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Manfred Weber im Taschenformat
Foto: Jan Staiger

Pressefoto Bayern 2019

„Eine Welt ohne Pressefotografen wäre eine traurigere Welt“

Mit dem 24-jährigen Jan Staiger gewinnt bei Pressefoto Bayern 2019 der bisher jüngste Preisträger in der 20-jährigen Geschichte des BJV-Wettbewerbs

München, 04.12.2019

„Manfred Weber“ lautet der Titel des Pressefotos Bayern 2019 – und zeigt den einstigen Spitzenkandidaten der EVP-Fraktion im wahrsten Wortsinn im Taschenformat. Ausgezeichnet wurden bei der Preisverleihung im Bayerischen Landtag zudem Bayerns beste Pressefotos in sieben weiteren Kategorien.

1200 Bilder wurden heuer eingereicht und von der Jury um deren Vorsitzenden Eberhard Hess gesichtet. Ein Rekordergebnis. Zur Seite stand Hess bei der Preisverleihung als Moderatorin die Hofer Hörfunkjournalistin Sabine Prokscha.

19.000 Fotos in zwei Jahrzehnten
Schirmherrin und Landtagspräsidentin Ilse Aigner gratulierte zunächst einmal zum Jubiläum, denn der vom BJV ausgelobte Wettbewerb feierte heuer seinen 20. Geburtstag. Gut 19.000 Fotos wurden in zwei Jahrzehnten eingereicht und von der Jury in 840 Stunden begutachtet, erfuhren die Landtagsgäste am Rande der Preisverleihung.

Die Ausstellung machte über die Jahre nicht nur in etlichen bayerischen Städten Station, sondern auch in Berlin, Brüssel und Fulda. Und: In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut tourte sie zudem durch verschiedene italienische Städte.

Fotos hinterließen tiefe Eindrücke. Auch ohne Text seien Fotos „Geschichten in sich“, betonte Schirmherrin Aigner und bezeichnete Pressefotografen als „Chronisten der Zeit“. Ihre Verantwortung sei heute besonders groß, auch weil in der digitalen Fotografie Manipulation möglich sei.

Eklatante Bedrohungen von außen
BJV-Vorsitzender Michael Busch machte neben der geringen finanziellen Wertschätzung, die Pressefotografen allzu oft erfahren: „Es gibt hier in Bayern Medienunternehmen, die dem Fotografen 3,57 Euro für ein Foto bezahlen.“ (siehe hierzu auch die Aktion „Schätzen Sie den Bildjournalismus?“), auf eklatante Bedrohungen von außen aufmerksam: „Fotografen müssen sich gegen Angriffe von rechtsextremen Gruppierungen und Sympathisanten ebenso wehren, wie von angeblich demokratisch legitimierten Parteien, die sich dabei auch noch auf das Grundgesetz berufen – auf ihr Demonstrationsrecht – und die freie Meinungsäußerung.“

Eine Welt ohne Pressefotografen wäre nicht nur eine traurigere Welt, sie wäre vor allem eine farblosere Welt und eine Welt ohne Geschichten, erinnerte Busch – und mahnte an, für Meinungsfreiheit, für die Einhaltung der Grundrechte und erst recht für die Ausübung der Pressefreiheit aufzustehen und den Fotografen zur Seite zu stehen.

Was die Gewinner zur Bildentstehung erzählten
Zu den Gewinnern: Für den Fotografen, Jan Staiger war es der erste größere freie Auftrag überhaupt, als er mit Kollegen der Süddeutschen Zeitung den Politiker Manfred Weber auf Wahlkampftour durch mehrere Länder begleitete.

Mit 24 Jahren ist er der jüngste Gewinner des „Pressefoto Bayern“ in der Geschichte des 20-jährigen Wettbewerbs. Mit dem Gesamtsieg gerechnet hatte er nicht, selbst nach der Einladung zur Preisverleihung. Denn eingereicht hatte Jan Staiger seine „Manfred Weber“-Fotoserie eigentlich in der Kategorie Newcomer. Seit Februar 2016 studiert der gebürtige Nürnberger Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover. (Ein ausführliches Interview mit Jan Staiger über die Bildentstehung folgt im kommenden BJVreport.)

Ausgezeichnet wurden zudem Preisträger in sieben Kategorien. Als „geradezu klassische anmutende Reportage“ erlebte die Jury in der Kategorie Serie „Die Kickboxerin“ von Alexander Hassenstein. Wie der Erdinger Fotograf erzählte entstand sie – vom Landtag aus betrachtet – „gleich um die Ecke“, nämlich im Circus Krone und handelt von der 32-jährigen Kickboxerin Marie Lang. „Warum in Schwarzweiß?“, wollte Juryvorsitzender Eberhard Hess wissen. In der Zeit des großen Boxbooms Anfang der 1990er Jahre hätten Sportfotografen alles in Schwarz-Weiß fotografiert. Ihm sei es ein Bedürfnis gewesen, das wieder zu tun, sagte Hassenstein und fügte an: „Ich denke, das hat die Dirty-Atmosphäre gut rübergebracht.“

Der Fotograf durfte später noch ein zweites Mal das Preistreppchen besteigen: In der Kategorie Sport gewann er mit seinem Bild „Biathleten ganz oben“. Bei der Weltmeisterschaft im schwedischen Östersund hatte er die Sportler aus ungewöhnlicher Perspektive fotografiert, die Jury erlebte die Aufnahme als „filigranes Marionettenspiel“. Darüber wollte Hassenstein allerdings kein Wort verlieren, sondern nutzte seinen zweiten Bühnenauftritt, um sich an die Organisatoren und Unterstützer des Wettbewerbs Pressefoto Bayern – BJV, Sponsoren und Landtag – zu wenden. „So etwas, was sie anbieten, kenne ich sonst nicht“, sagte er, und weiter: „Ich weiß es auch von meinen Kollegen: Jeder möchte hier sein.“

Den Sieg in der Kategorie „Bayern Land & Leute“ holte heuer der Münchner Sebastian Beck, Leiter der Bayernredaktion der Süddeutschen Zeitung. Sein Bild „Zuflucht auf dem Lande“ zeigt Alpha Mansary aus Sierra Leone im traditionellen Nördlinger Wirtshaus Sixenbräu. Das Bild breche das Klischee vom Stammtisch als Inkarnation bayerischer Eigenbrötelei auf wunderbare, auch ironische Weise, urteilte die Jury. Für den jungen Mann, der in seiner Heimat und während der Flucht ganz Schreckliches erlebt hatte, sei die Wirtschaft eine Art Zufluchtsort. Er liebe sie gerade, weil sie so traditionell sei, erzählte der Fotograf.

In der Kategorie „Tagesaktualität“ gewann heuer Stefan Rossmann aus Ebersberg mit der Fotografie „Cool Kids“. Entstanden war die Aufnahme für den Münchner Merkur bei einer Fridays-for-Future-Demonstration in Grafing bei München. Scheint fast, als sei Schwarzweiß-Fotografie wieder im Kommen, denn auch Rossmanns Bild lebt durch seine Konzentration aufs der Farbe entzogene Motiv: „Die Häuser waren bunt, alles war bunt. Die Gesichter kamen gar nicht mehr zur Geltung. Ich hatte den Eindruck, das wirkt in Schwarzweiß besser“, gab der Ebersberger Fotograf Einblick in seine Arbeit.

Mit Drohne fotografiert hatte der Kaufbeurer Bildjournalist Karl-Josef Hildenbrand, als in Rot gekleidete Anhänger der Bürgerinitiative „Rettet den Grünten!“ am Berg demonstrierten. Sein Bild „Kettenreaktion“ siegte in der Kategorie „Umwelt und Energie“. Manchmal sei der Einsatz einer Drohne ganz sinnvoll und biete die Chance zu neuen Perspektiven, erklärte Hildenbrand auf Nachfrage. Allerdings taugen Drohnen wohl eher auf dem Land. In der Stadt sind die Vorschriften, was deren Einsatz angeht, viel zu streng. So zumindest empfindet es der Ostallgäuer Pressefotograf.

Eine berührende Geschichte steht hinter der Aufnahme „Highway to Helle“, mit der Matthias Hoch, Cheffotograf der Mediengruppe Oberfranken in Bamberg den Sieg in der Kategorie Kultur holte. Der schwer kranke und blinde Helge, genannt Helle, hatte sich sehnlichst einen Besuch beim Open-Air-Festival in Wacken gewünscht. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) verwirklichte dies – und Matthias Hoch begleitete Helle und das ASB-Team. Es gelang ihm, den einen Moment festzuhalten, der Helle unglaublich glücklich machte. „Er durfte einmal das Crowdsurfing spüren“, erzählte Matthias Hoch und gestand: Auch er habe mehrfach selbst einen Klos im Hals gehabt bei Entstehung dieser „unglaublich bewegenden Reportage“.

In der Kategorie Newcomer Award schließlich gewann der Würzburger Student Jonathan Ziegler für seine Serie über einen Orgelbauer, die „interessant aufgebaut und gut durchkombiniert sei“, wie es im Juryurteil heißt. Wie er bei der Preisverleihung erzählte, sei der Orgelbauer sein Mitbewohner und mit unglaublich viel Begeisterung für seine Arbeit dabei. „Diese Faszination wollte ich festhalten“, erzählte Ziegler. Juryvorsitzender Hess verwies noch einmal auf das unheimlich stimmige Licht in der Fotoreportage.

Michaela Schneider

Weitere Informationen zu Pressefoto Bayern 2019
Alle Bilder (auch zum Download für redaktionelle Zwecke), einen PDF- und einen blätterbaren Katalog und die Ausstellungstermine finden Sie unter bjv.de/pressefoto19.

Nachtrag 05.12.2019, 10:30 Uhr, Reaktion von Manfred Weber bei Facebook
Manfred Weber nahm die für ihn überraschende Hervorhebung bei unserem Wettbewerb übrigens sportlich, bei Facebook schrieb der CSU-Politiker am Donnerstagvormittag: „Herzlichen Glückwunsch an Jan A. Steiger zum „Pressefoto Bayern 2019“ – Ich lasse mich ja ungern in Schubladen oder gar Taschen stecken, aber in diesem Fall ist Widerspruch wohl zwecklos“.

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