„Wie das bei Chancen so ist, sie beginnen dann, wenn man von ihnen erfährt“, motivierte „Think Digital Green“-Gründerin Susanne Grohs-von Reichenbach das digitale Publikum zum Handeln
Foto: Screenshot Michaela Schneider

Fachgruppe Online

Digital und nachhaltig als „das neue Normal“

Das Start-up-Team „Think Digital Green“ informierte, wie Journalist*innen den CO2-Fußabdruck im digitalen Arbeitsalltag reduzieren können

München, 17.11.2021

„Wir würden gern dazu beitragen, dass Sie ‚Think Digital Green‘ als neues ‚Normal‘ in den Alltag mitnehmen“, wandte sich Susanne Grohs-von Reichenbach an ihr virtuelles Publikum. Die BJV-Fachgruppe Online und der Bezirksverband München – Oberbayern hatten die Gründerin des gleichnamigen Startups sowie Umweltingenieur Julian Zöschinger als Referenten zum Zoom-Vortrag geladen, gemeinsam erklärten die beiden, wie es sich als Journalist*in klimabewusster arbeiten lässt. Acht praktische Tipps gaben die Beiden an die Hand, die sich im Arbeitsalltag direkt umsetzen lassen.

Warum das sinnvoll wäre? Laut Öko-Institut e.V. liegt der CO2-Fußabdruck durch den digitalen Lebensstil pro Jahr und Kopf im Schnitt bei einer Tonne. „Das Thema wird für uns als Medienmacher*innen ein sehr großes werden“, leitete Fachgruppenvorsitzender Thomas Mrazek den Abend ein. Und gleichzeitig könne man vielleicht auch selbst das eine oder andere im Alltag besser machen.

Gründerin wollte „ein Teil der Lösung sein“
Der Kontakt zum Start-up Think Digital Green war über Anja Gild, stellvertretende Vorsitzende bei den Onliner*innen, zustande gekommen, die bei einem völlig anderen Projekt mit Grohs-von Reichenbach gearbeitet hatte. Als die Beiden sich dann am Rande über das Thema „digitaler CO2-Fußabdruck“ unterhielten, sah Gild darin ein Thema, „dem sich die meisten überhaupt nicht bewusst sind“. Grohs-von Reichenbach war darauf vor vier Jahren durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung gestoßen. „Ich entschied, eine Initiative zu gründen, um Teil der Lösung zu sein“, erzählte sie den rund 25 Kolleg*innen.

Für das Start-up Think Digital Green konnte sie dann auch Umweltingenieur und Gutachter Gianluca Vassallo sowie Umweltingenieur und Nachhaltigkeitsberater Julian Zöschinger gewinnen, zu Dritt arbeiten sie nun am Thema nachhaltige Digitalisierung. Entwickelt haben sie ein kleines Modell, um den digitalen CO2-Fußabdruck um bis zu 80 Prozent zu verkleinern.

Fast eine Tonne pro Kopf-CO2-Ausstoß im Jahr
Um das 1,5-Grad-Klimaziel zu erreichen, dürfte der pro Kopf-CO2-Ausstoß bei maximal zwei Tonnen liegen, tatsächlich beträgt er hierzulande aber derzeit elf bis zwölf Tonnen. Das digitale Leben schlägt dabei mit fast einer Tonne zu Buche. Warum? Jeder Klick verursacht eine Datenkommunikation und somit Energieverbrauch, der Verbrauch des Endgeräts macht davon nur einen Bruchteil aus. Mit anderen Worten: Mit einer kleinen Texteingabe in die Suchmaschine wird jedes Mal eine riesige Maschinerie in Gang gesetzt.

Wie Julian Zöschinger erklärte, entstehen allerdings nur 5,4 Prozent des gesamten digitalen Fußabdrucks beim täglichen E-Mailen, Whatsapp nutzen, Social Media und Musik-Streamen. Videoconferencing (22,36 Prozent), Videostreaming (64,38 Prozent) sowie der Smartphone-Kauf (7,36 Prozent) sind indes zusammen für 94,6 Prozent verantwortlich.

Fünf kleine Soforttipps
Trotzdem gab er auch fünf kleine Soforttipps an die Hand, um den kleinen Energiefressern zu Leibe zu rücken: Die Suchmaschine ECOSIA (deren Daten auf Microsofts Bing basieren) als Alternative zu anderen nutzt Werbeeinnahmen, um Bäume zu pflanzen; primär sollte man eher auf Messenger denn Mails setzen und große Anhänge lieber als Cloud-Link schicken; der Bildversand vergrößert im Messenger den CO2-Fußabdruck deutlich, Textnachrichten sind besser; bei Facebook und Insta kann man den Data-Saver nutzen; und Musik sollte man möglichst im WLAN herunterladen und unterwegs dann per Playlist hören.

Smartphone: Besser ein refurbed Modell
Intensiver schaute Zöschinger auf das Thema Smartphone-Kauf. Fakt ist: Pro Jahr kaufen die Deutschen 22 Millionen neue Smartphones, im Schnitt wird das alte Gerät alle zwei Jahre gegen ein neues ausgetauscht. Die Recycling-Rate liegt unter zehn Prozent. Wer hier CO2 einsparen will, sollte indes refurbed Modelle bevorzugen, diese möglichst lang behalten und dann recyclen, riet der Umweltingenieur. Video-Conferencing des Weiteren ist heute an der beruflichen Tagesordnung, oft viele Stunden am Tag, die CO2-Emission ist dabei immens. Wer indes die Kamera nur dann anmacht, wenn dies unbedingt nötig ist, kann bis zu 94 Prozent des CO2-Verbrauchs einsparen.

Vor allem schlägt Video-Streaming zu Buche
Am heftigsten allerdings schlägt Video-Streaming zu Buche. Wer darauf nicht verzichten, aber seinen CO2-Fußabdruck trotzdem reduzieren will, sollte dies möglichst nur im Heimnetzwerk tun, Stichwort WLAN First. „Videostreaming im Bus entspricht nicht ganz, aber beinahe einer Autofahrt“, berichtete Zöschinger. Außerdem hilft es, die Qualität herunterzusetzen – die Naturdoku mag in HD besser wirken, das tägliche Fitnessvideo taugt auch bei Standard Definition /720 p. Und: Abschalten sollte man die Auto-Play-Funktion.

„Wie das bei Chancen so ist, sie beginnen dann, wenn man von ihnen erfährt“, motivierte Susanne Grohs-von Reichenbach das digitale Publikum zum Handeln. Und auch darüber hinaus gab sie Impulse für Journalist*innen an die Hand, etwa, über die doppelte Transformation – digital und nachhaltig – zu berichten; als Website-Hosts auf die Nachhaltigkeit der Onlineprojekte zu achten (Tipps hierzu auch unter nachhaltiges-webdesign.jetzt); die Datenlast im Alltag zu reduzieren, etwa durch Bildkomprimierung (Tools dazu etwa unter alternative.net) oder vielleicht gar eine Arbeitsgruppe beim BJV zu gründen, die sich des grünen Denkens annimmt.

Michaela Schneider

Weitere Informationen zu den Themen Klima-, Umwelt- und nachhaltigem Journalismus

Zusammengestellt von Thomas Mrazek.

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