Posts. Auf den Social-Media-Kanälen registrierten die Schausteller bisher rund 6 Millionen Aufrufe - natürlich ist man damit sehr zufrieden. Größte Herausforderung ist dabei die permanente Überwachung der Kanäle. „Wir müssen leider immer wieder eingreifen und Reaktionen löschen, weil da so viel aufploppt, was einfach nicht akzeptabel ist“, bedauert Putzer. Trauriger Gipfel bisher: Rund eine halbe Million Mal wurde ein kleines Video aufgerufen, das zwei dafür engagierte Darstellerinnen auf einer Entdeckungstour zeigt. Doch nach teils unsäglichen Kommentaren musste es abgeschaltet werden.
Die Standgebühren sind natürlich gestaffelt nach Größe des Geschäfts, aber auch nach Branchen und Einkommensmöglichkeiten: „Ein High-Tech-Gerät kostet zwar mehr, hat aber auch eine ganz andere Kapazität als beispielsweise ein Karussell“, erklärt Putzer. Im Detail will sich der Verband, der offiziell auch Veranstalter ist (und nicht die Kommune), allerdings nicht in die Karten schauen lassen. Nur so viel: Natürlich sei der Platz in Nürnberger günstiger als die Wiesn – ähnlich wie es auch beim Bierpreis der Fall sei.