Erstmal durchschnaufen: Erster Preis für Thilo Schmidt beim BJV-Wettbewerb zum Tag der Pressefreiheit 2018
Foto: Sachelle Babbar

BJV-Pressemitteilung

Mit Bodyguard zur Pegida-Demo

BJV-Wettbewerb zum Tag der Pressefreiheit: Die Sieger.

München, 30.04.2018

Grußbotschaft (auf Englisch) von Can Dündar an die Teilnehmer*innen der BJV-Veranstaltung zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai 2018 im Münchner Presseclub

Can Dündar ist Chefredakteur der zweisprachigen journalistischen Plattform Özgürüz. Mehr über ihn erfahren Sie in der Wikipedia.

Eine Jury des BJV hat den Berliner Hörfunk-Journalisten Thilo Schmidt mit dem ersten Preis des bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs zum Tag der Pressefreiheit ausgezeichnet. Das in der SWR2-Reihe „Tandem“ gesendete Hörfunkfeature beschreibt, wie die Arbeit von Journalisten bei Pegida-Veranstaltungen durch verbale und gewalttägige Übergriffe behindert wird. 

„Atmosphärisch dicht, von beeindruckender Authentizität. Thilo Schmidt hat die Gefährdung des Artikel 5 Grundgesetz auf emotional ergreifende Weise umgesetzt. Man will dem Autor zur Seite springen, um mit ihm gemeinsam – oder auch gegen andere – für diesen Wert, für diese Überzeugung einzutreten. Selbst das Aggressionspotential wächst beim Zuhören. Ein tolles Radiofeature“, urteilte die Jury. Der freie Journalist Thilo Schmidt erhielt am Donnerstag im Münchner Presseclub für seinen Beitrag ein Preisgeld von 1000 Euro.

Erster Platz
Thilo Schmidt erhält den Preis für sein am 3. Mai 2017 in der Sendung Tandem auf SWR2 gesendetes Hörfunk-Feature:
Grundgesetz Artikel 5, Satz 1 – Rechtspopulismus und Pressefreiheit (Dauer: 24:40 Min.).

Zweiter Platz
für die Mitarbeiter*innen von Netzpolitik.org (@netzpolitik): Marie Bröckling, Alexander Fanta, Luca Hammer und Markus Reuter. Die Journalist*innen erhalten den Preis für ihren am 5. März 2018 veröffentlichten Artikel: Influencer in Uniform: Wenn die Exekutive viral geht.

In Deutschland sind heute mehr als 100 Polizeien rund um die Uhr auf Twitter aktiv hat ein Team von Netzpolitik.org ermittelt. In einer Datenanalyse untersuchten sie rund 163.000 Tweets und nahmen die digitale Behördenarbeit unter die Lupe. Die Journalisten Marie Bröckling, Alexander Fanta, Luca Hammer und Markus Reuter führen den Nutzer durch diese Welt der „Influencer in Uniform“ und beleuchten, wie die deutsche Exekutive viral agiert. Dafür hat der BJV dieses Team von Netzpolitik.org mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. 

„Der Beitrag zeigt eindrucksvoll, wie die umfangreiche Pressearbeit von Polizeibehörden bei Twitter die journalistische Unabhängigkeit gefährden kann. Eine aufwändige, vielseitige Recherche und eine akribische Auswertung der Daten durch die Redaktion bilden die Grundlage dafür. Die Arbeit zeigt zudem in vorbildlicher Weise, wie guter Datenjournalismus heute aussehen muss“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Dritter Platz
für Moritz Aisslinger, Redakteur im Ressort ZEIT Politik, DIE ZEIT. Er erhält den Preis für seinen in der ZEIT vom 15. Februar 2018 erschienenen Artikel: Der Angriff des Spekulanten.

Den dritten Platz vergab der BJV in diesem Jahr an den Zeit-Journalisten Moritz Aisslinger aus Berlin für seine Reportage „Der Angriff des Spekulanten“. Darin beschreibt er den Fall eines Geschäftsmanns, der die Süddeutsche Zeitung und zwei ihrer Redakteure auf 78 Millionen Schadenersatz verklagt hat, weil durch deren Berichterstattung ein angeblicher Deal geplatzt sei. Moritz Aisslinger sei es mit seiner Reportage „Der Angriff des Spekulanten“ gelungen, die Tragweite des Falles hautnah und packend zu schildern, urteilte die Jury.

Ein brisantes Thema. Da wird von einem mächtigen Spekulanten versucht, investigativen Journalismus auf juristischem Weg zu verhindern und die Kollegen mit einer sehr hohen Geldforderung einzuschüchtern. Hier steht sehr viel – über den konkreten Fall hinaus – auf dem Spiel. Nicht weniger als die Glaubhaftigkeit des Journalismus.

Lobende Erwähnung
für Korbinian Eisenberger, Redakteur der Süddeutsche Zeitung in Ebersberg, und sein Team mit Lilian Ikulumet, Olaleye Akintola, Mohamad Alkhalaf und Nasrullah Noori für die SZ-Reihe „Neue Heimat“
 
Eine lobende Erwähnung sprachen die Juroren schließlich für Korbinian Eisenberger und das SZ-Team „Neue Heimat“ aus. Die seit 1. Juli 2016 immer freitags erscheinende Kolumne gibt vier geflüchteten Journalisten, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, eine Stimme. Sie schildern in ihren Artikeln ihren neuen Alltag in Deutschland und schaffen so eine Verbindung zwischen den Einheimischen und den Zugewanderten. Inzwischen sind mehr als 100 Texte erschienen.

„Die „Neue Heimat“ ist ein wichtiger und kreativer Beitrag für die Pressefreiheit. Hier erhalten Journalisten an exponierter Stelle wieder jene Freiheit der Meinungsäußerung, die man ihnen in ihren Herkunftsländern verwehrte“, urteilten die Juroren.
(Mehr zu diesem Projekt, u.a. Interviews mit Korbinian Eisenberger und Olaleye Akintola, finden Sie auch auf der BJV-Website unter bjvlink.de/neueheimat.)

Korbinian Eisenberger teilte nach der Preisverleihung mit, dass er diese Auszeichnung gerne dem am 20. April 2018 verstorbenen Christian Krügel widmen wolle. Der Chef des SZ-Ressorts München, Region und Bayern habe das Projekt „Neue Heimat“ maßgeblich unterstützt.

Der BJV-Vorsitzende Michael Busch betonte anlässlich der Preisverleihung die hohe Qualität der Wettbewerbs-Beiträge in diesem Jahr. „Dieser Wettbewerb setzt mit den ausgezeichneten Arbeiten ein Zeichen für die Pressefreiheit. Eine Freiheit, die wahrlich unbezahlbar ist“.

Der BJV wolle mit dem zum vierten Mal ausgeschriebenen Preis das Thema der Pressefreiheit an die Öffentlichkeit bringen, und sie für dieses wichtige Grundrecht sensibilisieren. „Im Grunde haben die Teilnehmer des Wettbewerbs den Preis selber geschaffen, indem sie sich mit dem Thema Pressefreiheit auseinandergesetzt haben“, sagte Busch.

Die Jury
An der Jury des vierten BJV-Wettbewerbs zum Tag der Pressefreiheit arbeiteten mit:
Michael Busch, BJV-Vorsitzender,
Thomas Geiger, Vorsitzender Fachgruppe Bildjournalisten,
Thomas Mrazek, Vorsitzender Fachgruppe Online
Andrea Roth, Stellvertretende BJV-Vorsitzende und
Harald Stocker, Vorsitzender Fachgruppe Rundfunk.

Schlagworte:

Pressefreiheit

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