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Nachruf

Karl Stankiewitz mit 96 Jahren verstorben

16.12.2024

Karl Stankiewitz am 12.12.2024 in seiner Münchner Wohnung.

Ein unnachgiebiger Menschenfreund.

Karl Stankiewitz ist tot. Am Freitag, den 13. Dezember 2024 ist er „friedlich eingeschlafen“, teilte uns sein Sohn Thomas Stankiewicz am Samstag mit.

1946 gründete Stankiewitz die erste Münchner Schülerzeitung nach dem Zweiten Weltkrieg – Der Funke. Als Journalist der ersten Stunde gehörte er 1947 einer kleinen Gruppe junger Kollegen an, die nach dem Krieg unter der Leitung von Werner Friedmann die Süddeutsche Zeitung aufbauten. Er arbeitete dort als Volontär. Im Juni 1948 wurde er bei der neugegründeten Münchner Abendzeitung Redakteur für die Reportageseite. Ab 1950 folgten Veröffentlichungen für den Stern und den Spiegel. Von 1951 bis 2000 wirkte er als Münchner Korrespondent für über zehn große deutsche Zeitungen, er war außerdem Mitarbeiter bei Münchner Zeitungen, beim Bayerischen Rundfunk, Deutschlandfunk und der Deutschen Welle.

Später war er als freier Reise- und Alpinjournalist tätig und verfasste Berichte aus 66 Ländern. Seit 1999 veröffentlichte er 38 Sachbücher über München, Bayern, die Alpen und literarische Wanderungen in Bayern, Österreich und der Schweiz. „Stankiewitz ist ein Chronist aus eigenem Erleben“, schrieb die BJV-Kollegin Maria Goblirsch zu seinem 95. Geburtstag. 1977 erhielt er vom Münchner Presseclub den Herwig-Weber-Preis „für hervorragende journalistische Arbeiten über die Landeshauptstadt“, 2018 kam für 70 Jahre Arbeit im Journalismus die Medaille „München leuchtet“ hinzu. 2023 erhielt er den Ernst-Hoferichter-Preis der Landeshauptstadt München. „Stankiewitz ist ein Kosmopolit, noch dazu einer, der sein Metier als Weltbetrachter, salopp gesagt, seit Menschengedenken ausübt“, lobte die Jury. Im Jahr 2022 wurde ihm eine besondere Ehre zuteil: Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg nahm seine Lederhose als Exponat in seine Dauerausstellung auf – neben der von Oskar Maria Graf. Stankiewitz hatte die Hose 1948 nach der Währungsreform vom „Kopfgeld“ in Höhe von 40 Mark und mit 40 Mark von seinem ersten Journalisten-Gehalt erworben, wie Sebastian Beck in seinem Nachruf in der Süddeutschen Zeitung berichtet.

2018 bat er mich darum, sein Werk und sein Schaffen in der Wikipedia zu dokumentieren. Ich lernte ihn als einen unnachgiebigen und stets neugierigen Menschenfreund kennen. Unnachgiebig war er in den letzten Jahren auch gegenüber sich selbst. Zunehmend machte ihm sein Gesundheitszustand zu schaffen. Bis zuletzt schickte er an einen kleinen Kreis von Freunden und Kolleg*innen über einige Monate hinweg seine wöchentlichen „Gedankenblitze“, in welchen er gekonnt das aktuelle Weltgeschehen mit eigenen Artikeln und Impressionen aus seinem umfassenden Werk verknüpfte. Er musste mit sich kämpfen, doch er bemühte sich immer wieder, uns konsequent seine Sicht der Dinge mitzuteilen. Am Vortag seines Todes schickte er uns seinen letzten „Gedankenblitz“.

Dem BJV trat Karl Stankiewitz im April 1957 bei. Er wird uns sehr fehlen.

Thomas Mrazek

Grab auf dem Ostfriedhof
Die letzte Ruhestätte von Karl Stankiewitz auf dem Ostfriedhof finden Sie über Stadtgeschichte München – Münchner Friedhofsportal. Das Grab befindet sich ganz in der Nähe des Friedhofseingangs in der St. Bonifatius-Str.

Trauerfeier am 23. Januar
Die Trauerfeier mit Beisetzung wird am Donnerstag, 23. Januar 2025, um 9.45 Uhr in der Aussegnungshalle des Münchner Ostfriedhof, St.-Martins-Platz 1 stattfinden.
(Erreichbar mit Tram Linie 18, oder U2 bis Untersbergstraße, 600 m bis St. Martin-Platz)
In der Süddeutschen Zeitung vom 11./12. Januar 2025 erschien eine Traueranzeige mit dem Hinweis: „Statt Blumen und Kränzen bitte eine Spende an „Journalisten helfen Journalisten", IBAN DE 91 7015 0000 1002 7572 74.“

Berichte zur Beisetzung


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