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Daniel Karmann

Ausgabe 3 / 2018

Ausgespäht

Überwachte Journalisten

Journalisten und ihre Informanten geraten ins Visier von Geheim­diensten und der Justiz. Sie werden wegen ihrer Recherchen angefeindet, bedroht und ausspioniert. Mancher Investigativ­journalist übergibt sensible Dokumente nur persönlich, weil auch verschlüsselte Kommunikation im Internet zu knacken ist.

Und Einschüchter­ungs­versuche bis hin zu Mord­drohungen richten sich nicht selten gegen Exiljournalisten, die aus Angst vor staatlicher Verfolgung aus ihren Heimatländern nach Deutschland geflohen sind. Doch wie gehen Kollegen mit dem Wissen, dass „Big Brother“ sie beobachtet, ganz konkret um? Petra Reski, Autorin des Buchs „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“, der ukrainische Exiljournalist Aleksei Bobrovnikov, der freie Journalist und Rechts­extremismus-Experte Johannes Radke sowie Correctiv-Reporter Frederik Richter erzählen.

Bedroht, verklagt, verleumdet
Petra Reski hatte ihr Buch über die Machenschaften der Mafia in Deutschland im Jahr 2008 kurz nach den Mafia­morden von Duisburg veröffentlicht. „Danach wurde ich bedroht, verklagt und verleumdet. Und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert“, erzählt die Journalistin, die in Venedig lebt. Auch vor 2008 hatte Reski für deutsche Medien über die Mafia geschrieben, bis dahin jedoch nur „die üblichen Probleme“ gehabt, die sich eben ergäben, wenn man etwa in San Luca oder Corleone recherchiere. Der Sohn eines Mafiabosses verfolgte sie mit dem Auto. Ein anderes Mal rettete sie nur das Auftauchen der Polizei davor, zusammen­geschlagen zu werden. Ihre Artikel über Machenschaften der Mafia in Italien in deutschen Medien hätten die Mafiabosse indes nicht allzu sehr beunruhigt.

Das änderte sich von einem Moment auf den anderen, als sie 2008 ihr erstes Mafia-Buch veröffentlichte und darin auf die Situation in Deutschland blickte. Die Autorin wurde mit Unterlassungs­klagen und Strafanzeigen überzogen – und hatte dabei noch Glück, dass der Verlag hinter ihr stand und die Prozesskosten übernahm. „Das Vorgehen ist perfide. Diese Leute verklagen den Autor als Person und den Verlag immer getrennt, um den Verlag gegen den Autor auszuspielen“, sagt sie. Bei einer Lesung in Erfurt wurde sie von Personen im Publikum massiv bedroht, bei öffentlichen Veranstaltungen stand sie fortan unter Polizeischutz. Ein Kläger wendete sich im Gericht mit den Worten an Reskis Anwalt: Er möge der Mandantin ausrichten, dass sie das nächste Mal besser mit sechs Polizisten kommen solle als mit zwei.

weiterlesen in der blätterbaren Version auf Seite 10

von Michaela Schneider

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Aus dem Inhalt

Medienköpfe

Social Media auf Papier

Erst Beobachter, dann Zielscheibe
BJV-Wettbewerb zum Tag der Pressefreiheit

„Parallelen zur Türkei sind erschreckend“
Wie es Journalisten in Ankara, Budapest und Warschau geht

„Big Brother“ beobachtet
Das Ausspähen von Journalisten ist auch in Deutschland Realität

Achtung, Kontrolle!
Methoden innerbetrieblicher Überwachung

Eine völlig neue Dimension
Was das Polizeiaufgabengesetz für den Journalismus bedeutet

„Monopole meiden, wo es geht“
Datenschutzexperte erklärt, wie man digital sicher kommuniziert

Keylogger, Videokamera, Detektei
Gerichtsurteile zum Ausspionieren von Mitarbeitern

Pressestellen

Frag mich, Augsburger Allgemeine
„Ask me“ als Tool zur gezielten Leseransprache

„Wir waren lästig“
Das Jahr 1968 und die Medien

Für Pressefotografen wird das Licht nicht ausgeknipst
Die neue Datenschutz-Grundverordnung

Unglaubwürdige Reformatoren
Auf ein Wort mit Michael Busch

Aus dem Verbandsleben

Mentoring: „Bloß keine altväterlichen Ratschläge“

BJV-Check „Fotografen haben Namen“

Von wegen Stillstand
Journalistinnen trafen sich zur Konferenz „Frau Macht Medien“

Preise, Preise, Preise

„Argumente prallen ab wie an einer Teflon-Bratpfanne“
Ein Gespräch mit einem Mitglied der Tarifkommission

Rechtliches: Redakteure dürfen aus Solidarität streiken

Technik
Journalisten sollten sich Mühe geben, ihre Daten zu schützen

„Man kann Boten stoppen, aber nicht die Botschaft“
Pulitzer-Preisträger Bastian Obermayer unterstützt inzwischen andere Journalisten gegen die Feinde der Pressefreiheit