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„Ob durch die Zusammenlegung Stellen abgebaut werden, ist unklar." (Quelle: DPA-Meldung bei Merkur.de)
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Screenshot Merkur.de/mke/tm

BJV-Landesvorstand

„Münchner Merkur“ und „tz“ legen Lokalredaktionen zusammen

BJV kritisiert Verleger: Phantasielos, rückwärtsorientiert und arbeitnehmerfeindlich

München, Wieseth, Erlangen, 07.06.2016

+++ Bitte beachten Sie auch unsere Aktualisierung: Pressemitteilung der Betriebsräte von Münchner Merkur und tz, 08.06.2016

Der Münchner Merkur und die tz legen ihre Lokalredaktionen zusammen. „Dadurch soll das lokale Angebot beider Titel nachhaltig weiter verbessert werden“, schreibt die Mediengruppe Münchner Merkur tz in einer Mitteilung vom Dienstag. Die neue Lokalredaktion „München Stadt“ soll personell und fachlich breit aufgestellt sein. Die Zeitungen versprechen sich „Synergieeffekte bei Themenfindung, Planung, Recherche und Verfassen von Texten“.

Zeitgleich sollen die Internet-Portale der beiden Zeitungen „gestärkt“ werden. Außerdem wird die tz-Redaktion „Fernsehen“ in die Feuilleton-Redaktion des Münchner Merkurs eingegliedert, berichten die Portale beider Zeitungen in einer dort veröffentlichten DPA-Meldung (hier Merkur Online). „Ob durch die Zusammenlegung Stellen abgebaut werden, ist unklar. Auf Nachfrage wollte man sich dazu nicht äußern“.

Stellungnahmen des Bayerischen Journalisten-Verbands (BJV) zur geplanten Zusammenlegung der Lokalredaktionen von Münchner Merkur und tz.

Der BJV-Vorsitzende Michael Busch erklärt:

„Es ist erbärmlich: Sie reden von Qualität, lokaler Kompetenz, der Bedeutung freiheitlicher Berichterstattung. Sie reden und reden und glauben ihren eigenen Sonntagsreden ...

Doch was machen sie? Sie legen zusammen, sie pfeifen auf die Vielfalt, Arbeitskräfte sind Untergebene, die lediglich den Nachteil haben, dass sie nicht in sieben Jahren steuerlich abgeschrieben werden können.

Phantasielos, rückwärtsorientiert und arbeitnehmerfeindlich wird agiert. Der Leser spielt keine Rolle, der Arbeitnehmer erst recht nicht.

Herr Ippen,
ich hoffe inständig, dass wir von Ihnen die Worte eines „Qualitätsjournalismus“ nicht mehr hören, das ist dann nämlich gelogen. Seien sie wenigstens so ehrlich und geben Sie zu, dass das Einzige was Sie interessiert, die Rendite ist. Verstecken Sie sich aber nicht hinter dem Auftrag der Presse, die grundgesetzlich gesichert ist.

Sie fordern, wie viele andere Verleger, immer wieder Kreativität von uns Journalisten, unterliegen aber selber einer Einfallslosigkeit, die ihresgleichen sucht. „Synergieeffekte“ – welch großes Wort, das Sie von Unternehmensberatern übernommen haben. Welch einfallsloses Wort!

Wir vom BJV werden genau schauen, wie diese Synergieeffekte aussehen – vor allem wie Sie diese bezeichnen, wenn dann doch Stellen abgebaut werden. Irgendetwas wird Ihnen sicher einfallen, dafür reicht die restliche Phantasie sicherlich.“

Michael Busch
1. Vorsitzender BJV

Wolfgang Grebenhof, Vorsitzender der BJV-Fachgruppe Tageszeitungen und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands erklärt:

„Wenn einem Verleger in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine neuen, zukunftsträchtigen Geschäftsmodelle einfallen, sondern der Rotstift über die Kreativität siegt, dann ist das erbärmlich.

Mit der Zusammenlegung der Münchner Lokalredaktionen von Münchner Merkur und tz reiht sich Dirk Ippen in die unrühmliche Phalanx jener Verleger, die Rendite-Steigerung und Profitmaximierung über publizistische Pluralität und journalistische Vielfalt stellen.

Dass die Verlagsleitung Belegschaft und Betriebsrat vor vollendete Tatsachen gestellt hat, zeugt zusätzlich von schlechtem Stil. In der Mediengruppe Münchner Merkur/tz regieren offensichtlich Krämerseelen, die jegliches Gespür für Journalismus und Journalisten missen lassen.

Auch wenn darüber heute noch geflissentlich geschwiegen wird: Früher oder später wird diese Redaktions-Fusion Arbeitsplätze kosten. Dies als ‚Synergieeffekt bei Themenfindung, Planung, Recherche und Verfassen von Texten’ zu verkaufen, ist eine Nebelkerze, die darüber hinwegtäuschen soll, dass hier künftig redaktioneller Einheitsbrei angerührt werden soll.“

Pressemitteilung der Betriebsräte von Münchner Merkur und tz, 08.06.2016
Geplante Zusammenlegung der Lokalredaktionen von „Münchner Merkur“ und „tz“

Die Betriebsräte von „Münchner Merkur“ und „tz“ haben mit Bestürzung von der geplanten Zusammenlegung der Lokalredaktionen Kenntnis genommen. Sie kritisieren ebenso die gewählte Vorgehensweise der Verlagsleitungen unter Verletzung der gesetzlichen Beteiligungsrechte der Betriebsräte. Die Öffentlichkeit wurde am 07.06.2016 praktisch zeitgleich mit den Betriebsräten informiert, denen damit keine Möglichkeit zur Reaktion gelassen werden sollte. Das stellt sowohl einen klaren Rechtsbruch als auch einen Tabu- und Stilbruch im Umgang zwischen Verlagsleitung und Interessensvertretungen dar. Damit einhergehend werden auch die Rechte der Belegschaften massiv beschnitten.

Die beteiligten Betriebsräte werden sich nun rechtlich beraten lassen und erforderliche Schritte beraten, auch unter Einbindung der Gewerkschaften BJV und dju.

Franz Obermayr, Betriebsratschef  Zeitungsverlag München und Johannes Welte, tz, stellvertretend für den erkrankten Betriebsratschef Michael Dürr

Schlagworte:

Tageszeitungen

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