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„Bei wichtigen Daten darf man keine Mühen scheuen“, warnt Matthias Eberl
Foto: Barbara Weidmann

Fachgruppe Online

„Habe ich Paranoia?“

Mit wenigen Klicks verhalf Matthias Eberl Journalisten zu mehr Datenschutz

München, 27.02.2014

Jahrelang trotzte er Zweiflern, die Audio-Slideshows nichts abgewinnen können. Jetzt hat sich der Münchner Journalist Matthias Eberl einen weit größeren Gegner vorgenommen: Datensammler aller Art, egal ob Internet-Konzern oder Geheimdienst. Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, sagte er den Kollegen, die zum Informationsabend der Fachgruppe Online in die BJV-Geschäftsstelle gekommen waren. Aber man könne und müsse einiges tun.

Eberl skizzierte die Bedrohungslage: Ausgespähte Journalisten bekämen beispielsweise Probleme bei der Ein- oder Ausreise in Ländern wie den USA, China, Israel oder Iran. Der Informantenschutz werde ausgehebelt, Recherchen behindert. Massenausspähen könne jeden Journalisten zum direkten Überwachungsziel machen.

Verschlüsselt!
In Extremfällen gipfele dies in Erpressungsversuchen oder Einschüchterung durch psychische oder physische Gewalt, wie aktuelle Fälle beweisen. Für Journalisten sollte sichere Kommunikation an oberster Stelle stehen. Stattdessen, so ärgert sich Eberl, „stimmen viele Kollegen zwar großes Geschrei an, verschlüsseln aber nicht mal ihre E-Mails!"

Einfache Schritte
Heimlichen Mitlesern die Tour zu vermasseln, ist mit OpenPGP (was ist OpenPGP) keine Hexerei und selbst von Laien zu bewältigen. Eberl zeigte es Schritt für Schritt. Auch Dateien und Ordner lassen sich sicher und transportabel verpacken, etwa mit OpenSource-Tools wie 7-Zip. Dazugehörige Passwörter sollte man besser per Telefon austauschen. Ganze Datenträger werden mit Software wie TrueCrypt geschützt. Datenaustausch durch fremde Netze läuft vorsorglich über einen VPN-Server (VPN steht für Virtual Private Network).

Anonymisieren oder Alternativen nutzen
Und das tägliche Surfen? Wer die Browser-Aktivitäten auslesen kann, weiß später mehr über die Psyche des Users, als dieser selbst. „Macht Euch das ganz einfach: Nutzt zwei Browser, zwei IP-Adressen!“, rät Eberl. Anonyme Internet-Nutzung versprechen Plugins wie HTTPS-Everywhere, Zenmate oder das Anonymisierungsnetzwerk Tor.

Sogar für omnipotente Soziale Netzwerke wie Facebook gäbe es Alternativen wie etwa Friendica oder Diaspora. Solche Kontakte könne man ja wenigstens anbieten. „Wenn alle bleiben, blockieren wir den Umstieg“.

Dass Folgen der Überwachung tatsächlich schon zu spüren sind, zeigten die persönlichen Erfahrungen einiger Fachgruppen-Mitglieder. Alle widersprachen Eberls augenzwinkernder Frage: „Habe ich Paranoia?“ „Eberl ist kein Desperado", bekräftigte auch der Fachgruppenvorsitzende Thomas Mrazek.

Allgemeiner Konsens: Überwachung müsse man nicht aus Bequemlichkeit erlauben. Und vor allem, so lautete Eberls abschließendes Credo, dürfe man angesichts der gesellschaftlichen Gefahren mit den Gegenmaßnahmen nicht warten, bis alle mitmachen.

Barbara Weidmann

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