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Whistleblowerin Brigitte Heinisch: „Man hinterlässt einen positiven Fußabdruck“
Foto: Sachelle Babbar

BJV-Landesvorstand

Vom Risiko des Verpfeifens

BJV-Podium diskutiert zum Tag der Pressefreiheit über das Whistleblowing

München, 07.05.2019

Sie müssen um ihren Job bangen, leben gefährlich und sie geraten unter Umständen ins Visier der Justiz. Whistleblower setzen oft sehr viel aufs Spiel, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Im April hat die EU nun eine neue Richtlinie beschlossen, die Whistleblower besser schützen soll. Aufgabe der Länder wird es im nächsten Schritt sein, diese in den kommenden zwei Jahren in nationales Recht umzusetzen.

Unter dem Titel „Whistleblowing – wer andere verpfeift, ist dran“, diskutierte eine Podiumsrunde im PresseClub in München unter anderem darüber, wie wichtig Whistleblower für den investigativen Journalismus und die Demokratie sind. Dazu geladen hatte der Bayerische Journalisten-Verband. Die Diskussion schloss sich an die Preisverleihung des BJV-Wettbewerbs zum Tag der Pressefreiheit an.

Auf dem Podium diskutierten die Vorsitzende des Whistleblower-Netzwerk e.V. Annegret Falter, Whistleblowerin Brigitte Heinisch, ihr einstiger Rechtsanwalt Benedikt Hopmann, Verena Nierle, Leiterin der Redaktion BR Recherche / BR Data sowie Nicolas Richter, Ressortleiter für Investigative Recherche bei der Süddeutschen Zeitung. Es moderierte BR-Redakteur Jürgen Schleifer.

Whistleblowing sei Harakiri
Altenpflegerin Brigitte Heinisch wollte seinerzeit nicht länger schweigen. Sie redete vor 14 Jahren über Missstände in Pflegeeinrichtungen – und zog bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dort siegte sie zwar und mancher Whistleblower kann sich heute auf ihr Urteil berufen.

Gleichzeitig aber verlor sie ihren Job, ist frühberentet und sagt, die Ereignisse hätten sie psychisch kaputt gemacht. Ob sie es wieder tun würde, beantwortete Heinisch in der Podiumsrunde zunächst mit einem Schulterzucken. Whistleblowing sei Harakiri zu betreiben. Aber man hinterlasse doch einen positiven Fußabdruck.

Whistleblower haben guten Ruf, aber …
Rechtsanwalt Hopmann sagte deutlich: „Whistleblower haben einen sehr guten Ruf und sind in der Gesellschaft hoch anerkannt.“ Das Problem allerdings sei, dass von organisierter Seite gezielt versucht werde dem gegenzusteuern – und zwar Hand in Hand mit Arbeitgebern. Hopmann verwies in diesem Zusammenhang auf Bundestagsmitglied Volker Kauder (CDU), der Whistleblowern in einer Bundestagsdebatte im Jahr 2011 eine „Blockwart-Mentalität“ unterstellt hatte (siehe u.a. taz).

Wie wichtig aber sind Whistleblower für den Journalismus? Verena Nierle bezeichnete sie als wichtige Hinweisgeber, die den Anstoß für Recherchen lieferten, aber nie die einzige Quelle blieben.

Es gebe gleichzeitig systematische Recherchen, die ohne Whistleblower auskämen. SZ-Ressortleiter Nicolas Richter betonte, wie wichtig gründliche Recherchen und die Rückversicherung durch verschiedene Quellen seien: „Wir müssen uns bewusst sein, dass es Skandale gibt, die am Ende keine sind, wie etwa die Beispiele Kachelmann und Wulff gezeigt haben. Journalismus darf das Unrecht nicht vergrößern.“

„Julian Assange ist ein Journalist“
Vielfach war der Begriff „Whistleblower“ in jüngerer Zeit auch in Zusammenhang mit der Verhaftung des Wikileaks-Gründers Julian Assange gefallen. Dem hielt Whistleblower-Netzwerk-Vorsitzende Annegret Falter deutlich entgegen: „Assange ist Journalist, kein Whistleblower.“

Die Vermischung der Begriffe Whistleblower und Journalist geschehe mit Absicht, weil Journalisten gesetzlich besser geschützt seien. „Assange kann man – auch in den USA – viel besser beikommen, wenn er ein Whistleblower ist“, sagte Falter.

Ausführlich wird es auch im kommenden BJVreport ums Thema Whistleblowing gehen. Erläutert werden dann etwa die Hintergründe zur neuen EU-Richtlinie und Redaktionen geben Tipps zur Zusammenarbeit mit Whistleblowern.

Michaela Schneider

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