BJVreport
Zwischen Sparzwang und Aufbruch
Artikel aus dem BJVreport von
Johannes Michel
Der geschäftsführende Vorstand (von links): BJV-Vorsitzender Harald Stocker, sein Stellvertreter Max Muth, die frisch gewählte Schriftführerin Beke Maisch, Schatzmeister Jürgen Schleifer und die stellvertretende Vorsitzende Andrea Roth.
Die Mitgliederversammlung des Bayerischen Journalisten-Verbands diskutiert über Defizite, die Zukunft des BJVreport und den Weg der Verbandskommunikation.
Die wirtschaftliche Zukunft des Verbands und die Frage, wie der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) seine Mitglieder künftig erreicht, waren die großen Themen bei der Mitgliederversammlung 2026 im Gebäude der Münchner Geschäftsstelle. Der Verband steht vor der Herausforderung, sinkende Einnahmen und weiterhin rückläufige Mitgliederzahlen mit seinem Anspruch zu vereinbaren, auch künftig eine starke Interessenvertretung zu sein und hochwertige journalistische Angebote bereitzustellen.
Defizit höher als geplant
Der Landesvorsitzende Harald Stocker erinnerte vorneweg im Geschäftsbericht an den langwierigen Tarifkonflikt bei den Tageszeitungen, der sich über sieben Monate hingezogen habe. Dank des großen Engagements vieler Kolleginnen und Kollegen in den Bezirken sei der Arbeitskampf erfolgreich organisiert worden. Auch bei den laufenden Tarifauseinandersetzungen im Bayerischen Rundfunk habe die Tarifkommissionen erneut hervorragende Arbeit geleistet. Als Beispiele erfolgreicher Verbandsarbeit nannte Stocker das Newcomer-Camp „Press Ahead“, den Rainer-Reichert-Preis, die Auszeichnung „Journalist des Jahres“, den Wettbewerb „Pressefoto Bayern“, den FREItag der Freien sowie die Teilnahme des BJV am Christopher Street Day. Am Vorabend hatte der BJV gemeinsam mit zahlreichen Gästen sein 80-jähriges Bestehen gefeiert. Stocker dankte den Organisatorinnen und Organisatoren sowie den zahlreichen Unterstützern, die zum Gelingen beigetragen hatten.
Weniger erfreulich fiel der Bericht von Schatzmeister Jürgen Schleifer aus. Das Jahr 2025 sei finanziell deutlich schwieriger verlaufen als ursprünglich kalkuliert. Zwar habe der Verband den Mitgliederschwund verlangsamen können, dennoch sank die Mitgliederzahl weiter auf aktuell 5475. Positiv bewertete Schleifer den Umzug der Geschäftsstelle. Dieser spare dem Verband monatlich rund 5000 Euro an Mietkosten. Trotz bereits genehmigter Rücklagenentnahmen musste der BJV dennoch stärker auf seine Reserven zurückgreifen als ursprünglich vorgesehen. Statt der geplanten 119 000 Euro wurden letztlich rund 160 000 Euro entnommen. Nach einer kurzen Aussprache, in der unter anderem die Neuausrichtung des Wettbewerbs „Pressefoto Bayern“ kontrovers diskutiert wurde, entlasteten die Mitglieder den Vorstand einstimmig.
Beim Haushaltsvoranschlag für 2027 sprach Schatzmeister Schleifer von „vorsichtigem Optimismus“. Zwar rechne der Verband weiterhin mit sinkenden Mitgliederzahlen und rückläufigen Einnahmen, dennoch solle der eingeschlagene Konsolidierungskurs fortgesetzt werden. Die anschließende Diskussion zeigte jedoch, dass insbesondere die Zukunft des BJVreport, dessen Finanzen im Etat eine wesentliche Rolle spielen, viele Mitglieder beschäftigte. Einige warnten, die gedruckte Ausgabe aufzugeben, auch, weil das Magazin eine wichtige Visitenkarte gegenüber Politik, Hochschulen und Partnern sei.
Harald Stocker erklärte dazu, dass sich die Diskussion nicht gegen journalistische Inhalte richte. Vielmehr gehe es darum, künftig schneller auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können und gleichzeitig erhebliche Druck- und Versandkosten einzusparen. Insgesamt stünden künftig rund 100 000 Euro für journalistische Inhalte und die Verbandskommunikation zur Verfügung (bisher waren es 141.000 Euro) – unabhängig davon, auf welchem Weg diese verbreitet würden. Schließlich stimmte die Mitgliederversammlung dem Haushaltsplan mit deutlicher Mehrheit zu. 56 Mitglieder votierten dafür, sechs dagegen, neun enthielten sich.
Mit großer Zustimmung bestätigten die Mitglieder anschließend Beke Maisch als Schriftführerin, nachdem Fraua Ferlemann ihr Amt vor einigen Wochen niedergelegt hatte. Ebenfalls ohne Diskussion wurden die Delegierten für den DJV-Verbandstag gewählt sowie das Verbandsgericht neu besetzt. Zu Ehrenmitgliedern ernannte die Versammlung Klaus Reindl, Wolfgang Grebenhof und Thomas Geiger. Alle drei wurden für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement und ihre Verdienste um den BJV ausgezeichnet.
Zukunft der Verbandskommunikation
Vor großen Entscheidungen stand die Mitgliederversammlung anschließend bei den satzungsändernden Anträgen. Der geschäftsführende Vorstand hatte vorgeschlagen, die ordentliche Mitgliederversammlung künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Begründet wurde dies mit den hohen Kosten sowie dem erheblichen organisatorischen Aufwand für die Geschäftsstelle. Gleichzeitig sollte damit der Rhythmus an den bereits geänderten Turnus des DJV-Verbandstags angepasst werden. Bei der Abstimmung fand der Antrag zwar eine knappe Mehrheit, doch wurde die für eine Satzungsänderung erforderliche Zweidrittelmehrheit verfehlt. Damit bleibt es bei jährlichen Mitgliederversammlungen. Auch ein weiterer Satzungsantrag, mit dem Ulf Froitzheim und weitere Antragsteller*innen eine Änderung des im vergangenen Jahr beschlossenen erweiterten Landesvorstands erreichen wollten, fand keine Mehrheit.
Den längsten und emotionalsten Tagesordnungspunkt bildete schließlich die Diskussion über die künftige Verbandskommunikation. Ausgangspunkt war der Antrag des geschäftsführenden Vorstands, den BJVreport ab 2027 grundlegend neu auszurichten. Künftig sollten die Inhalte demnach statt im fünf Mal pro Jahr erscheinenden Magazin digital veröffentlicht werden – über Website, Newsletter sowie soziale Medien und perspektivisch auch Audio- und Videoformate. Ergänzt werden sollte dies um ein hochwertiges gedrucktes Jahresmagazin. Hintergrund: die stark gestiegenen Produk-
tions- und Versandkosten der bisherigen fünf Printausgaben sowie die Notwendigkeit, die digitale Präsenz des Verbands deutlich auszubauen.
Der stellvertretende Vorsitzende Max Muth stellte das Konzept vor, an dem eine Arbeitsgruppe in mehreren Sitzungen gearbeitet hatte. Dass sich am Handlungsbedarf kaum jemand störte, zeigte die anschließende Diskussion. Selbst Kritiker räumten ein, dass die Analyse der finanziellen und kommunikativen Probleme weitgehend zutreffe. Kontrovers diskutiert wurde jedoch der vorgeschlagene Weg. Ein Abschied von der etablierten Printausgabe stieß bei vielen Mitgliedern auf Ablehnung. In der Abstimmung verfehlte der Antrag schließlich eine Mehrheit. 28 Mitglieder stimmten dafür, 32 dagegen, vier enthielten sich.
Anschließend entschied die Mitgliederversammlung über einen von Ulf Froitzheim eingebrachten Änderungsantrag. Dieser sieht keinen grundsätzlichen Stopp der geplanten Modernisierung vor, sondern einen schrittweisen Übergang, bei dem die gedruckte Ausgabe zunächst erhalten bleibt und parallel die digitalen Angebote aufgebaut werden. Nach einer knappen Abstimmung erhielt dieser Änderungsantrag die notwendige Mehrheit und wurde angenommen.
Weil kurz vor Versammlungsende ein Antrag des Bezirksverbands Niederbayern – Oberpfalz mit 88 Prozent abgelehnt wurde, der die Möglichkeit eingeräumt hätte, als Bezirksverband künftig eine eigene Kasse zu führen mit einer jährlich festen Zuwendung vom Landesverband, verkündete der Vorstand des Bezirksverbands geschlossen seinen Rücktritt. Einen weiteren Antrag, künftig auch journalistisch arbeitende Blogger und Influencer in den BJV aufzunehmen, zog er zurück.
Mehr Bilder von der BJV Mitgliederversammlung 2026 und alle Entscheidungen finden Sie hier:
BJV Mitgliederversammlung 2026
Dieser Artikel erscheint im BJVreport 03/2026 Anfang August.