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Lohrer "Main-Post" vom 21. Januar: Eine Chance für viele Laien 
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MGO

BJV-Landesvorstand

70 Jahre und kein bisschen weise

Lohrer Ausgabe der Main-Post sucht Laien-Journalisten

München, 22.01.2016

Auf Unverständnis trifft ein Aufruf der Main-Post beim Bayerischen Journalisten-Verband (BJV). Die Würzburger Tageszeitung rief in ihrer Lohrer Ausgabe vom 21. Januar Leser ab 16 Jahren dazu auf, an einem „Reporter-Casting“ teilzunehmen.

Eintägiger Crash-Kurs
Ähnlich der Idee von Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ können sich danach „ambitionierte Jung-Journalisten (ab 16 Jahren, die BJV.de-Red.) ebenso wie engagierte Frührentner oder Mütter, die nebenbei noch eine sinnvolle Beschäftigung suchen“, um einen Platz als freier Mitarbeiter der Redaktion bewerben. Wer das „Casting“ Anfang Februar erfolgreich überstehe, soll nach einem Briefing an einem eintägigen Crash-Kurs teilnehmen.

„70 Jahre und kein bisschen Weise“, beschreibt der BJV-Vorsitzende Michael Busch diese Aktion der Main-Post, die 2015 erst ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert hat. Der Aufruf zur Laienarbeit in der Redaktion sei „voll daneben“. Das Gewinnstreben des Medienkonzerns dürfe nicht dazu führen, die Qualität der Zeitungsinhalte gerade in der Region weiter abzusenken.

Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel
„Gerade in Angesicht der Entwicklung des Journalismus und der Kritik, die an diesem und vor allem an den Journalisten geübt wird, ist dieses Vorgehen unverantwortlich“, erklärt Busch.

Weiterhin sei dieser Schritt ein verheerendes Zeichen an den Markt. Die Abonnementspreise werden erhöht, gleichzeitig offeriert man den Lesern, dass „ihre Zeitung“ nun von billigen Arbeitskräften befüllt wird. „Dass diese Leser dann auch nicht mehr bereit sind für diesen Laienjournalismus zu zahlen, liegt auf der Hand“, befürchtet Busch.

Affront gegenüber den Mitarbeitern
Die Main-Post hat bereits durch den Austritt aus dem Manteltarifvertrag und die Zahlung zu niedriger Honorare für freie Text- und Bildjournalisten in den Regionalausgaben für Unmut unter ihren journalistischen Mitarbeitern gesorgt.

„Diese Anzeige jetzt ist ein Affront gegenüber den eigenen Redakteuren und freien Journalisten“, sagt Busch. Ihnen werde vermittelt, wie gering man ihre Arbeit schätze, wenn diese auch von jedem ausgeführt werden könne, der einen eintägigen Crashkurs absolviert habe.

Appell an die Verlagsleitung
Der BJV-Vorsitzende fordert Verlagschef David Brandstätter auf, sich ihrer Verantwortung für guten Journalismus zu stellen und die unsinnige Aktion sofort zu stoppen, für die sich „jeder gute Journalist fremdschämen“ müsse. „Das hat die Main-Post und ihre aus hoch qualifizierten Mitarbeitern bestehende Redaktion schlicht nicht nötig“, sagt Busch.

Aktualisierung/Nachtrag, 22.01.2016
Die Suche über die Main-Post-Verschlagwortung "Deutschland sucht den Superstar" zeigt, dass journalistische "Superstars" nicht nur in Lohr sondern auch im Landkreis Kitzingen, in Ochsenfurt/Kitzingen und Marktheidenfeld (dort sogar seit 13.11.2015) gesucht werden.

Aktualisierung/Nachtrag, 31.01.2016
Der Leseranwalt der Main-Post, Anton Sahlender, legt seine Sichtweise dar: „Am Wurzelwerk von Lokalredaktionen“.

Schlagworte:

Main-Post

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