Freistunde-Gastspeaker Jakob Vicari – enfant terrible oder genialer Tüftler?
Foto: Screenshot Barbara Weidmann

Fachgruppe Freie

News aus dem Inneren einer Kuh

Jakob Vicari präsentiert sich bei der Fachgruppe Freie als „Lead Creative Technologist“

München, 19.05.2022

Als „Junger Wilder“ war er angekündigt. Als einer, der alle journalistischen Schubladen sprengt. In der Tat: Mit Dr. Jakob Vicari hatte die Fachgruppe Freie bei ihrer FREIstunde einen wahrhaft innovativen Geist zu Gast. Vicari ist promovierter Philosoph, Absolvent der Deutschen Journalistenschule und preisgekrönter Wissenschaftsjournalist. In seinem „Innovationslabor“ tactile.news in Lüneburg bastelt er im wahrsten Sinne des Wortes mit einem kleinen interdisziplinären Team an der Zukunft unserer Branche.

Den Medien fehlt es nicht an Geld
Redaktionen stellt Vicari kein gutes Zeugnis aus. Sie hechelten den großen Tech-Konzernen ziemlich planlos hinterher. „Man ist froh, seinen Website-Relaunch und die Paywall installiert zu haben und plant vielleicht mal eine App zu machen.

Aber wenn man das von außen betrachtet, ist im Internet angekommen zu sein keines der Themen, die uns heute beschäftigen sollten“, kritisierte Vicari. Den Medien fehle nicht Geld, sondern Mut. Die Angst zu Scheitern sei übermächtig.

Das gehypte Smartphone hält der selbsternannte „Lead Creative Technologist“ nicht für die allein selig machende Oberfläche, um Geschichten zu erzählen. Er fragt sich, welche Technologien diese Rolle in Zukunft übernehmen könnten.

Das Internet der Dinge? Spracherkennung und -steuerung? Künstliche Intelligenz? Vicari sieht in neuen Erzählformen eine große Chance. Dazu müssten wir sie aber kennen und uns mit ihnen auseinandersetzen. Im Alltagsgeschäft kämen Kreativität und radikale Innovation permanent zu kurz. Journalist*innen sollten sich viel häufiger fragen: „Was wäre wenn?“

News aus dem Inneren einer Kuh
„Was wäre, wenn ich aus dem Inneren einer Kuh senden könnte?“ hat sich Vicari selbst gefragt. Die Frage mündete in ein Aufsehen erregendes Multimedia-Projekt in Kooperation mit dem WDR. 30 Tage lang wurde bei „Superkühe“ das Thema Milcherzeugung mit Hilfe von Sensoren und anderer Technik aus einer völlig neuen Perspektive erzählt. Ein ähnliches Experiment mit Bienen schloss sich nahtlos an.

Immer mehr Gegenstände des täglichen Lebens seien mit dem Internet verbunden, hätten intelligente Displays, sprächen zu uns, erklärte Vicari. Sensoren lieferten Daten, deren Nutzen wir bisher noch gar nicht erfassten.

Ihn treibt die Urkraft des Journalismus: Neugier. Bekommt er keine Daten, baut er Sensoren selbst und Software, die die Daten auswertet und in Texte wandelt, gleich dazu. Unlängst hat Vicaris Firma eine „Zuhör-Software“ entwickelt, mit welcher Medien besonders niederschwellig in direkten Dialog mit ihren Nutzer*innen treten können. Er habe endlich mal die Leisen hören wollen, sagte Vicari. Die, die im lauten Social-Media-Trubel sonst untergehen.

Vicari verkauft das Programm an Redaktionen und berät sie. Sein Geschäftsmodell hat die Anwesenden natürlich besonders interessiert. Entwicklungsarbeit an vorderster Front sei nicht immer lukrativ, gibt er offen zu. Dafür aber vielfach preisgekrönt. Wenn seine Geschichten schließlich online stünden, so grinst er, würden sich alle fragen: „Wieso haben wir das nicht?“

Barbara Weidmann

In den vorigen FREIstunden waren wir bei da Hog’n, MUH und INNside zu Gast.

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