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„Der FREItag fördert nicht das Jammern, sondern Qualität“, sagte BJV-Vorsitzender Michael Busch zur Begrüßung
Foto: Michaela Schneider

Fachgruppe Freie

„Der FREItag fördert nicht das Jammern, sondern Qualität“

Hohe Resonanz auf Workshop-Tag für Bayerns freie Journalisten: Im Vergleich zum Vorjahr doppelte so viele Teilnehmer*innen 2019

München, 13.10.2019

Er sei seit 1999 eine Erfolgsgeschichte – der FREItag für freie Journalisten, begrüßte BJV-Vorsitzender Michael Busch die diesjährigen Teilnehmer in den Räumen des MedienNetzwerks Bayern im Werksviertel im Münchner Osten. Und der Verbandschef sagte zu, dass die Existenzberechtigung des FREItags nach dem Erfolg 2019 nicht in Frage gestellt werde: Im Vergleich zum Vorjahr hatte sich die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 80 verdoppelt. „Der FREItag fördert nicht das Jammern, sondern Qualität.“ Er befähige, sich als Freier auf dem Markt zu behaupten, sagte Busch.

Motto „Sprechen. Sehen. Schreiben“
Die diesjährigen Workshops – acht verschiedene an der Zahl, aus denen sich jeder Teilnehmer vier aussuchen konnte – standen unter dem Motto „Sprechen. Sehen. Schreiben. Mit mehr Qualität erfolgreicher werden“.

Organisiert hatte den Workshop-Tag wie jedes Jahr das Vorstandsteam der Fachgruppe Freie im BJV. Die „kuscheligen Verhältnisse“ in den Räumen des MedienNetzwerks Bayern nahmen die Teilnehmer*innen, wie von Vorstandsmitglied Marion Trutter empfohlen, mit Humor – und nutzten die Nähe zu den Kollegen fürs eifrige Netzwerken.

Podcasts: „Die Leute ‚spulen‘ nicht zurück“
Einen Podcast-Crashkurs startete die Hamburgerin Britta Freith. Ursprünglich Hörfunkjournalistin konzeptioniert und erstellt sie heute für Auftraggeber unter anderem Internet-Auftritte, Social-Media-Präsenzen, Animationen und Erklärfilme, Trailer, Radiowerbung – und seit einiger Zeit auch Podcasts.

„Ich bin keine Podcasterin, ich liefere Podcasts zu“, sagte sie. Bewusst machen müsse man sich, für welche Zielgruppe man produziere. „Ein Medizinpodcast für Ärzte braucht eine andere Sprache als für Laien“, erklärte die Hamburgerin. So oder so: Sprache in Audioformaten müsse verständlich, klar und redundant sein. „Die Leute ‚spulen‘ nicht zurück“, wusste die Expertin.

Sie machte unter anderem deutlich, wie wichtig die „Verpackung“ sei. Freith empfiehlt „einen Sound, den man wiedererkennt“ – und rät deshalb auch von kostenfreien Angeboten eher ab. Die Gefahr sei zu groß, dass diese viele verwendeten. Ihr Tipp: „Entweder ganz simpel halten und selbst produzieren, das kann ein Gong oder Papierrascheln sein. Oder ein bisschen Geld in die Hand nehmen.“

Etwas Geld in die Hand nehmen sollte man zudem für die Ausstattung: „Die besten Freunde beim Podcasting sind geschlossene Kopfhörer.“ Wer mit dem Handy aufnehme, brauche eine große Speicherkarte. Beim Mikrofon empfiehlt die Expertin, sich beraten zu lassen. Königsstandard für Aufnahmen sei eine mit Schaumstoff ausgekleidete Kabine, doch braucht es die nicht unbedingt. „Ich habe in Hotels auch schon im Kleiderschrank aufgenommen, das geht. Wichtig ist: Der Raum muss schalltot sein“, sagte Freith.

Startups: „Hey, ich kann alles lernen!“
„Gründe doch!“, dazu forderte Pia Lexa, Mitarbeiterin des Media Lab Bayern, in einem weiteren Workshop auf. Mehrere Jahre lang hatte sie zuvor selbst als Journalistin gearbeitet. Wichtigste Einstellung laut Lexa für angehende Gründer: „Sagt nicht, ich mache das, was ich kann. Sagt: Hey, ich kann alles lernen.“

Startups sollten nicht versuchen, ein fertiges Produkt „in die Welt zu werfen“ und dann zu merken, dass dieses nicht funktioniert. Ehe viel Geld ausgegeben werde, sollte ein Prototyp gebaut, getestet und experimentiert werden. Und wenn der Prototyp nicht funktioniert – einfach etwas Neues ausprobieren. Oder mit Lexas Worten: „Wenn Sie eine Idee mit sich rumtragen, so schnell wie möglich zum User damit.“

Als echtes Gründungshindernis identifizierte die Expertin nicht fehlende Zeit („Macht es nebenbei!“) oder kein Geld („Klein anfangen!“), sondern ein fehlendes Team. Denn: Das Team sei Motivator, im Idealfall interdisziplinär – und jede Idee werde besser, wenn zwei oder mehr Köpfe zusammendenken.

Datenjournalismus und Zeitmanagement
Eine Einführung in den Datenjournalismus gab Katharina Brunner, Datenjournalistin in der Entwicklungsredaktion der Süddeutschen Zeitung. Wirtschaftsjournalistin und Coach Cordula Nussbaum sprach unter dem Motto „Wertvolles Gut effektiv nutzen“ über Zeit- und Prioritätenmanagement.

Der freie Wirtschafts- und Technikjournalist Ulf J. Froitzheim nahm die VG Wort in den Blick und hinterfragte: „Was habe ich davon – außer Geld?“ Froitzheim hatte von 2003 bis ins Frühjahr 2019 die Interessen des DJV im Verwaltungsrat der VG Wort vertreten. Tipps für bessere Fotos gab Berufsfotograf Stefan Gregor unter dem Stichwort „Neue Sicht auf Menschen/Gruppen“.  Seit 1989 arbeitet er als Bildjournalist beim Aschaffenburger Main-Echo.

„Von der Idee zum Buch“ im BJVreport
Mehr zum FREItag 2019 wird auch im BJVreport im Dezember, in der letzten Ausgabe des Jahres, zu lesen sein. Im Schwerpunkt wird es hier um Kreativitätstechniken gehen, um schneller gut zu schreiben. Geleitet hatte den Workshop Trainer, Autor und Dozent Sebastian Poliwoda.

Und, aufgehängt am Workshop „Von der Idee zum Buch – der richtige Weg auf den Markt“, wird Thomas Montasser beleuchten, in welcher Form es sich für Journalisten heute noch lohnen kann, ein Buch zu schreiben. In einer Zeit, in der 90000 Neuerscheinungen pro Jahr auf den Markt fluten – und es nur die wenigsten zum Bestseller schaffen.  

Neue Vorstand der Fachgruppe Freie gewählt
Während des FREItags wählten die Kolleg*innen einen neuen Vorstand für die Fachgruppe Freie, mehr dazu im Artikel „Ein tolles Team, egal, wer den Hut aufhat“.

Michaela Schneider

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