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Ansbacher Leitfaden für guten Journalismus
Luther genügte für seine Thesen eine einzige Tür, die Medienfakultät der Hochschule Ansbach nutzt für ihre gleich eine komplette Fassade
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Wolfgang Grebenhof

Aktuell

Zehn Thesen als „Manifest für Qualität“

Hochschule Ansbach stellt den „Leitfaden für guten Journalismus“ vor

München, Ansbach, 26.11.2019

„Richtschnur und Verpflichtung“ will der „Ansbacher Leitfaden für guten Journalismus“ sein, der am vergangenen Freitag, 22.11., im Rahmen der Tagung „Qualität im Journalismus“ an der Hochschule Ansbach vorgestellt wurde.

Das von den Lehrenden im Studiengang Ressortjournalismus erarbeitete „Manifest für Qualität als Basis unseres Schaffens“ umfasst zehn Thesen. „Journalisten und die Presse genießen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft, haben weitreichenden Einfluss und erfüllen wichtige Funktionen in einer freiheitlichen Demokratie“, heißt es im Vorwort des 24-seitigen Werkes.

Wie Journalismus sein sollte
Sie müssten sich deshalb auch mehr als andere für ihr Tun rechtfertigen, an den eigenen Maßstäben messen lassen und sich nicht zuletzt stets der Folgen ihrer Arbeit bewusst sein. „Guter Journalismus ist wahrhaftig und wahrheitssuchend“, lautet eine der zehn Thesen: „Journalisten finden Geschichten und Themen, aber sie erfinden nicht.“

Unabhängig, faktenbasiert, furchtlos, kritisch, konstruktiv, pluralistisch und verantwortungsvoll sind weitere Attribute, die dem Beruf zugeschrieben werden. Journalisten sollten beobachten, aber nicht handeln, heißt es in dem Leitfaden weiter. Ihre Arbeit solle „demokratiebildend und -erhaltend“ sein. Guter Journalismus sei aber auch „gefährlich und gefährdet“, mahnen die Autoren.

Grundlegend neu sind die Thesen in dem Papier nicht – sie orientieren sich inhaltlich an den bekannten Handreichungen der Branche, allen voran der Pressekodex. Laut dem Dekan der Fakultät Medien, Professor Dr. Markus Paul, habe man versucht, mit dem Papier einen anderen Ansatz zu suchen und ein neues Berufsethos und -selbstverständnis zu entwickeln.

So gehe es beispielsweise um konstruktiven, lösungsorientierten Journalismus. Er appellierte an die Studierenden, mit Mut, Empathie und Leidenschaft in den Beruf zu gehen, aber auch Haltung zu zeigen. Die Thesen sollen, sagte Paul, kritisch diskutiert und weiterentwickelt werden. Im Beisein von Vertretern aus Politik und Verwaltung wurden sie auf einem riesigen Banner am Hochschul-Campus entrollt.

Erklärtes Ziel der Tagung mit mehr als 200 Teilnehmern war eine Standortbestimmung sowohl aus Sicht der Wissenschaft als auch aus der Perspektive der journalistischen Praxis. Sie diente den Initiatoren zufolge dem Austausch zwischen Wissenschaftlern, Praktikern aus den Redaktionen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft, sollte aber auch die Studierenden für die zentrale Bedeutung von Qualität als Säule ihres künftigen journalistischen Schaffens sensibilisieren.

Erstklassige Journalist*innen auf den Podien
Aus der journalistischen Praxis nahmen u.a. teil: Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin im Hauptstadtbüro des Spiegel; Matthias Keller-May, stellvertretender Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks; Christoph Lütgert, ehemaliger Chefreporter des NDR; Prof. Dr. Tanjev Schultz, Universität Mainz, ehemals Süddeutsche Zeitung; Hajo Seppelt, ARD; Michael Husarek, Chefredakteur Nürnberg Nachrichten.

Die Ergebnisse der Tagung sollen in gedruckter Form festgehalten und als Buch in der „Campus-Reihe“ der Hochschule veröffentlicht werden.

Wolfgang Grebenhof

Der Artikel erschien in ähnlicher Form in der Wochenendausgabe der Fränkischen Landeszeitung.

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