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(v.l.n.r.) FREItag-Organisatorin Judith Reitstätter, Franz C. Bauer, Arno Miller, Freienvertreter und Mitorganisator, und Martin Semmler
Foto: dewi

Freie Journalisten

FREItag in Wien: A bisserl anders

In Wien beteiligen sich auch Verleger und Feste am Netzwerktag der Freien

Wien, München, 14.04.2016

Es war ein Glücksfall für Österreichs und Bayerns freie Journalisten, dass Arno Miller, freier Journalist in Vorarlberg, 2014 am BJV-FREItag in Nürnberg teilgenommen hat.

Angetan vom Workshop- und Netzwerktag der BJV-Freien exportierte er Namen und Konzept der Tagung nach Wien, wo am 8. April nun der erste österreichische FREItag stattfand.

Veranstalter war die Journalistengewerkschaft in der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus und Papier), mit 270.000 Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). In ihr sind etwa 2500 Journalistinnen und Journalisten organisiert. 20 bis 25 Prozent davon sind Freie.

Überleben mit 300 Euro Umsatz
In ihrem informativen Impulsreferat zum Thema „(Über)Leben als freie Journalistin“ schilderte Heike Hausensteiner, wie sie auch schon Monate mit 300 Euro Umsatz bestreiten musste. So kursierte die Rede vom „Prekariat der Freien“ in den Gesprächen und Workshops des ersten österreichischen FREItags.

Unabhängiger Journalismus in Gefahr
„Es geht schlicht darum, dass es möglich sein muss, von diesem Beruf leben zu können, wenn jemand hauptberuflich journalistisch tätig ist“, erklärte etwa FREItag-Mitorganisator Arno Miller. „Derzeit ist das nicht für alle KollegInnen möglich. Das ist untragbar.“

Durch diese Zustände könne die Unabhängigkeit der Berichterstattung unter Druck geraten, zumal JournalistInnen gezwungenermaßen auf andere Einnahmequellen, sehr oft als Werbetexter oder PR-Berater ausweichen müssten. „Es geht um die Unabhängigkeit des Berufsstandes“, betonte Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp.

Feste geben Tipps und Einblicke
Die Workshops beschäftigten sich mit der Vermittlung von Grundlagen wie Einkommenskalkulation, Sozialversicherung, Vertragsgestaltung, Steuer und Medienrecht. Fachliche Fortbildungseinheiten wie Fotografie und Storytelling waren noch in der Minderzahl, wurden jedoch von den rund 40 Teilnehmern besucht.

Im Vergleich zu den BJV-FREItagen fiel zum einen auf, dass sich feste KollegInnen wie Michael Lohmeyer, Betriebsratsvorsitzender Die Presse, und Alice Rienesl, Redakteurin beim Wirtschaftsverlag, als Workshop-ReferentInnen zur Verfügung stellten und sowohl Einblicke in die Entscheidungsfindung der Redaktion bei der Auftragsvergabe gewährten, wie auch Tipps gaben, wo es noch Aufträge zu akquirieren gäbe.

Zeitungsverleger stellen sich der Diskussion
Zum anderen gestaltetet sich der Workshop-Tag auch politischer als der des BJV. Den Abschluss bildete hier nicht ein gemütliches Get-Together, sondern eine Podiumsdiskussion mit vier Gewerkschaftsvertretern sowie Gerald Grünberger, Verbandsgeschäftsführer des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ).

Die freie Journalistin Alexia Weiss stellte klar, dass bei dem hohen Anteil von Agenturmeldungen oft die Beiträge der Freien die Zeitungen überhaupt noch unterscheidbar machten. Die ganze Podiumsdiskussion gibt es zum Nachschauen unter www.gpa-djp.at/Freitag.

Und weil man schon den Zeitungsverbands-Geschäftsführer als Gast dabei hatte, wurde auch noch flugs eine Resolution aufgesetzt, in der die Freien fordern, dass „die Mindest-Honorarsätze in den kommenden Tarifverhandlungen auf ein Niveau angehoben werden, die es JournalistInnen, die in diesem Beruf hauptberuflich, aber ohne Anstellung tätig sind, ermöglicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.“ Sie wurde vom Plenum verabschiedet und Grünberger für seine Mitgliedsverlage gleich mit auf den Weg gegeben.

Der nächste BJV-FREItag findet am 7. Oktober 2016 in Nürnberg statt, das Programm erscheint in den nächsten Wochen. Termine und weitere Aktionen zu unserem „Jahr der Freien“ finden Sie auf der BJV-Website.

Martin Semmler

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