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Mentees und Mentor*innen, und das Mentor-Team des BJV
Mentees und Mentor*innen, und das Mentor-Team des BJV, feiern das erfolgreiche Ende des achten Programms
Foto: 
Julika Sandt

BJV-Mentoring

Gleichwertiges Geben und Nehmen

Tandems der achten BJV-Mentoring-Runde auf Augenhöhe

München, 26.04.2018

Welchen Weg soll ich beruflich einschlagen? Wie kann ich nach einem Auslandsaufenthalt wieder Fuß fassen? Mit welchen Strategien kann ich meine Zeit besser managen und faire Honorare aushandeln?

So unterschiedlich waren die Probleme, die die Tandems des achten BJV-Mentoring-Programms angepackt und gelöst haben. Bilanz zogen sie beim Abschlussessen im Münchner Ratskeller.

Es gab allerdings einen Moment der Sprachlosigkeit, denn das Treffen stand auch im Schatten der Trauer um SZ-Lokalchef Christian Krügel. Viele kannten ihn und waren sich einig: Krügel war ein feiner Mensch, ein Vorbild und ein Chef, wie man ihn nur selten antrifft.

Mit Kraxelschuhen auf die Karriereleiter
Im Resümee von Mentee Suli Kurban, die im Studiengang Dokumentarfilmregie an der Münchner HFF gerade ihren Abschlussfilm gedreht hat, wurde deutlich: Die Chemie zwischen ihr und Mentorin Fatima Abdollahyan aus der BR-Redaktion „Lebenslinien“ stimmte.

„Fatima ist wie ich keine Bio-Deutsche und hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie hat mich motiviert, mutiger zu sein, zum Beispiel bei Honorarverhandlungen.“ Mentoring-Chef Wolfgang Soergel verlas das Lob der dienstlich verhinderten Mentorin: Kurban sei „eine Macherin: frei, pragmatisch, klug, neugierig, furchtlos, diszipliniert. Man kann nur jemandem helfen die nächste Etappe des Weges zu gehen, der den Rucksack auf, die Kraxelschuhe an und die Marschrichtung schon vorgegeben hat.“

Gegenseitige Inspiration
Linus Lüring arbeitet in verschiedenen BR-Redaktionen, zum Beispiel für die Bayern2 Radiowelt und Quer. Sein Mentor war Uwe Ritzer von der SZ. „Ich habe Einblicke in seine Herangehensweise bei seiner Söder-Biografie gewonnen“, sagte Lüring über Ritzer. „Umgekehrt war er sehr an meinem Feedback interessiert.“ Auch hier verlas Soergel das Resümee des kurzfristig erkrankten Ritzer: „Ich habe die Gespräche mit Linus als ein sehr inspirierendes, gleichwertiges Geben und Nehmen empfunden.“

Die Onlinerin Johanna Wild hat während des Mentorings das Start-up Crowdalyzer gegründet. Zuvor hatte sie im Ausland gearbeitet, in Ruanda, Burundi und im Kongo. „Ich hatte eine internationale Perspektive und Sorgen, ob ich hier wieder im Alltag ankomme.“

Dank ihres Mentors, Michael Krawczyk von B5, habe sie die bayerische Medienlandschaft wieder verstanden. Krawczyk über seine Mentee: „Ich habe von ihr auch viel gelernt. Mir ist die Situation in anderen Ländern, vor allem im Zusammenhang mit der Pressefreiheit, bewusst geworden.

Fundiertes Feedback
Christina Merkel, die die Wissenschaftsseite der Nürnberger Zeitung verantwortet, ist glücklich, mit Christina Berndt ihre Wunschmentorin bekommen zu haben. Umgekehrt ist auch die SZ-Wissenschaftsredakteurin voll des Lobes über ihre Mentee, die sie schon vor etlichen Jahren „als tolle Praktikantin“ kennen gelernt hatte.

Merkel hat sich ein fundiertes fachliches Feedback gewünscht: „Meine Kollegen bei der NZ kommen alle nicht aus der Wissenschaft.“ So sind die beiden tief in die Textarbeit eingestiegen und in die Gestaltung einer attraktiven Wissenschaftsseite.

Johanna Kempter, Nachrichtenredakteurin bei B5, und ihre Mentorin Jutta Prediger vom Bayern 2 Notizbuch haben während des gemeinsamen Jahres auch ein Notizbuch geführt. Das hat Prediger vorm Abschlussessen durchgeblättert und festgestellt: „Johanna hat ihre Themen und Punkte zu zwei Dritteln umgesetzt, zum Beispiel ihre Zeit zu managen und Pausen einzulegen".

Wo will ich hin?
Thomas Radlmaier, derzeit noch beim Münchner Merkur, hat während der zwölf Monate zweimal gekündigt und war froh, in dem freien Journalisten Peter Gaide „jemand vom Fach zu haben, der den Blick von außen hat“, mit dem er kompetent über das Ob und das Wie reden konnte. Demnächst wird Radlmaier Redakteur bei der SZ in Dachau.

Lea Hampel, Pauschalistin in der Wirtschaftsredaktion der SZ, hat mit ihrer SZ-Mentorin Karin Steinberger über strategische Fragen gesprochen, aber auch lange an einem großen Porträt gefeilt, bis sie im Dezember in Mutterschutz ging. Nach Hampels Babypause werden beide aber im Herbst noch ein paar Mentoring-Monate dran hängen.

Ähnlich sieht es bei Lena Meyer und ihrer Mentorin Anke Kotte aus, beide freie Journalistinnen, die beide an diesem Abend arbeiten mussten: Auch dieses Tandem wird die gemeinsame Zeit noch um ein halbes Jahr verlängern, da Meyer erst nach Abschluss ihres Fernstudiums Anfang Januar voll ins Mentoring einsteigen konnte.

Und noch ein erfolgreiches Tandem fehlte aus Termingründen: Jessica Schober, die junge Gründerin des Flüchtlings-Mentoringprojekts Newscomer, und ihr Mentor Alex Rühle vom Feuilleton der SZ.

„Besser kann es nicht gehen“ hatten beide die gemeinsame Zeit gegenüber Wolfgang Soergel bilanziert, der diese Bewertung nicht ohne leisen Stolz an die Runde im Ratskeller weitergab. Was kann man sich als Fazit für ein Projekt auch Besseres wünschen.

Julika Sandt

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