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Das Siegerfoto bei Pressefoto Bayern 2018: Freude
Foto: Andreas Gebert

Pressefoto Bayern 2018

„Ein guter Fotograf bebildert keinen Text“

Mit dem Bild „Freude“ gewinnt Andreas Gebert den Wettbewerb Pressefoto Bayern 2018

München, 04.12.2018

Mit dem Bild „Freude“ gewinnt Andreas Gebert den Wettbewerb Pressefoto Bayern 2018 – Festakt im Bayerischen Landtag – Zum 19. Mal zeichnete der BJV Bayerns beste Fotografen aus

Mit dem Bild „Freude“ holte der freie Fotograf Andreas Gebert beim Wettbewerb Pressefoto Bayern 2018 den Gesamtsieg. Das Siegerbild entstand am Abend der Landtagswahl im Maximilianeum. Die Grünen erwarteten mit geladenen Gästen erste Ergebnisse. Den Fokus hatte Gebert auf den Bundesvorsitzenden Robert Habeck gerichtet, der mit geschlossenen Augen dastand.

Siegerbild überzeugte durch „dissonante Einheit“
„Als ich im Augenwinkel sah, wie Anton Hofreiter hüpft, als wäre er bei einem Fußballspiel, dachte ich für einen Moment: Ich habe den Falschen im Fokus“, erzählte der Münchner. (Ein ausführliches Interview mit Andreas Gebert folgt im BJVreport 06/2018).

Aber: Alles richtig gemacht! Gerade die „dissonante Einheit von frenetischem Jubeln und In-sich-gekehrt-Sein“ habe die die Jury beglückt, sagte deren Vorsitzender Hans-Eberhard Hess bei der Preisverleihung im Maximilianeum in München.

„In Zeiten des Lesens in Twitterlänge“
Die dortige Gastgeberin sowie Schirmherrin des Wettbewerbs, Landtagspräsidentin Ilse Aigner, betonte: Fotografie sei Handwerk. Und eine Idee gut umzusetzen, sei entsprechend das A und O – erst recht in einer Zeit, in der täglich milliardenfach Fotos hochgeladen würden.

„Doch manche Bilder sprechen für sich“, sagte sie, sie sprächen Gefühle an und würden zum Blickfang, gerade in „Zeiten des Lesens in Twitter-Länge“. Für Gelächter sorgte, dass die CSU-Frau ein Foto vom Wahlsieg der Grünen prämierte – sie versprach aber, dies den Kollegen der Oppositionspartei gleich zu erzählen.

Ein bisschen hat‘s „gesödert“
Apropos CSU: Die Juryarbeit sei toll aber auch anstrengend gewesen – und alles musste etwas schneller gehen, erzählte Hess. Bewusst hatte der Bayerische Journalisten-Verband den Einsendeschluss für die Bilder in der mittlerweile 19. Wettbewerbsrunde hinter die Landtagswahl gelegt. Rund 800 Bilder wurden eingereicht – und da habe es ein bisschen sehr „gesödert“.

Abbildung der Wirklichkeit
Bilder böten die hohe Chance für Themen zu interessieren, sagte BJV-Vorsitzender Michael Busch (hier finden Sie Busch Rede) und offerierten einen Großteil des Inhalts auf den ersten Blick. Bilder lieferten im Grunde nur eine Abbildung der Wirklichkeit. Was aber zeichnet unterm Strich einen guten Pressefotografen aus? Busch nannte vier Punkte.

Termindruck und enge Zeitkorridore
Erstens: Ein guter Fotograf bebildere keinen Text. Das Foto liefere entweder die gesamte Geschichte oder erzähle in Kombination mit dem Text eine Geschichte.
Zweitens: Ein Bild dürfe nicht beliebig sein, sondern müsse aus der Flut der Bilder hervorstechen.
Drittens: Die Beherrschung der Technik, heißt: Der Fotograf kenne die Begriffe Brennweite, ISO und könne mit AV sowie TV ebenso viel anfangen wie mit Bulb.
Viertens: der Faktor Zeit, die aber heute oft fehle, wenn unter Termindruck und in engen Zeitkorridoren gearbeitet werden müsse. Der Fotograf benötige Zeit, „um dann scheinbar seine Arbeit in 1/125stel Sekunde oder noch kürzer zu erledigen“, sagte Busch.

Wie Pressefotografen in der Praxis arbeiten, konnten die Gäste des Festaktes übrigens auch heuer wieder bei der anschließenden Preisverleihung erfahren. In Kurzinterviews sprachen Juryvorsitzender Hess und Radiomoderatorin Sabine Prokscha erfrischend kurzweilig mit den Preisträgern.

Die Gewinner in weiteren sieben Kategorien:
Stefan Gregor holte den Sieg in der Kategorie Serie (Sonderpreis Leica Camera AG) für die Bildstrecke „In der Todesfabrik“.

Der beim Main-Echo Aschaffenburg fest angestellte Pressefotograf hatte mit einer Fotografengruppe das Konzentrationslager Auschwitz besucht. Das Thema an sich habe man schon oft gesehen, Stefan Gregor aber habe „fast intime Bilder in intensiver Dramatik“ geschaffen, sagte Juryvorsitzender Hess.

Möglich gewesen sei dies, weil die Gruppe zwei Tage vor Ort war und entsprechend Zeit hatte, erzählte Gregor. Erschienen ist die Fotoreportage im Main-Echo, Gregor schrieb auch den Text dazu selbst.

Mit „Der Nikolaus und seine Buttnmandl“ gewann die Hamburgerin Christina Czybik die Kategorie Bayern Land & Leute (Sonderpreis Bayernwerk AG).

Das Bild entstand im Berchtesgadener Land, die so genannten Buttnmandln begleiten den Nikolaus mit ihren Schellen auf dem Weg durch die Dörfer. Buttn bedeutet so viel wie scheppern, rütteln.

Wie aber kommt eine Fotografin aus Hamburg zu diesem Motiv? Sie arbeite seit mehreren Jahren an einer Serie zum Thema Heimat, erzählte Czybik. Die zwei Tage am Königsee seien für sie die schönsten des Jahres gewesen.

Das Bild selbst konnte sie übrigens bislang nicht verkaufen. Aber vielleicht ändere sich dies nun. Übrigens darf sich die Hamburgerin mit einem außergewöhnlichen Beinamen schmücken: Eine Fotoserie über Ghana brachte ihr den dortigen Titel „Königliche Hoffotografin“ ein.

„Gedenken an die Opfer des NSU“ ist das Siegerbild in der Kategorie Tagesaktualität (Sonderpreis Versorgungswerk der Presse) von Lino Mirgeler betitelt.

Am Morgen war der Prozess gegen fünf mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund mit Schuldsprüchen zu Ende gegangen. Demonstranten hielten in München die stilisierten Porträts der NSU-Opfer in Händen.

Mirgeler absolvierte zum damaligen Zeitpunkt gerade sein Volontariat bei der dpa. Bei der Demonstration seien auch Hinterbliebene der Opfer mitgelaufen, erzählte er, dieses Bild habe man sich nicht entgehen lassen können.

Seit zwei Monaten arbeitet Mirgeler aus Garching bei München inzwischen als freier Fotograf und ist für die dpa und diverse Medien im Bereich Politik, Wirtschaft, Porträt und Reportage tätig.

Als die Aufnahme „Auf dem Trockenen“ entstand, war der freie Münchner Fotograf Andreas Gebert mit Drohne am Forggensee vor Ort. Damit holte er nun den Sieg in der Kategorie Umwelt & Energie (Sonderpreis Bayernwerk AG).

Der zwölf Kilometer lange Stausee im Ostallgäu in der Nähe von Füssen werde jedes Jahr abgelassen, erzählte er, zwei Boote neben einem Steg liegen auf dem Bild „auf dem Trockenen“. Mit dem Klimawandel hat dies also – ausnahmsweise – nichts zu tun.

Sieger in der Kategorie Kultur (Sonderpreis DJV-Bildportal) ist der Gerolzhofener Fotograf Matthias Endriß.

Der freie Pressefotograf hatte am 2. Mai die Feste Rosenberg besucht, Anlass war die Aktion „Kronach leuchtet“. Eigentlich wollte er das „Licht-Labyrinth“ zur blauen Stunde fotografieren, doch war ihm zu dieser Zeit „drumherum“ viel zu viel los. Er kam erneut, als es richtig dunkel war – und schuf aus dem Kunstwerk ein weiteres Kunstwerk. „Eine begehbare Installation wird markant hervorgehoben und darf aus dem Kontext gelöst ein Eigenleben führen“, heißt es im Juryurteil.

Peter Schatz, freier Fotograf aus Marktoberdorf, wurde für sein Foto „Emotionaler Abschied“ in der Kategorie Sport (Sonderpreis Sparkassenverband Bayern) geehrt.

Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic küsste am 16. Juli im Trikot ihrer Nationalmannschaft den WM-Pokal. Sie habe ihm ein bisschen leidgetan, erzählte Schatz, denn eigentlich wollte sie den Pokal ja gewinnen – und musste ihn nun gehen lassen.

Für ihn „eine traurige Liebesgeschichte der kroatischen Präsidenten“. Die Arbeitsbedingungen vor Ort waren keine einfachen: 15 Minuten lang regnete es wie aus Kübeln. In so einem Moment überlege man sich als Fotograf, ob man besser sein Material schützen oder doch bleiben solle.

Schatz entschied sich – zum Glück – für zweiteres und erlebte großartige fotografische Momente: Alle wurden nass, dann „das Theater mit den Regenschirmen“ und eine regelrecht romantische Stimmung durch den Regen.

Den Newcomer Award (Sonderpreis Rotary International) erhielt Paul Dittmann für seine Serie „Marrakesch“.

Der Würzburger hatte im Januar 2018 Szenen aus Marokko dokumentiert: Die winterliche Stille im Garten vor dem Haus des Modeschöpfers Yves Saint Laurent etwa, oder auch ein Dorf im Durika Tal. Eigentlich machte er die Bilder für seine Hochschul-Bewerbungsmappe, dann entschied er sich aber, sie beim Wettbewerb einzureichen. Ihm waren dabei gegensätzliche Perspektiven wichtig. „Sieht alles monoton aus in der Fotografie, schaut eh niemand hin“, sagte er.

Die Aufnahme an die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Fachbereich Gestaltung, hat er übrigens auch ohne die Serie geschafft.

Michaela Schneider

Weitere Informationen
Alle ausgezeichneten Bilder finden Sie in der Übersicht auf dieser Seite. Im Katalog zu Pressefoto Bayern finden Sie die prämierten Fotos und weitere sehenswerte Bilder von Kolleginnen und Kollegen, der Katalog ist in einer blätterbaren Version und als PDF (84 Seiten, 7 MB) abrufbar. Im Anhang der Pressemitteilung (PDF, 7 Seiten, 178 kb) finden Sie die Jury-Begründungen und weitere Informationen über die Fotografinnen und Fotografen. Außerdem können Sie hier für die redaktionelle Berichterstattung über den Wettbewerb und die Ausstellungen Pressefoto Bayern 2018 die Siegerbilder in druckfähigen Größen runterladen.

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