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Preisübergabe beim Herwig-Weber-Preis 2016 (von links): Suli Kurban, Kerstin Tschuck, Ramona Weise und Tobias Scharnagl
Foto: Johann Schwepfinger, PresseClub München

BJV-Landesvorstand

Die Münchner Themen der Zeit getroffen

Drei junge Journalisten erhalten den Herwig-Weber-Preis

München, 18.11.2016

Mit ernsten Tönen begrüßte der Vorsitzende des Internationalen PresseClub München, Peter Schmalz, die gut 100 Gäste bei der Verleihung des Herwig-Weber-Preis 2016 in den Räumen des Bayerischen Rundfunks. Schmalz erwähnte die massiven Bedrohungen von Journalisten und der Pressefreiheit etwa durch den Islamischen Staat und in der Türkei, er nannte aber auch die „Lügenpresse“-Schmähungen gegen Kollegen hierzulande.

„Auch wenn wir hier zu einer feierlichen Preisverleihung zusammengefunden haben, wollte ich diese sorgenvollen Worte voranstellen. Denn wir dürfen nie vergessen, das unser berufliches Lebenselixier – die Meinungsfreiheit – kein Geschenk des Himmels ist, sie muss immer wieder aufs Neue geschützt und verteidigt werden“, sagte Schmalz.

Sehr präzise Wahl der Jury
Stefan Wittich, Leiter der Intendanz des Bayerischen Rundfunks, freute sich darüber, dass wieder ein Preisträger aus seinem Sender dabei sei. Zugleich betonte er die Bedeutung der BR-Berichterstattung aus der Landeshauptstadt. Stadtrat Manuel Pretzl (CSU), der für den kurzfristig verhinderten 2. Bürgermeister Josef Schmid eingesprungen war, lobte, dass die Jury sich für zwei Werke entschieden habe, „die mit die wichtigsten Themen derzeit in unserer Stadt behandeln: Wohnen mit ‚München platzt aus allen Nähten‘ und Integration mit ‚Löwen von Neuperlach‘.“

Die aus zwölf Journalisten und Journalistinnen bestehende Jury (u.a. auch die stellvertretende BJV-Vorsitzende Dr. Hilde Stadler) hatte es sich bei ihrer Arbeit auch nicht leicht gemacht, wie der Juryvorsitzende Dietmar Schmidt berichtete. Um aus den 55 eingegangenen Publikationen, bei denen als Thema die Landeshauptstadt München im Mittelpunkt stehen muss, die besten auszuwählen, traf sich die Jury vier Mal.

Hervorragende Sozialstudie in den BR „Lebenslinien“
Dr. Helga Montag hielt die Laudatio auf die Preisträgerin Suli Kurban. Kurban, die als Elfjährige nach Deutschland kam, berichtet in den BR „Lebenslinien“, gesendet im April 2016, über einen Deutsch-Türken, Hausmeister in einer Schule, der in München geboren, in Neuperlach aufgewachsen ist und sich dort in der ehrenamtlichen Jugendarbeit engagiert.

In ihrem Fernsehbeitrag werden das Spannungsfeld zwischen der Tradition der Familie und dem Leben hier und die Integrationsprobleme und Möglichkeiten der Jugendlichen aus Einwanderfamilien deutlich. Eine hervorragende Sozialstudie.

„Wenn Sie nun meinen, dass sich die Jury aus ‚political correctness‘ für diesen Beitrag entschieden, liegen sie falsch.“, sagte Montag, „Wir wussten nichts über ihren Hintergrund. Wir waren der Meinung, dass sie ein relevantes, münchnerisches Thema sensibel und hervorragend umgesetzt hat.“

Suli Kurban erhält einen Teilpreis in Höhe von 5000 Euro. Kurbans Beitrag „Der Löwe von Neuperlach“ kann auf der BR-Website als Video (45:00 Min.) abgerufen werden.

tz-Serie veranschaulicht Großstadt-Probleme
Die Laudatio für die Ramona Weise und Tobias Scharnagl sprach Jury-Mitglied Henry Stern von der Landtagspresse. Es freue ihn persönlich sehr, dass die Preisträger aus dem Boulevardbereich kommen, „denn guter Boulevardjournalismus gehört in Deutschland leider auch zu den gefährdeten Arten“.

Die tz-Serie „Platzt München aus allen Nähten?“ ist im März 2016 in der Münchner tz erscheinen. Die tz-Redakteurin Ramona Weise und des damaligen tz-Volontär Tobias Scharnagl beschreiben sehr gut veranschaulicht die Probleme, die mit dem Wachstum der Stadt einher gehen: u.a. die Folgen von Babyboom, Zuzug, fehlender Kitaplätze, das oft notwendige Schlange stehen, Probleme in den Schulen, mit den Mieten, Armut, Wirtschaft, Schicksale usw.

Die Auswahl der Themen, Recherche und insbesondere die journalistische Aufbereitung hat die Jury als hervorragend bewertet. Die 13-teilige Serie sei informativ und unterhaltend umgesetzt worden: „Boulevardjournalismus auf höchstem Niveau!“ Ramona Weise und Tobias Scharnagl erhalten gemeinsam einen Teilpreis in Höhe von 5000 Euro. Mehr dazu: Übersichtsseite zur Serie „Platzt München aus allen Nähten?“ auf der tz-Website.

Dietmar Schmidt gibt Juryvorsitz ab
Die Preise überreichten Peter Schmalz und Martin Gebrande, Geschäftsführer der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und Vorsitzender des Kuratoriums für den Herwig-Weber-Preis. Den Mitgliedern dieses Kuratorium dankte Schmalz ausdrücklich, denn erst ihr großzügiges Engagement ermögliche es, diesen renommierten Preis auszuloben.

Juryvorsitzender Dietmar Schmidt, der sich insgesamt sechs Mal in der Jury engagierte – davon zuletzt fünf mal als Vorsitzender dieses Gremiums – übergab sein Amt „in jüngere Hände“. Presseclub-Vorstandsmitglied Kerstin Tschuck wird künftig der Jury vorsitzen.

Inspiration aus verschiedenen Quellen
Kerstin Tschuck sprach anschließend mit den Preisträgern über ihre Werke. Die tz-Journalisten Ramona Weise und Tobias Scharnagl (seit Anfang November Redakteur bei der tz) ließen sich durch ihren Chefredakteur Rudolf Bögel zu der Serie inspirieren.

Sie lobten ausdrücklich, dass ihnen durch ihre Redaktionskollegen ausreichend Zeit und sehr gute Unterstützung gegeben wurde. „Wir werden an diesen Themen dranbleiben“, versprach Weise. Das sei auch notwendig, denn in der Redaktion meldeten sich oft Menschen, die sich „allein gelassen fühlen, was ja auch ein wenig zu der Wahl von Trump passt“.

Suli Kurban erzählte, dass sie der Umgang ihres Akteurs, Ramazan, mit den Jugendlichen sehr fasziniert habe: „Den muss ich vorstellen!“ Kurbans 45-minütiger Film entstand im Rahmen einer Kooperation der BR-„Lebenslinien“ mit der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF).

Kurban engagiert sich außerdem beim Blog-Projekt Arriving in Munich – Geschichten rund ums Ankommen in München. Aktuell arbeite sie an einem Film über das Schicksal eines ihr persönlich bekannten Flüchtlings, der beim Versuch nach Deutschland zu kommen ertrunken ist – „eine Spurensuche“, erläuterte Kurban.

Zum Abschluss der Feier gab es wieder angenehme Töne: Die Salonboarischen drückten das bayrische und auch das Münchner Lebensgefühl mit ihrer Musik aus.

Thomas Mrazek

Über den Herwig-Weber-Preis

Der Herwig-Weber-Preis wurde erstmals 1973 verliehen und erinnert an Dr. Herwig Weber, München-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der von 1961 bis zu seinem frühen Tod im Februar 1969 Vorsitzender des Münchner PresseClubs war. Er hat viel und sehr treffend über München publiziert.

Der Internationale PresseClub München verleiht den Preis alle drei Jahre für hervorragende journalistische Arbeiten, in deren Mittelpunkt die Landeshauptstadt München und ihre Bürger stehen.

Der Herwig-Weber-Preis 2016 wird gefördert von:
Bayerische Hausbau, Bayerischer Journalisten-Verband, Bayerische Landeszentrale für Neue Medien, Bayerischer Rundfunk, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie; BayWa AG, Evangelischer Presseverband, Rechtsanwälte Romatka & Collegen und St. Michaelsbund Diözesanverband e.V.

Veranstaltungshinweis
Der Presseclub lädt gemeinsam mit Journalisten helfen Journalisten am Dienstag, 29. November, um 11.00 Uhr, zu der Veranstaltung „Kriegsopfer mit Presseausweis: Zum 25. Todesjahr von Egon Scotland“ ein.

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