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Björn Stephan bei der Preisverleihung
Foto: Martin Moser

Aktuell

Stegmann-Preis 2014: Berührende Nähe

Helmut-Stegmann-Preis für den jungen Reporter Björn Stephan

München, 09.11.2014

Eine ganz neue Erfahrung war’s für Björn Stephan, den eigenen Text professionell vorgelesen zu hören. Die Ehre widerfuhr dem jungen Journalisten der Hamburger Henri-Nannen-Schule bei der Verleihung des Helmut-Stegmann-Preises 2014 für seine ausgezeichnete Reportage im ZEITMagazin „Noch'n Käffchen“ im Münchner Pressehaus Bayerstraße.

Wo Journalismus aufhört und Literatur beginnt
Die Lesung von Steffen Jenter von BR 5 aktuell machte rasch deutlich, was Laudatorin Bettina Bäumlisberger mit der „großen Sogwirkung“ meinte, die diese Preisträgerreportage über eine wunderbare Freundschaft des jungen Mannes mit einer lebensklugen alten Dame aus Berliner Bürgertum entfalte. Mit Empathie, Betroffenheit und „einer Nähe, die berührt“, porträtiere er die 81-jährige Alice, indem er beschreibende Passagen kombiniert mit längeren Interviews.

Streckenweise lese sich sein Text wie ein Brief, dann wieder beherzige er mustergültig den Reporter-Ratschlag „show, don’t tell“. In der Sicht der Chefredakteurin des Münchner Merkur reicht diese Reportage „an die Grenze, wo Journalismus aufhört und Literatur anfängt“. „Es ging mir gar nicht so leicht von der Hand“, verriet der Preisträger selbst. Bei der Niederschrift der vielen Begegnungen und Gespräche mit Alice half es ihm, mit den Erzählformen zu spielen. Alice war die erste Leserin der Reportage. „Ja, is jut“, hat sie am Schluss gesagt.

Der Helmut-Stegmann-Preis, benannt nach dem langjährigen Chefredakteur der Münchner tz, würdigt seit 1999 herausragende Arbeiten junger Journalistinnen und Journalisten. Seit 2010 wird der Preis vom Bayerischen Journalisten-Verband mit 5000 Euro dotiert. BJV-Geschäftsführerin Jutta Müller gestand bei der Übergabe, Björn Stephans Reportage habe sie „unglaublich bewegt“. Beim Lesen habe man das Gefühl, selbst bei dem Gespräch mit dieser alten Dame dabei zu sein.

Starkes Zeichen für Journalistenausbildung
Mercedes Riederer, die Vorsitzende des Förderkreises der Deutschen Journalistenschule e.V., der den Rahmen der Preisverleihung gab, hielt es für ein starkes Zeichen, dass der Helmut-Stegmann-Preis just zu dem Zeitpunkt, da der Verlag Gruner + Jahr den eigenen Henri-Nannen-Preis aus Spargründen aussetzt, zum zweiten Mal in Folge an Schüler der Henri-Nannen-Schule ging.

Björn Stephan ist in Schwerin aufgewachsen. Zum Zivildienst kam er nach Berlin und studierte dort an der Humboldt-Universität Geschichte, nebenher war er Polizeireporter und Kolumnist beim Tagesspiegel. Als Entwicklungshelfer in Ghana verfasste er auch Reisereportagen. 2013 nahm ihn die Henri-Nannen-Schule auf. Kira Brück interviewte Stephan nach der Preisverleihung.

Alois Knoller

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