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Zeitungsverleger: Professionelle Langeweile

BJV-Vorsitzender Michael Busch kommentiert den ergebnislosen Auftakt der Tarifverhandlungen

München, 02.02.2018

Mal ganz ehrlich, liebe Verleger – langweilt Euch Euer Auftreten eigentlich nicht selbst? Da suchen die Vertreter der Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen das Gespräch, um weitgehend über verbesserte Arbeitsbedingungen zu diskutieren. Und der Arbeitgeberseite fällt nichts Anderes ein, als den Verhandlungstisch, ohne ein Angebot gemacht zu haben, zu verlassen.

O.K. – dass wir in der ersten Runde nicht sofort zu Ergebnissen kommen, liegt in der Natur der Sache, das ist leider so. Aber diese Verschleppungstaktik ist ermüdend und auch nicht mehr zeitgemäß. Sie zeigt vielmehr, wie despektierlich Sie mit Ihrem Verhandlungspartner umgehen. Es zeigt noch viel mehr, was Ihnen Ihre Arbeitskräfte überhaupt wert sind.

Es zeigt aber auch, dass Sie in Zukunft Begriffe wie „Qualitätsjournalismus“, „Presse als Bestandteil der Demokratie“ oder gar „Unsere Mitarbeiter sind uns viel wert“ schlichtweg nicht in den Mund nehmen sollten.

Nein, es ist nicht zu viel verlangt, dass Arbeitnehmer in Tageszeitungshäusern adäquat bezahlt werden. Und wenn Sie die Digitalisierung als Grund einbringen, dass die Journalistinnen und Journalisten bei der Lohnentwicklung ausgebremst werden sollen, dann kann man nur überrascht den Kopf schütteln.

Denn die Kolleginnen und Kollegen sind natürlich bereit, diese Schritte mitzugehen. Diese Mehrbelastung, die Wünsche, die mit der Digitalisierung einhergehen, die Veränderung der Arbeitsprozesse – all dies wird mitgetragen und auch gerne umgesetzt. Aber sicher nicht mit dem Hinweis, dass alles, inklusive der Arbeitskraft, eigentlich günstiger werden müsste.

Inhalte sollen von Profis erstellt werden, und Profis sollen entsprechend bezahlt werden. Und Verleger sollten sich mal mit der Geschichte beschäftigen, warum es überhaupt Verlage gibt. Wie diese entstanden sind, welche Kooperationsgedanken dahinterstehen.

Und dann gibt es im Übrigen ein Argument, dem ich sogar zustimme. Wenn die Tarifpartner sagen, dass sie ja noch im Tarif stehen und Wettbewerbsnachteile hinnehmen müssen, wenn sie mit den Tarifflüchtlingen konkurrieren müssen. Richtig. Aber dennoch habt Ihr genau diese Truppe größtenteils noch in Eurem Verband. Es liegt an den tariftreuen Verlegern hier Korrekturen vorzunehmen.

Und es liegt am Gesetzgeber, Korrekturen vorzunehmen. Aber die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen dafür abzustrafen und diese in die Verantwortung nehmen zu wollen, ist sicher der völlig falsche Weg.

4,5 Prozent Erhöhung ist sicher kein allzu dramatischer Wert, wenn auf der anderen Seite zufriedene und motivierte Arbeitnehmer stehen. Feste und Freie. Aber alles Profis.

Michael Busch, Vorsitzender BJV

Alle Informationen zur aktuellen Tarifrunde finden Sie auf unserer Website und in den Sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #TVTZ18.

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