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Das 28-minütige SWR2-Hörfunk-Feature „Die Newsrooms der Politik – Verlautbarung statt Journalismus“ von Christian Kretschmer ist als Stream und Download abrufbar, außerdem ist ein PDF-Manuskript erhältlich
Foto: Screenshot von der SWR2-Website, SWR-Wissen

BJV-Pressemitteilung

Parteien-Newsrooms: Verlautbarung statt Journalismus

BJV-Wettbewerb zum Tag der Pressefreiheit: Die Sieger.

München, 12.05.2020

Eine Jury des Bayerischen Journalisten-Verbandes (BJV) hat das Audio-Feature „Die Newsrooms der Politik – Verlautbarung statt Journalismus“ des Südwestrundfunks aus der Feder des Mainzer Autors Christian Kretschmer mit dem ersten Preis des bundesweit ausgeschriebenen BJV-Wettbewerbs zum Tag der Pressefreiheit 2020 ausgezeichnet.

Das Feature, das der 29-jährige Sieger im Herbst 2019 als Volontär für SWR2 Wissen produzierte, beleuchtet kritisch das komplizierte Verhältnis von moderner politischer Kommunikation und Journalismus. Es analysiert, wie der politische Betrieb zunehmend seine eigenen PR-Schaltzentralen etabliert, die Öffentlichkeit über „Pressesimulationen“ direkt anspricht und dabei die klassischen Medien und den journalistischen Filter umgeht. In seinem 28-minütigen Feature, das auch als Podcast abrufbar ist, beschreibt der Autor, wie diese „Verlautbarungsmaschinerie“ Pressefreiheit und Demokratie gefährdet.

„Dieser Beitrag überzeugt und begeistert durch seine mutige investigative Recherche, handwerkliche Perfektion und seine Brisanz. Der Autor entlarvt eine akute Bedrohung der Pressefreiheit, die von demokratischen Parteien in Deutschland ausgeht, aber von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Eine grandiose Geschichte mit hohem Informationsgehalt – volle Punktzahl“, urteilte die Jury. Autor Christian Kretschmer, der heute als freier Mitarbeiter in der SWR-Redaktion ARD aktuell arbeitet, erhält für sein Feature (bjvlink.de/newsrooms) ein Preisgeld von 1000 Euro.

Zweiter Platz fürVolontär*innen der Süddeutschen Zeitung

Jedes Jahr veröffentlichen die Volontäre der Süddeutschen Zeitung ein Sonderprojekt – in diesem Jahr eine achtseitige Beilage in Print und als umfassendes Digital-Dossier. Entstanden ist das Projekt im April 2020 im Home-Office. Acht Volontärinnen und Volontäre beleuchten darin Tendenzen in der Berichterstattung und blicken dabei über den Tellerrand Deutschlands hinaus. Sara Maria Behbehani, Julia Bergmann, Anika Blatz, Carina Seeburg, Christoph Koopmann, Simon Groß, Francesca Polistina und Viktoria Spinrad gehen in ihren Essays, Interviews und Texten unter anderem der Frage nach, wie es sein kann, dass ein ehemaliger ARD-Reporter heute für die AfD im Bundestag sitzt, ob die deutschen Medien in der Corona-Krise zu unkritisch berichten oder wie eine Ägypten-Korrespondentin ihren Rauswurf aus dem Land erlebt. Unterstützt wurde das Volontärs-Team von Sarah Unterhitzenberger in der Infografik und Sead Mujic als Illustrator. Für ihr Projekt (sz.de/pressefreiheit) hat der BJV die acht jungen Journalist*innen mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

„Eine vielfältige, gut recherchierte und attraktiv aufgemachte Beilage von hoher journalistischer Qualität, die viele Facetten der bedrohten Pressefreiheit aufzeigt“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Dritter Preis geht an Caroline Schmidt aus Hamburg

Den dritten Platz vergab der BJV an die Journalistin Caroline Schmidt aus Hamburg für ihren am 15. April 2020 gesendeten Film „Syrien: Trügerische Ruhe durch Corona“. In dem für den Norddeutschen Rundfunk und die Sendung ZAPP produzierten Feature (bjvlink.de/idlib) beschreibt die Autorin, wie regimekritische Journalisten in Idlib die Zeit der Corona-Pandemie als Ruhe vor dem letzten Sturm erleben.

Das Coronavirus habe zwischen den Kriegsparteien in Syrien erst einmal für weitgehende Waffenruhe gesorgt. Doch Muna (25), Moderatorin und Autorin beim Radiosender Watan FM und Jameel, der für den Internetsender Orient-News als Kriegsreporter unterwegs ist, säßen in Idlib dennoch in der Falle. Denn sobald Assad und seine Verbündeten Corona im Griff hätten, würden Assads Truppen Idlib wahrscheinlich einnehmen und seine Kritiker verhaften. Doch die beiden mutigen Reporter blieben, denn es gebe keinen sicheren Ort.

„Ein berührender Film mit starken authentischen O-Tönen, der uns eindrucksvoll vor Augen führt, wie Kriegsreporter und regimekritische Journalisten in Krisengebieten auch in Zeiten von Corona unter Einsatz ihres Lebens berichten und die Pressefreiheit verteidigen“, lobte die Jury.

Der BJV-Vorsitzende Michael Busch betonte nach der Jurysitzung die hohe Qualität der Wettbewerbs-Beiträge in diesem Jahr. „Dieser Wettbewerb setzt mit den ausgezeichneten Arbeiten ein Zeichen für die Pressefreiheit. Es freut mich besonders, dass wir diesmal junge Journalist*innen auszeichnen können, die mit ihren Arbeiten zeigen, dass wir uns um den journalistischen Nachwuchs keine Sorgen machen müssen.“

Mit dem zum sechsten Mal bundesweit ausgeschriebenen Preis will der BJV das Thema der Pressefreiheit an die Öffentlichkeit bringen und sie für dieses wichtige Grundrecht sensibilisieren.

Hinweis für die Redaktionen:

Weitere Informationen und die Siegerbeiträge finden Sie auf der BJV-Homepage: bjv.de/pressefreiheit20

Kontakt:

Maria Goblirsch, Bayerischer Journalisten-Verband e.V.
E-Mail: presse@bjv.de
Telefon: 0171 6876973

Weitere Informationen zu den Gewinner*innen

1. Platz: Christian Kretschmer: SWR-Hörfunk-Feature: Die Newsrooms der Politik – Verlautbarung statt Journalismus

Christian Kretschmer (@chris_kret), arbeitet als freier Mitarbeiter in der SWR-Redaktion  ARD aktuell in Mainz, er hat im September 2019 sein Volontariat beim Südwestrundfunk (SWR) abgeschlossen.
Die Newsrooms der Politik – Verlautbarung statt Journalismus gesendet am Montag, 30. September 2019, 8:30 Uhr, SWR2 Wissen, SWR2 (28 Minuten)
Um die Berichterstattung zu kontrollieren, versuchen die Parteien zunehmend, ihre Botschaften an den klassischen Medien vorbei zu verbreiten. Am weitesten ist dabei die AfD.
Autor: Christian Kretschmer, Online-Fassung: Gábor Paál
Das 28-minütige Feature ist als Stream und zum Download (24,4 MB | MP3) erhältlich. Außerdem kann ein 13-seitiges Manuskript abgerufen werden.

2. Platz: SZ-Volontäre: Sonderprojekt Pressefreiheit

Volontäre der Süddeutschen Zeitung, erschienen in der Wochenendausgabe am 2./3. Mai 2020.
Dossier: sz.de/pressefreiheit
Podcast: Was die Corona-Krise für die Pressefreiheit bedeutet (9:30 Min.)

Christoph Koopmann (@chrkmann)
Sara Maria Behbehani
Julia Bergmann
Anika Blatz
Simon Groß (@SGross_)
Francesca Polistina
Carina Seeburg
Viktoria Spinrad (@ViktoriaSpinrad) alle Volontäre
Laura Terberl, leitet das Audioressort der SZ
Sarah Unterhitzenberger, Grafik und Sead Mujic, Illustrationen

Hinweis auf der letzten Seite des sechsseitigen Dossiers in der SZ:
„Zu dieser Beilage stellen wir im Rahmen von Schule&Zeitung ein kostenloses Arbeitsblatt zur Verfügung: sz.de/arbeitsblatt2020
Das Material richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe.
Mehr Infos zu Schule&Zeitung unter: sz.de/schuleundzeitung

3. Platz: Caroline Schmidt: Zapp-Beitrag Syrien: Trügerische Ruhe durch Corona

Caroline Schmidt
(@CSCHMIDT_5), arbeitet als Journalistin heute vor allem für den NDR in Hamburg, unter anderem hat sie sieben Jahre als Korrespondentin im Berliner Büro des Spiegel gearbeitet.
Syrien: Trügerische Ruhe durch Corona gesendet am 15. April 2020, 23:20 Uhr bei Zapp (07:11 Min.)
In die syrische Region Idlib bringt das Coronavirus auf den ersten Blick Ruhe: Der Waffenstillstand zwischen den Kriegsparteien hält auf einmal viel länger als erwartet. „Je mehr die Russen und die Iraner mit der Bekämpfung des Coronavirus beschäftigt sind“, sagt Jameel, “desto ruhiger bleibt die Lage hier.“ Jameel ist Kriegsreporter. Er arbeitet für den Internetsender Orient-News und berichtet seit Jahren über Assads brutales Vorgehen in der Hoffnung, dass die Welt endlich einschreitet – auch jetzt noch.

Jury
In der Jury wirkten mit: BJV-Vorsitzender Michael Busch, die stellvertretende BJV-Vorsitzende Andrea Roth, Schriftführerin Anne Webert und die Vorsitzenden der Fachgruppen Bild, Thomas Geiger, sowie Online, Thomas Mrazek.

Dank
Wir danken der PicDrop GmbH für das Bereitstellen von Speicherplatz für die eingesendeten Beiträge.

Bisherige Sieger*innen
Unter „Verwandte Artikel“ finden Sie alle Sieger*innen der vorigen Wettbewerbe von 2015 bis 2019.

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